Die Zwei-Pol-Kontaktierung wird sehr oft verwendet, um Sensoren mit Strom und Spannung zu versorgen. Doch dabei kann es zu Mess-Artefakten kommen. Können Kelvin-Kontakte helfen?
Bei der Kontaktierung von Sensoren kann es zu Problemen kommen, wenn Strom und Spannung gemessen werden sollen.
In der automotiven Sensortechnik werden aus Kosten- oder Performance-Gründen die Teile gelegentlich via Zwei-Pol-Kontaktierung mit Strom und Spannung versorgt. Allerdings hat das Einfluss auf das Messergebnis, wenn man so kontaktiert. Diese Art zu kontaktieren kann unter gewissen Umständen zu Mess-Artefakten führen. Treten diese Artefakte bei der Messung auf, so kann man nicht in einfacher Weise auf die eigentliche Ursache reflektieren. Es ist in der Regel nicht trivial, die gemessenen „Erscheinungen“ auf Kontakt-Probleme zu reduzieren. Anhand eines Beispiels soll das in dem Beitrag erläutert werden.
Die Ursachen bei den Übergangswiderständen
In vielen Fällen werden Sensoren nach der Eichung nochmals überprüft. Dabei soll beispielhaft die Zwei-Pol-Kontaktierung verwendet werden. Sollten in der Kontaktierung keine parasitären Übergangswiderstände vorhanden sein, so ergibt sich ein Ersatzschaltbild (Bild 1, links). Ansonsten kommt es zum Ersatzschaltbild (Bild 1, rechts). Wie das Ersatzschaltbild zeigt, sind bis zu drei parasitäre Übergangswiderstände in der Schaltung vorhanden.
Die Übergangswiderstände können verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann sich auf dem Nickel-Pin eine Oxid-Schicht bilden (NiO), die eine isolierende bzw. halbleitende Wirkung hat. Zum andern kann das Abstanzen der Pins nicht-planare Oberflächen erzeugen. Beide Ursachen bewirken erhöhte Übergangswiderstände (Bild 2). Eine Charge umfasst ungefähr 1000 Teile und jedes Teil wird bei 25 °C und bei 140 °C sowie bei verschiedenen Druckbedingungen vermessen. Die gemessene Ausgangsspannung des Sensors steht im direkten Zusammenhang zum angelegten Druck. Ohne parasitäre Widerstände erwartet man Spannungen, die symmetrisch zu ihren Spezifikationsgrenzen liegen (siehe Grafiken).
Der parasitäre Übergangswiderstand im Detail
Treten parasitäre Widerstände auf, so ergibt sich durch Messartefakte ein anderes Verhalten (Bild 3). Hier erkennt man, dass bei geringen Drücken die Spannungen zu höheren Werten hin tendieren und bei hohen Drücken zu geringeren Werten. Dieses Verhalten wird als Flip-Flop-Verhalten bezeichnet.
Charakteristisch für das Flip-Flop-Verhalten ist, dass es bei hohen Temperaturen nicht mehr beobachtet werden kann. Das kann nur so gedeutet werden, dass der Einfluss der parasitären Übergangswiderstände bei hohen Temperaturen vernachlässigbar ist. Daher ist davon auszugehen, dass der parasitäre Übergangswiderstand halbleitenden Charakter besitzt.
Elektrotechnische und ratiometrische Betrachtungen
Durch das Ersatzschaltbild (Bild 1; rechtes Bild) lässt sich eine Formel für die korrigierten Ausgangs-Spannungen Ua' erstellen. Mit einfachen elektrotechnischen und ratiometrischen Betrachtungen ergibt sich ein Zusammenhang, der in Formel 1 dargestellt ist.
Formel 1
(Bild: Bosch)
In der Formel 1 werden die realen Ausgangsspannungen beschrieben, die bei parasitären Übergangswiderständen in einer Zwei-Pol-Kontaktierung vorhanden sind. Die Parameter der Formel 1 bedeuten im Detail:
Ua = theoretisch zu erwartende Ausgangsspannung, Ua' = gemessene Ausgangsspannung, VDD = eingestellte Betriebsspannung, I = Strom im Betriebszustand, R1 = Übergangswiderstand VDD(+) und Sensor, R2 = Übergangswiderstand Ua und Sensor, R3 = Übergangswiderstand VDD(-) und Sensor.
Bild 3: Messergebnisse einer Sensor-Charge mit Flip-Flop-Verhalten: T = 25 °C.
(Bild: Bosch)
Die Formel beschreibt im linken Term das ratiometrische Verhalten der Ausgangsspannung als Funktion von VDD und den parasitären Widerständen R1, R3 und dem Strom I. Der rechte Term berücksichtigt den Spannungsabfall, der über den parasitären Widerstand R3 auftritt. Beide Terme verfälschen das Ergebnis der zu erwartenden Ausgangsspannung Ua. Deshalb wird Ua' gemessen.
Wird die Formel genauer analysiert, so beschreibt sie die beobachteten Mess-Artefakte. Damit verifiziert die Formel das beschriebene Flip-Flop-Verhalten (Bild 4). Man erkennt also, dass bei hohen Drücken eine zu geringe Spannung gemessen wird und bei geringen Drücken eine zu hohe Spannung. Damit wird genau das Verhalten reflektiert, das Bild 3 darstellt.
Bild 6: Messwerte einer weiteren Charge ohne Kelvin-Kontaktierung.
(Bild: Bosch)
Bild 7: Messwerte der gleichen Charge mit Kelvin-Kontaktierung.
(Bild: Bosch)
Damit Mess-Artefakte vermieden werden, nutzt man in der Praxis eine Kelvin-Kontaktierung. Eine Kelvin-Kontaktierung garantiert, dass die auftretenden Übergangswiderstände ausgeregelt werden. Das Bild 6 zeigt das beschriebene Flip-Flop-Verhalten. Bei einem Druck von 2,2 bar werden bei einigen Teilen zu hohe Ausgangs-Spannungen gemessen und bei 22 bar etwas zu kleine Ausgangs-Spannungen. Die gleiche Sensor-Charge wurde nochmals mit einer Kelvin-Kontaktierung gemessen. Das Resultat der Messung kann man im Bild 7 sehen. Man erkennt deutlich, dass die Mess-Artefakte nicht mehr auftreten. Der Ausbeuteverlust der Messung ist um den Faktor sieben geringer als bei der Zwei-Pol-Kontaktierung, die im Bild 6 zu sehen ist.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Flip-Flop-Chargen und unerwartete Ergebnisse
Elektrische Messungen mit Zwei-Pol-Kontaktierung können zu unerwarteten Ergebnissen führen. Der Beitrag hat das Verhalten sogenannter Flip-Flop-Chargen erläutert. Diese Flip-Flop-Chargen erzeugen hohe messtechnisch bedingte Ausfälle und waren schwer interpretierbar. Die Interpretation dieses eklektischen Verhaltens konnte erst über die Formel sauber qualifiziert werden. Letztlich beschreibt die Formel, dass man bei einer Zwei-Pol-Kontaktierung immer mit elektrischen Übergangswiderständen rechnen muss. Aus den Messergebnissen kann man über das beschriebene Model die Übergangswiderstände in einem Bereich von zwei bis zwanzig Ohm annehmen. Das Flip-Flop-Verhalten zeigt sich lediglich bei Messungen bei 25 °C. Bei Hochtemperaturmessungen tritt das Verhalten nicht auf, weil die Isolationsschichten einen halbleitenden Charakter haben. Das Flip-Flop-Verhalten tritt ebenfalls nicht bei Kelvin-Kontakten auf. Hier werden die Übergangswiderstände ausgeregelt (Bild 7).
Sollten bei einer Zwei-Pol-Kontaktierung vernachlässigbare Übergangswiderstände auftreten, so vereinfacht sich die Formel 1 zu Ua' = Ua. Falls R3 Null ist und R1 ungleich Null, so wird für alle Drücke immer eine zu geringe Spannung Ua' gemessen und im umgekehrten Fall wird immer eine zu hohe Spannung Ua' gemessen. In der Praxis ist die Annahme vernünftig, dass man von gleich großen parasitären Übergangs-Widerständen ausgehen kann. Aus diesem Grunde wird das Flip-Flop-Verhalten gemessen.
Danksagung des Autors: Ich danke Herrn Michael Roch für die Anregung zu dieser Arbeit. Den Herren Frank Bilz und Dr. Matthias Werner danke ich für redaktionelle Hinweise und die ständige Ermutigung, diesen Stoff zu publizieren.