Vom Reden ins Handeln kommen Mut zum Machen: Netzwerken, Workshops und Vorträge beim EMS-Tag

Von Susanne Braun 6 min Lesedauer

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Die EMS-Branche trifft sich am 1. Oktober 2026 wieder in Würzburg. Der EMS-Tag bringt kleine und mittelgroße Elektronikfertiger, Branchenkenner und Dienstleister zusammen; diesmal mit noch stärkerem Fokus auf Austausch, Workshops und konkreten Erfahrungen aus der Praxis.

Startschuss: Bereits am 30. September laden wir zum Networking-Abend des EMS-Tags.(Bild:  Stefan Bausewein)
Startschuss: Bereits am 30. September laden wir zum Networking-Abend des EMS-Tags.
(Bild: Stefan Bausewein)

Der Würzburger EMS-Tag versammelt am 1. Oktober wie gewohnt kleine und mittelgroße EMS-Unternehmen im Vogel Convention Center in Würzburg. Wobei: Ganz genau genommen beginnt der Teil des EMS-Tags, den viele Besucher als besonders wertvoll beschreiben, schon am Vorabend. Am 30. September trifft sich die Branche zum Networking-Abend im Würzburger Bürgerbräu. In entspannter Atmosphäre, bei gutem Essen und Getränken, entstehen dort oft genau die Gespräche, für die im Tagesgeschäft zu wenig Zeit bleibt.

Denn Gesprächsstoff gibt es genug. Die Bauteilbeschaffung bleibt angespannt, der KI-Boom verschiebt Prioritäten in den Lieferketten, Energiekosten und Silberpreis belasten die Kalkulation, und viele EMS-Dienstleister arbeiten an denselben Grundfragen: Wie bleibt man lieferfähig? Wie gewinnt man passende Kunden? Wie wird man sichtbarer? Wo lohnt sich Automatisierung? Und wie lässt sich ein mittelständisches Unternehmen so aufstellen, dass es auch in einem bewegten Markt handlungsfähig bleibt? Dafür gibt es den EMS-Tag: für eine Branche, die selten im Rampenlicht steht, aber ohne die in der Elektronik wenig läuft.

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Ankommen. Reden. Zuhören.

Beim Networking-Abend geht es um Best Practices, Marktlage und Auslastung, um Abkündigungen, Materialverfügbarkeit, Einkauf, Personal, Kundenanforderungen oder schlicht um die Frage, wie andere mit denselben Problemen umgehen. Nicht jedes Gespräch muss gleich eine Lösung liefern. Manchmal reicht schon die Erkenntnis, dass man mit einer Herausforderung nicht allein ist.

Der EMS-Tag lebt seit vielen Jahren von dieser Mischung aus fachlichem Programm und persönlichem Austausch. Natürlich schaut sich niemand gern vollständig in die Karten. Aber gerade in einer Branche, die stark von Vertrauen, Erfahrung und persönlichen Kontakten geprägt ist, kann ein offenes Gespräch mehr wert sein als die nächste allgemeine Marktprognose.

Zuhören. Verstehen. Anpacken.

Der EMS-Tag war nie als Bühne für große Zukunftsfolien gedacht. Interessant wird er dort, wo jemand sagt, was im eigenen Unternehmen funktioniert hat; oder eben nicht. Er soll ein Forum sein, in dem reale Erfahrungen, belastbare Daten und konkrete Fragen zusammenkommen. Die EMS-Branche ist vielfältig: vom spezialisierten High-Mix-Low-Volume-Fertiger bis zum Serienpartner, vom regional verwurzelten Mittelständler bis zum international aufgestellten Dienstleister. Was alle verbindet, ist die Nähe zur Fertigungsrealität.

Genau diese Realität steht 2026 im Mittelpunkt. Welche Strategien helfen in einem Markt, der zwischen Kostendruck, technologischer Komplexität und neuen Kundenerwartungen steht? Welche Rolle kann KI in Produktion und Administration tatsächlich spielen? Wie verändert sich Vertrieb, wenn persönliche Gespräche wichtig bleiben, digitale Sichtbarkeit aber immer stärker zählt? Und welche wirtschaftlichen Faktoren sind entscheidend, wenn Nachfolge, Verkauf oder Neuausrichtung anstehen?

Patentrezepte wird es nicht geben. Aber im besten Fall ein paar Sätze, Zahlen oder Gespräche, die man am Tag oder gar im Monat danach noch im Kopf hat.

Workshops für Sichtbarkeit, Vertrieb und Einkauf

Neu im Programm sind mehrere parallele Workshops. Sie sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Raum für Austausch bieten. Denn viele Themen lassen sich besser diskutieren als frontal erklären.

Ein Workshop widmet sich der Sichtbarkeit von EMS-Unternehmen. Seit Jahren wird in der Branche darüber gesprochen, dass Elektronikfertiger stärker sichtbar werden müssen: gegenüber potenziellen Kunden, gegenüber Fachkräften, gegenüber der Industrieöffentlichkeit. In Würzburg soll es diesmal konkreter werden. Jasmin Konnegen, Sandra Paggen-Breu und Susanne Braun sprechen darüber, was aktives Netzwerken, LinkedIn-Sichtbarkeit und klassische Fachmedien wie ELEKTRONIKPRAXIS leisten können. Im Mittelpunkt stehen keine großen Kampagnenbudgets, sondern pragmatische Ansätze: Was lässt sich mit überschaubarem Aufwand erreichen? Welche Geschichten kann ein EMS-Dienstleister erzählen? Und wie wird aus Sichtbarkeit im besten Fall Vertrauen?

Ein weiterer Workshop nimmt den Vertrieb in den Blick. Denn Vertrieb in der EMS-Branche funktioniert anders als in vielen anderen Märkten. Es geht selten um schnelle Abschlüsse oder reine Produktargumente, sondern um technische Kompetenz, Verlässlichkeit, Gesprächsbereitschaft und die Frage, ob ein Fertiger zu den Anforderungen des Kunden passt. Holger Steitz bringt neue Erfahrungen und Impulse mit, die auf die Besonderheiten der Branche zugeschnitten sind. Dabei dürfte es auch darum gehen, warum Kaltakquise per E-Mail allein in einer so stark vom persönlichen Austausch geprägten Branche selten reicht.

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Geplant ist außerdem ein Workshop zum Einkauf. Gerade hier ist die Lage angespannt. Bauteilverfügbarkeiten werden zunehmend vom KI-Hype beeinflusst, Allokationsrisiken bleiben ein Thema, und Einkaufsteams müssen oft mit Unsicherheiten arbeiten, die sich nicht einfach wegplanen lassen. Der Workshop soll Raum für neue Blickwinkel und praktische Erfahrungen schaffen.

Realistische Daten, echte Erfahrungen

Auch das Vortragsprogramm setzt auf Praxisnähe. Carsten Ellermeier von der Deltec Group spricht über Chancen in einem bewegten Markt. Seit rund einem Jahr steht er an der Spitze des Unternehmens und kann damit aus einer Phase berichten, in der Neustrukturierung, Neuaufstellung und Marktumfeld unmittelbar zusammenfallen.

Matthias Holsten und Michael Künsebeck bringen eine neue EMS-SCOUT-Branchenumfrage mit nach Würzburg. Mehr als 120 EMS-Unternehmen haben Einblicke in Zahlen, Einschätzungen und Marktaussichten gegeben. Damit entsteht ein Bild, das näher an der Realität der Branche liegt als viele allgemeine Marktbetrachtungen. Wo steht die EMS-Branche wirklich? Welche Erwartungen haben Unternehmen? Und welche Herausforderungen werden im Alltag als besonders kritisch wahrgenommen?

Markus Ziechaus von Bayern Consult richtet den Blick auf Unternehmensbewertung und Nachfolge. Er kennt die Perspektive, die auch für Hausbanken relevant ist, wenn mittelständische Unternehmen bewertet werden. Wer über Nachfolge nachdenkt oder einen Verkauf zumindest nicht ausschließt, erfährt, welche wirtschaftlichen Faktoren tatsächlich zählen und worauf Unternehmen frühzeitig achten sollten.

Die Keynote hält Dr. Ralf Hasler von Incap Electronics. Sein Thema: KI in der EMS-Landschaft. Künstliche Intelligenz ist derzeit omnipräsent, aber in vielen Unternehmen bleibt die Frage offen, wo sie jenseits bekannter Beispiele wie AOI oder ERP wirklich sinnvoll eingesetzt werden kann. Hasler spricht über Erfahrungen und Anwendungsbeispiele aus der Praxis von Incap. Dabei geht es nicht um KI als Schlagwort, sondern um die Frage, welche Anwendungen in Produktion, Planung oder administrativen Prozessen tatsächlich Nutzen bringen können.

Nach den Workshops folgen weitere Best Practices, unter anderem zu M&A, zum Netzwerk EMS und zu KI-basierten ERP-Systemen. Begleitet wird das Programm von einer Ausstellung, vielen Möglichkeiten zum Gespräch mit Referenten und Teilnehmern sowie dem, was zu einem guten Branchentag ebenfalls gehört: Kaffee, Verpflegung und Zeit zwischen den Programmpunkten.

Ein Tag für eine Branche, die anpackt

Seit fast einem Vierteljahrhundert bringt der Würzburger EMS-Tag eine Branche zusammen, die selten im Rampenlicht steht, aber an vielen Stellen die Grundlage moderner Elektronik bildet. Ohne EMS-Dienstleister gäbe es viele Produkte nicht in der Form, in der sie heute entwickelt, gefertigt und geliefert werden. Sie übersetzen Ideen in Baugruppen, begleiten Kunden durch technische und wirtschaftliche Entscheidungen, fangen Engpässe ab, sichern Qualität und halten Lieferketten so gut es geht zusammen.

Der EMS-Tag 2026 soll genau dafür Raum schaffen: für Austausch, für Orientierung und für die Gespräche, die im Tagesgeschäft nicht möglich sind. Ob beim Networking-Abend im Bürgerbräu, in den Workshops, in den Vorträgen oder in den Pausen im Vogel Convention Center; unser Event bietet Gelegenheit, mit anderen ins Gespräch zu kommen und konkrete Ansätze für das eigene Unternehmen mitzunehmen.

Nutzen Sie die Gelegenheit auch, mit uns ins Gespräch zu kommen. ELEKTRONIKPRAXIS begleitet die EMS-Branche seit vielen Jahren und besucht Unternehmen gern vor Ort. Wir möchten wissen, was Ihren Betrieb ausmacht, wo Ihre Spezialitäten liegen und welche Themen die Branche wirklich bewegen. Wir freuen uns darauf, Sie am 1. Oktober 2026 beim EMS-Tag in Würzburg zu begrüßen, und gern schon am Vorabend beim Networking im Bürgerbräu. (sb)

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