Fertigung

Prozessoptimierung beim mittelständischen Trafo-Hersteller STS

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Optimierung des Gesamtsystems „Fabrik“

Infoboard nach dem STS-Design
Infoboard nach dem STS-Design
(Bild: STS)
Aus dem neuen Fabriklayout und den optimierten Arbeitsplätzen entstanden völlig neue Anforderungen an die vor- und nachgelagerten sowie unterstützenden Funktionen wie beispielsweise die interne Logistik. Anfang 2011 wurde auch hier mit der Optimierung begonnen, zum Beispiel mit der Veränderung der Lagerstruktur. Ein Großteil der Materialien wird jetzt auf Bestellung Just in Time angeliefert – inzwischen genau so verpackt, wie für die Bereitstellung in der Montage benötigt.

Kleinteile werden verbrauchsorientiert, also über das „Kanban“-Prinzip bereitgestellt. Ist ein gewisser Mindestbestand an den Produktionslinien erreicht, füllt das Logistik-Personal automatisch nach. Platz- und kapitalintensive Teile wie die Gehäuse sowie Vorprodukte werden auftragsbezogen abgerufen. Die Gruppenleiter bestücken das „Auftragsboard“ anhand dessen, was sie in der kommenden Woche produzieren müssen, die Logistikmitarbeiter holen die Aufträge ab und stellen tagesgenau das richtige Material bereit, das dann vom „Bahnhof“ hinter dem Board an die Linie gebracht wird.

Auftragsboard mit angeschlossenem Materialbahnhof
Auftragsboard mit angeschlossenem Materialbahnhof
(Bild: STS)
Auch vor den administrativen Bereichen macht das Lean-Prinzip bei STS nicht Halt. Anfang dieses Jahres wurde dort zum Beispiel das 5S-Prinzip für Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz eingeführt, das auch in der Montage gilt. Zudem gibt es ein KVP-Jahresranking (KVP = Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) über alle Bereiche – auditiert wird natürlich unangekündigt, zur Belohnung gibt es am Ende des Jahres Prämien für die besten Abteilungen.

KVP-Kultur in Reinform

Seit Mitte 2011 sind die Berater der Staufen AG nur noch gelegentlich vor Ort: Der festangestellte KVP-Trainer Erik Graf lenkt seither die Lean-Geschicke bei der STS – mit sehr gutem Erfolg und großer Unterstützung durch die Mitarbeiter. „Im Werk II gibt es eine richtige KVP-Kultur“, so Graf. „Manchmal muss ich noch ein bisschen anschieben, aber was wir erarbeitet haben, wird gelebt, und neue Vorschläge kommen meist von allein.“ Dann sei es extrem wichtig, gleich reagieren zu können, wie es bei STS von vorne herein geplant war. „Nur wenn wir schnell ausprobieren und gegebenenfalls umsetzen, was sich die Mitarbeiter überlegen, bleibt ihr Elan erhalten und der KVP am Leben.“ Dafür krempelt er auch selbst die Ärmel hoch und arbeitet in den Linien mit, um die Probleme der Mitarbeiter erleben und nachvollziehen zu können. Auch ein KVP-Leitbild gibt es inzwischen – passend zu STS in Form einer Spule.

KVP-Leitbild bei STS
KVP-Leitbild bei STS
(Bild: STS)

Status Quo und Ausblick in die Zukunft

Seit Beginn des Optimierungsprozesses Anfang 2010 konnte die STS die Produktivität in Werk II nahezu verdoppeln. Selbst während der Solarkrise des Jahres 2011 ging diese stetig nach oben. Die Durchlaufzeit reduzierte sich von sechs Wochen auf eine Woche, die Liefertreue wuchs um 20 Prozentpunkte auf über 95 Prozent. Die Mitarbeiter stehen hinter ihrem Unternehmen und ihrem KVP, wie das Ergebnis einer Umfrage unter ihnen zeigt: „Wir produzieren schneller, leichter und übersichtlicher, alle Materialien sind am Platz und leicht zu erreichen – und die Zusammenarbeit zwischen uns und den Führungskräften ist sehr gut“, so ein Mitarbeiter-Statement.

Natürlich ist noch an einigen Punkten zu feilen, vor allem die höhere physische Belastung durch die gesteigerte Taktung ist eine Herausforderung. Aber auch dafür hat STS hat bereits ein Konzept für den ergonomisch optimierten Arbeitsplatz der Zukunft – natürlich gemeinsam mit den Mitarbeitern – als Papp- und Computermodell gestaltet. Auch an den Prozessen wird weiter gefeilt. So ist ein Wickelzentrum in Planung, das alle Linien versorgt und durch Mehrmaschinenbedienung die Produktivität weiter steigert. Für bessere Kommunikation zwischen den Linien steht ein Shopfloor Management-Konzept inklusive täglicher Frühbesprechung aller Linienverantwortlichen in den Startlöchern. „Ich denke, unser Beispiel zeigt sehr gut, dass der Mittelstand mit Lean Management sehr viel erreichen kann – wichtig ist nur, eine Struktur zu haben und einen gelebten KVP zu etablieren“, fasst KVP-Trainer Graf zusammen.

* Kurt Zinser ist Werksleiter bei STS

* Rainer Völker ist Berater bei der Staufen AG

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