Softbank braucht Geld: Nach Milliardenverlusten erwägt das japanische Firmenkonglomerat offenbar den Verkauf von Prozessor-IP-Entwickler ARM – entweder ganz oder in Teilen. Auch ein Börsengang ist im Gespräch. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Wall Street Journal.
ARM-Hauptquartier in Cambridge: Der britische Chip-Architekt steht nach Angaben des Wall Street Journals möglicherweise zum Verkauf.
(Bild: Arm-headquarters-cambridge-5 / Apollo439 / CC BY-SA 4.0 / CC BY-SA 4.0)
Der japanische Mischkonzern und Tech-Investor Softbank Group überlegt offenbar, sich ganz oder teilweise von Chip-Entwickler ARM Holdings (ARM) zu trennen. Das hat zuerst das amerikanische Wall Street Journal (WSJ) berichtet. Demnach prüft die Investmentbank Goldmann Sachs mögliche Verkaufsoptionen; auch ein Börsengang der Tochter sei denkbar. Ein solcher IPO (Initial Public Offering) war bereits letztes Jahr für ARM im Gespräch und ursprünglich für 2023 angedacht.
Als möglichen Käufer handeln manche Stimmen bereits Apple. Hier passt ins Bild, dass der US-amerikanische Techkonzern erst Ende Juni auf seiner jährlichen stattfindenden Entwicklerkonferenz „WWDC 2020“ bekannt gegeben hat, in seinen Mac-Computern zukünftig nur noch selbst entwickelte System-on-Chips (SoC) mit ARM-Prozessorkernen verbauen zu wollen.
Mit diesem erneuten, insgesamt zweiten Plattformwechsel in der Geschichte von Apple (1994 Wechsel von Motorola- auf IBM-Power-PC-Prozessoren, 2005 Wechsel auf Intel-CPUs) wäre der bisherige Prozessorlieferant Intel aus dem Rennen. Tatsächlich sind die Notebooks und PCs (Mac Pro/Mini, iMac, MacBook Air/Pro) die letzten Geräte im Apple-Portfolio, die noch mit Intel-Prozessoren arbeiten. Die erfolgreichen iPhones und iPads haben bereits seit Jahren eine ARM-Basis.
Softbank hat ARM erst 2017 übernommen
Das letzte Geschäftsjahr hat der japanische Mischkonzern Softbank Ende März 2020 mit einem großen Verlust abgeschlossen: 962 Mrd. Yen, umgerechnet etwa 8,3 Mrd. Euro, fehlten dem Konzern bis zur schwarzen Null. Und die Corona-Krise hatte darauf noch wenig Einfluss.
Softbank hatte ARM erst 2017 endgültig für satte 24 Mrd. britische Pfund übernommen – das entsprach fast 29 Mrd. Euro. Das Geld stammte aus dem 100-Mrd.-US-Dollar schweren Tech-Investitionsfonds „Vision Fund“. Die Akquise war Teil des Plans, eine „Dominanz im IoT-Markt“ aufzubauen, wie Softbank seinerzeit mitteilte. Damit scheint sich der Konzern jedoch verhoben zu haben: Masayoshi Son, Gründer und CEO von Softbank, musste auf der Hauptversammlung Ende Juni 2020 einen Verlust von umgerechnet über 16,4 Mrd. Euro für den „Vision Fund“ melden.
Softbank will Beteiligungen im großen Stil loswerden
Allein mit der Beteiligung am Büroraum- und Coworking-Space-Vermittler WeWork setzte Softbank mehrere Mrd. Euro in den Sand. Auch die Bewertungen für den Fahrdienstvermittler Uber sind nicht zuletzt seit Aufflammen der Corona-Unwägbarkeiten rückläufig.
Um unzufriedene Investoren zu besänftigen, will Son nun Softbank-Beteiligungen im Wert 41 Mrd. US-Dollar veräußern. Darüber hinaus investiert Softbank massiv in ein Aktienrückkaufprogramm. Bereits gestartet ist der Verkauf von von 198 Millionen T-Mobile-Aktien für insgesamt rund 20 Mrd. US-Dollar. Erst im April war die Fusion der Softbank-Tochter Sprint und T-Mobile US von US-amerikanischen Wettbewerbswächtern genehmigt worden. Bei „New T-Mobile“ wird Son künftig nur Minderheitsaktionär sein.
Mitte Mai wurde zudem bekannt, dass Jack Ma, Gründer des chinesischen Onlinehandelsriesen Alibaba und Lichtgestalt der chinesischen Tech-Szene, aus dem Verwaltungsrat von Softbank ausscheidet. Son wird seinerseits den Verwaltungsrat von Alibaba verlassen, wie er auf der Softbank-Hauptversammlung bekannt gab. Beide Unternehmen sind eng miteinander verbunden: 2000 investierte Son rund 20 Mio. Euro in die Idee von Jack Ma, ein Internetportal aufzubauen. Dieser Anteil ist mittlerweile etwa 150 Mrd. US-Dollar wert – mehr als Softbank. Nun will Son auch von diesem Tafelsilber einen Teil verkaufen.
Auf der Hauptversammlung Ende Juni gab sich Son laut Reuters zuversichtlich, dass Softbank nun wieder gut aufgestellt sei. Durch den Verkauf der Beteiligungen seien inzwischen 35 Mrd. US-Dollar eingenommen worden – rund vier Fünftel der angepeilten Gesamtsumme. Mittlerweile befinde sich der Wert der Beteiligungen wieder auf dem Niveau wie vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie.
Stand: 08.12.2025
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ARM-Prozessoren treiben die digitale Welt an – fast überall
Das aus dem britischen Computerhersteller Acorn hervorgegangene ARM (Acorn RISC Machine) ist heute der größte Lizenzanbieter von Prozessor-IP. Damit aufgebaute CPUs und Mikrocontroller stecken heute beispielsweise in fast allen Smartphones. Zu den Lizenznehmern zählen beispielsweise Samsung, Qualcomm und Apple, aber auch bekannte Mikrocontroller-Hersteller wie STMicroelectronics, NXP, Infineon, Renesas, Maxim Integrated. Allein im vergangenen Jahr haben Chiphersteller rund 22 Mrd. ICs mit ARM-Architektur ausgeliefert, insgesamt sollen bislang etwa 165 Mrd. Stück produziert worden sein.
Angesichts solcher Zahlen verwundert es, dass sich der ARM-Eigner möglicherweise von seinem Filetstück trennen will. Vielleicht hat Softbank-Chef Son nach einem besonders tiefen Blick in die Kristallkugel aber auch erkannt, dass das bisherige Lizenzmodell von ARM auf lange Sicht seine Attraktivität verlieren könnte: Angesichts aufstrebender, von vielen Unternehmen unterstützen Open-Source-Prozessorarchitekturen wie RISC-V kein vollkommen abwegiges Szenario. Schließlich hat RISC-V hat auch unter bisherigen ARM-Lizenznehmern eine große Fangemeinde.
ARM kann auch richtig schnell
Dass ARM-Prozessorkerne aber nicht nur für stromsparende Mikrocontroller oder als Smartphone-Triebwerk taugen, beweist eindrucksvoll der von Fujitsu mitentwickelte Supercomputer Fugaku im japanischen Forschungszentrum RIKEN: Bestückt mit über 7 Mio. ARM-Kernen ist er der derzeit schnellste Supercomputer der Welt.