Europäische KI-Infrastruktur Microsoft und Mistral erweitern Partnerschaft mit Milliardenabkommen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Microsoft und Mistral, der führende europäische Anbieter von KI-Sprachmodellen, erweitern ihre KI-Allianz mit einem Milliardenabkommen. Im Fokus stehen europäische Rechenkapazitäten, neue Modelle und flexible Betriebsformen bis hin zu vollständig getrennten Systemen.

Mistral und Microsoft erweitern die Partnerschaft, um souveräne KI für Unternehmen und regulierte Branchen anzubieten.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Mistral und Microsoft erweitern die Partnerschaft, um souveräne KI für Unternehmen und regulierte Branchen anzubieten.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Microsoft und das französische KI-Unternehmen Mistral haben ihre strategische Partnerschaft deutlich ausgeweitet. Das neue Abkommen hat nach Angaben der Unternehmen ein Volumen von mehreren Milliarden US-Dollar. Eine genaue Summe sowie die Laufzeit der Vereinbarung wurden nicht genannt.

Microsoft verpflichtet sich, einen Teil der von Mistral aufgebauten Rechenkapazitäten in Europa zu nutzen. Der US-Konzern will damit die steigende Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten bedienen und seine Infrastruktur auf dem europäischen Markt erweitern. Mistral strebt bis 2030 eine gesamte Rechenleistung mit einer elektrischen Anschlussleistung von einem Gigawatt an.

Neue GPU-Kapazitäten für Training und Inferenz

Für den Ausbau seiner Rechenzentren will Mistral Tausende Grafikprozessoren der Nvidia-Generation Vera Rubin einsetzen. Die Systeme sollen sowohl für das Training neuer KI-Modelle als auch für deren Inferenz und großflächige Bereitstellung genutzt werden. Microsoft erhält durch die Vereinbarung Zugriff auf einen Teil dieser Kapazitäten, ohne die Infrastruktur selbst vollständig errichten zu müssen.

Neben der Rechenleistung umfasst die Zusammenarbeit eine stärkere Einbindung von Mistrals Modellen in Microsofts Entwicklungsplattform Foundry. Dort stehen nun Mistral Medium 3.5 und OCR 4 zur Verfügung. Medium 3.5 ist als Modell mit zugänglichen Gewichtungen für Unternehmensanwendungen vorgesehen und soll sich an spezifische Aufgaben anpassen lassen.

OCR 4 ist auf die strukturierte Verarbeitung von Dokumenten ausgerichtet. Das Modell kann unter anderem Texte, Tabellen und andere Inhalte aus Dokumenten erfassen und für automatisierte Arbeitsabläufe aufbereiten. Es lässt sich innerhalb von Foundry mit bestehenden Werkzeugen, Programmierschnittstellen und agentenbasierten Anwendungen verbinden.

Mistral Medium 3.5 wird zudem in Microsoft Copilot Studio integriert. Unternehmen können das Modell damit für eigene Assistenten und automatisierte Prozesse einsetzen. Die Verwaltung soll über dieselben Kontroll- und Sicherheitsfunktionen erfolgen, die Microsoft auch für andere Modelle innerhalb seiner Unternehmensplattform bereitstellt.

Digital souverän: Betrieb in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum

Kunden sollen Mistrals Modelle künftig in drei unterschiedlichen Betriebsformen verwenden können. Möglich sind eine Bereitstellung in der öffentlichen Microsoft-Cloud Azure, der Betrieb in einer mit Azure verbundenen lokalen Umgebung sowie ein vollständig vom externen Netz getrennter Einsatz über Azure Local.

Microsoft Foundry und Foundry Local sollen dafür eine möglichst einheitliche Entwicklungsumgebung bereitstellen. Anwendungen können mit denselben Modellen, Schnittstellen und Arbeitsabläufen entwickelt werden, unabhängig davon, ob sie später in der Cloud oder auf lokaler Hardware laufen. Dadurch soll sich der Aufwand verringern, KI-Anwendungen für jede Betriebsumgebung neu zu entwickeln.

Die lokal kontrollierten und vollständig getrennten Varianten richten sich besonders an regulierte Branchen und Betreiber kritischer Systeme. Banken, Krankenhäuser, Behörden und Industrieunternehmen können sensible Daten im eigenen Rechenzentrum verarbeiten und externe Netzwerkverbindungen begrenzen oder vollständig ausschließen. Das kann auch Anforderungen an Datenstandorte, Ausfallsicherheit, geringe Latenz und den Schutz von Geschäftsgeheimnissen unterstützen.

Die Vereinbarung berührt damit auch die Debatte über digitale Souveränität in Europa. Unternehmen und öffentliche Stellen suchen verstärkt nach KI-Angeboten, deren Betrieb nicht dauerhaft von außereuropäischen Cloud-Diensten oder politischen Entscheidungen in anderen Staaten abhängig ist. Vollständig unabhängig von US-Technik ist die Infrastruktur allerdings nicht, da unter anderem die eingesetzten Nvidia-Prozessoren aus den Vereinigten Staaten stammen.

Gemeinsame Vermarktung geplant

Beide Partner erwarten wirtschaftliche Vorteile von der erweiterten Zusammenarbeit. Microsoft ergänzt sein Angebot um europäische KI-Modelle und zusätzliche Rechenkapazitäten. Mistral erhält im Gegenzug Zugang zu Microsofts weltweitem Vertriebsnetz, dessen Unternehmenskunden und einer etablierten Plattform für Entwicklung, Verwaltung und Betrieb von KI-Anwendungen.

Microsoft und Mistral arbeiten bereits seit 2024 zusammen. Damals nahm Microsoft erste Modelle des französischen Unternehmens in Azure auf und investierte im Rahmen einer Wandelanleihe 15 Millionen Euro. Das neue Abkommen enthält nach Aussage von Microsoft-Präsident Brad Smith keine weitere Kapitalbeteiligung an Mistral.

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Auch Samsung zu möglicher Partnerschaft im Gepräch

Zur Vermarktung wollen die Unternehmen einen gemeinsamen Vertriebsplan entwickeln. Vorgesehen sind unter anderem finanzierte Machbarkeitsstudien, Azure-Guthaben und Workshops für Kunden. Im Mittelpunkt stehen zunächst Unternehmen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Fertigung, Gesundheitswesen und anderen regulierten Branchen.

Parallel gibt es Berichte über eine mögliche Beteiligung von Samsung an Mistral. Demnach prüft der südkoreanische Konzern eine Investition von bis zu einer Milliarde Euro im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde. Samsung und Mistral haben die Angaben bislang nicht bestätigt. Eine solche Beteiligung könnte Mistrals Zugang zu Kapital und Halbleitertechnik weiter stärken, ist jedoch nicht Bestandteil des Abkommens mit Microsoft.(xx)

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