Die Gerüchte, dass der japanische Eigner Softbank die britische Prozessorschmiede ARM verkaufen möchte, reißen nicht ab. Nun meldet das Wirtschaftsportal Bloomberg, dass GPU-Spezialist NVIDIA aktives Interesse zeigen soll.
Hat GPU-Spezialist NVIDIA ein Auge auf ARM geworfen? Die Verkaufsgerüchte um den britischen Prozessor-IP-Hersteller ziehen weitere Kreise.
Softbank wägt seit einiger Zeit mögliche Optionen zu einem teilweisen oder gar vollständigen Verkauf der britischen Prozessorschmiede ab. Der japanische Mischkonzern hatte ARM, zu diesem Zeitpunkt das wertvollste Technologieunternehmen Großbritanniens, 2016 für umgerechnet etwa 32 Milliarden US-$ gekauft.
Doch ein bereits vor Auftreten der Coronakrise überaus unglücklich verlaufendes Geschäftsjahr und Fehlinvestitionen aus dem von Softbank kontrollierten Vision Fund haben dem Konzern Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe beschert. Um die Verluste auszugleichen, hat Softbank-CEO Masayoshi Son bereits den Verkauf der Konzernanteile an Alibaba und Telekommunikationsunternehmen T-Mobile US veranlasst – Vermögenswerte, die von Wirtschaftskreisen auch schon als das Tafelsilber des japanischen Technologieriesen bezeichneten. Son steht besonders in der aktuellen Coronakrise seitens von Anlegern unter Druck, den Haushalt des Konzerns zu sanieren.
Apple als Interessent wohl aus dem Rennen
Das Wall Street Journal hatte vergangene Woche gemeldet, dass wohl auch Computer- und Smartphone-Hersteller Apple zu den möglichen Kaufinteressenten von ARM zähle. Der Bloomberg-Bericht bestätigt, dass Sondierungsgespräche stattgefunden hätten. Allerdings zeige Apple derzeit kein Interesse an einem Kauf des Prozessorherstellers.
Das liege hauptsächlich an zwei Gründen: Zum einen passe ARMs Geschäftmodell, Prozessoren nicht selbst zu fertigen, sondern IPs an andere Prozessorenhersteller zu lizensieren, nicht in die Apple-übliche Geschäftspraxis, die eigene Entwicklungen nicht an Dritte herausgeben möchte. Zum anderen dürfte ein Erwerb ARMs durch Apple auf massiven Widerstand in der Industrie stoßen, insbesondere aus dem Smartphone-, Tablet- und Laptop-Märkten.
Zahlreiche Gerätehersteller wie Samsung, LG oder Huawei, aber auch Firmen wie Intel oder AMD lizensieren ARM-IPs für ihre Geräte. Würde ein einzelner Geräteherstelle die Quelle für all diese Prozessor-IPs kontrollieren, würde das den Markt massiv beeinflussen und für zahlreiche Kartellklagen sorgen. Schon der Kauf ARMs durch Softbank im Jahr 2016 galt nur deshalb als kartellrechtlich unbedenklich, weil Softbank bis zu diesem Zeitpunkt im Prozessoren- und IoT-Markt kaum in Erscheinung getreten war und daher in diesem Bereich als 'neutral' galt: Das Kerngeschäft von Softbank liegt in technologischen Investitionen sowie im Telekommunikations- und im Robotik-Geschäft.
Ein besonderes Interesse für die Wettbewerbshüter
Auch NVIDIA könnte, anders als Apple, als ein eher 'unbedenklicher' Kandidat für einen Kauf von ARM gelten: Das in Santa Clara, Kalifornien, ansässige Unternehmen hatte sich zunächst einen Namen als Hersteller von leistungsstarken Grafikkarten für Gaming-PCs einen Namen gemacht, hat diese Expertise mittlerweile aber auch auf andere Bereiche ausgeweitet. So gilt das Unternehmen mittlerweile als führend bei der Herstellung KI-spezifischer Prozessoren und -Hardwarebeschleunigung für Rechenzentren, aber auch in aufstrebenden Bereichen wie Edge Computing oder autonomes Fahren. Auch die Coronakrise steckt der GPU-Spezialist vergelichsweise gut weg. Mittlerweile wird NVIDIA in verschiedenen Auflistungen zu den zehn umsatzstärksten Halbleiterherstellern der Welt gezählt.
Dennoch dürfte, gerade mit Blick auf den Markt für Rechenzentren, auch ein Gebot von NVIDIA seitens der Konkurrenz und von Wettbewerbshütern argwöhnisch beobachtet werden. Überhaupt dürfte aufgrund er hohen Marktdurchdringung von ARM-IPs jeder mögliche Bieter eine behördliche Prüfung auslösen. Andere Unternehmen würden sich wahrscheinlich einem Geschäft widersetzen und die Zusicherung verlangen, dass ein neuer Eigentümer weiterhin gleichberechtigten Zugang zum Prozessoren-Befehlssatz von ARM gewährt.
Stand: 08.12.2025
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Weder Softbank oder ARM noch NVIDIA wollten derzeit eine Erklärung zu den Übernahmegerüchten abgeben. Auch Apple wollte sich zu möglichen Übernahmegesprächen bislang nicht äußern.