Wärmemanagement in der Leistungselektronik Nanoscale-Sensoren bändigen Hotspots in GPUs und Batterien

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Kleinere Sensoren, schnellere Daten, einfachere Integration: Digid bringt Nanoscale-Sensorik in die industrielle Serienanwendung. Durch die Kombination von organischer Elektronik mit einer durchgängigen Signal-Plattform lassen sich thermische und mechanische Belastungen dort messen, wo herkömmliche Sensorik keinen Platz findet.

Dimensionen im Fokus: Eine vollständige Wheatstone-Brückenschaltung auf einer Fingerkuppe verdeutlicht den hohen Grad der Miniaturisierung der Sensortechnologie von Digid.(Bild:  Digid)
Dimensionen im Fokus: Eine vollständige Wheatstone-Brückenschaltung auf einer Fingerkuppe verdeutlicht den hohen Grad der Miniaturisierung der Sensortechnologie von Digid.
(Bild: Digid)

Das thermische Management spielt in den massiv parallelen Architekturen moderner Grafikprozessoren (GPUs) oder in den hochverdichteten Battery Packs der Elektromobilität eine zentrale Rolle. Denn die Abwärme ist der limitierende Faktor für die Performance. Bisherige Lösungen basieren meist auf diskreten NTC-Thermistoren oder integrierten Silizium-Sensoren. Diese kämpfen mit zwei Hauptproblemen: der thermischen Trägheit und der Baugröße.

Das Problem der thermischen Blindzonen

Klassische Sensoren besitzen eine vergleichsweise hohe thermische Masse. Das führt dazu, dass sie schnellen Temperaturtransienten, wie sie bei Lastsprüngen in KI-Rechenzentren auftreten, nur verzögert folgen können. Zudem sind sie oft zu groß, um dort platziert zu werden, wo die Hitze entsteht. Das ist unmittelbar zwischen den Batteriezellen oder direkt auf dem Interposer eines Hochleistungschips. Die Folge ist ein sogenannter thermischer Blindflug, den Ingenieure bisher durch großzügige Sicherheitsmargen und frühzeitiges Heruntertakten (Thermal Throttling) kompensieren müssen.

Nanotechnologie auf Transistor-Ebene

Sensorik auf engstem Raum: Die nanoskaligen Lösungen von Digi.d ermöglichen kraftsensitive Endeffektoren, wie sie etwa in der robotergestützten Chirurgie benötigt werden. Gezeigt wird eine vollständige Wheatstone-Brücke, die auf dem nur 0,3 mm breiten Rücken einer Skalpellklinge appliziert wurde. (Bild:  Digid)
Sensorik auf engstem Raum: Die nanoskaligen Lösungen von Digi.d ermöglichen kraftsensitive Endeffektoren, wie sie etwa in der robotergestützten Chirurgie benötigt werden. Gezeigt wird eine vollständige Wheatstone-Brücke, die auf dem nur 0,3 mm breiten Rücken einer Skalpellklinge appliziert wurde.
(Bild: Digid)

Hier setzt Digid an. Durch den Einsatz der Organic-Thin-Film-Transistor- (OTFT-)Technologie, die in Kooperation mit Partnern wie Smartkem entstanden ist, ist es gelungen, Sensoren zu entwickeln, die kaum größer sind als ein Standard-Transistor. Diese winzigen Sensoren können direkt in die Schaltungslayouts integriert werden.

Der entscheidende physikalische Vorteil liegt darin, dass die sehr geringe thermische Masse der Nanoscale-Sensoren eine Reaktionszeit im Millisekundenbereich ermöglicht. Wo ein herkömmlicher Sensor noch die Umgebungstemperatur des Gehäuses misst, erkennt der Nanosensor bereits den beginnenden Temperaturanstieg am Halbleiter-Die.

Für Entwickler ist jedoch nicht nur die Sensorphysik entscheidend, sondern die einfache Integration in bestehende Systeme. Nanosensoren liefern bauartbedingt extrem schwache Analogsignale, die hochgradig anfällig für elektromagnetische Störungen (EMV) sind. Das ist ein kritisches Thema in der Leistungselektronik.

Ein End-to-End-Ansatz

Der Ansatz von Digid sieht folgendermaßen aus:

  • Analog-Front-End (AFE): Ein dediziertes Interface konditioniert die schwachen Signale unmittelbar nahe der Quelle.
  • Digitalisierung: Das System wandelt die Daten in ein robustes digitales Format um (z.B. I²C oder SPI).
  • Firmware und API: Anstatt mühsam Kennlinien zu kalibrieren, greifen Entwickler über eine API auf bereits interpretierte Temperaturdaten zu.

Dieser sogeannte Plug-and-Sense-Ansatz verkürzt die Time-to-Market erheblich, da sich das Design-Team nicht mehr mit der komplexen Analog-Konditionierung von Nanomaterialien auseinandersetzen muss.

HPC und Batteriemanagement

In der Praxis eröffnen sich zwei strategische Einsatzfelder:

  • High-Performance Computing (HPC): Durch die Integration von Sensor-Arrays (Thermal Mapping) lässt sich die Leistungsaufnahme von GPUs dynamischer steuern. Anstatt den gesamten Chip zu drosseln, können gezielt nur die betroffenen Bereiche reguliert werden, was den Gesamtdurchsatz der Hardware steigert.
  • Battery Management Systems (BMS): Bei EV-Batterien sollten sogenannte Thermal Runaways frühzeitig erkannt werden. Nanoscale-Sensoren können in-situ, also direkt in der Zelle oder auf den Busbars, platziert werden. Sie detektieren lokale Hotspots, bevor diese auf das gesamte Modul übergreifen können. Das ist ein massiver Sicherheitsgewinn gegenüber der heute üblichen, punktuellen Überwachung.

Ein Fazit für die Design-Praxis

Die Zukunft der Sensorik ist nicht nur kleiner, sondern vor allem digitaler. Für Hardware-Entwickler bedeutet dies ein Umdenken. Die Herausforderung verlagert sich von der Schaltungstechnik (Analog-Design) hin zur intelligenten Datenauswertung (System-Design). Wer die thermischen Grenzen seiner Hardware präziser kennt, kann sie weiter ausreizen, was gleichzeitig auch ein Wettbewerbsvorteil ist, der in Zeiten von KI und E-Mobility kaum zu unterschätzen ist. (heh)

Die Redaktion hat einen Experten bei Digid angefragt, am 30. September in Würzburg einen Vortrag auf dem Fachkongress Power of Electronics 2026 zu halten. Weitere Details finden Sie auf der Kongresswebseite.

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