In China wächst Konkurrenz für KI-Spezialisten wie Nvidia heran: Horizon Robotics bringt wohl noch in diesem Jahr einen Edge-KI-Chip für moderne Autos auf den Markt. Auch Audi, Bosch und Conti arbeiten mit dem Unicorn zusammen.
Autos aufschlauen: Das chinesische Start-up Horizon Robotics entwickelt ICs für die Inferenzverarbeitung von Neuronalen Netzen.
Horizon Robotics fordert KI-Größen wie Nvidia heraus: Das chinesische Start-up will schon bald einen neuen Edge-KI-Chip für die Autoindustrie vorstellen, berichtet das Fachmedium CN EV Post. Dies habe Yu Kai, der Gründer und CEO von Horizon Robotics, kürzlich auf einem gemeinsamen Event mit einem chinesischen Autohersteller angekündigt.
Der neue Chip werde eine Rechenleistung von bis zu 128 TOPS (Tera Operations Per Second) haben und Anwendungen für das autonome Fahren und gleichzeitig die „intelligente Interaktion“ im Fahrzeug-Innenraum unterstützen, kündigte der Firmengründer an.
Noch vor kurzem hatten chinesische Medien berichtet, der neue Edge-KI-Chip von Horizon Robotics für die Autoindustrie werde erst im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Offenbar plant das Chip-Start-up nach mehreren üppigen Finanzierungsrunden eine schnellere Erweiterung seiner Produktpalette. Inzwischen sagen manche Beobachter voraus, dass der neue „Journey 5“-Chip schon in diesem Jahr erhältlich sein könnte.
2015 gegründet, jetzt schon ein Big Player
Egal, wie lange es noch bis zum nächsten Produkt-Launch dauern wird – 2021 ist bereits jetzt ein sehr erfolgreiches Jahr für das erst 2015 gegründete Start-up in Peking. Schon seit diesem Frühjahr sind die „Journey 3“-Chips der Firma serienmäßig in E-Autos des Modells Li ONE von Li Auto verbaut.
Das inzwischen auf einen Marktwert von drei Milliarden US-Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) geschätzte Unicorn etabliert sich zunehmend als strategischer Partner chinesischer OEM, die im Zuge der Technologie-Boykotte Washingtons gegenüber Peking ihre Abhängigkeit von ausländischen Halbleitern verringern wollen.
Auch Audi, Bosch und Conti arbeiten mit Horizon Robotics zusammen
Der Autohersteller JAC Motors hat kürzlich bekannt gegeben, ab diesem Jahr in allen seiner Modelle nur noch „Smart Chips“ von Horizon Robotics zu verbauen, berichtete das chinesische Tech-Portal Yicai. Horizon werde das OEM mit Lösungen für „Edge-Computing“-KI-Lösungen versorgen, die Algorithmen direkt auf den Chip bringen – also Inferenzaufgaben übernehmen, sprich das Ausführen vortrainierter Neuronaler Netze. Für Fahrassistenz-Programme und das digitale Cockpit könne so die Geschwindigkeit der Berechnungen deutlich gesteigert werden, hieß es.
Auch die Autobauer Great Wall Motor, SAIC, sowie der deutsche Automobilzulieferer Continental haben strategische Kooperations-Verträge mit Horizon Robotics abgeschlossen. Audi und Bosch arbeiten ebenfalls mit der chinesischen Firma zusammen. Das Start-up kann also in diesem Jahr weiterhin einen der heißesten Trends der Chip-Industrie für sich nutzen – die Entwicklung von Edge-KI-Chips, die von Berechnungen in großen Cloud-Rechenzentren unabhängig sind.
Auto-Chips brauchen keine Top-Prozesstechnologie
Während Chip-Produzenten in der Volksrepublik beim Design und der Herstellung der fortgeschrittensten Halbleiter im Bereich 5-Nanometer und darunter noch mehrere Jahre hinter führenden Produzenten wie TSMC in Taiwan oder Samsung in Südkorea im Rückstand sind, holen sie bei Autochips gerade mit rasanter Geschwindigkeit auf.
Die chinesische Investment-Bank CITIC sagt in einer Marktstudie voraus, dass im Jahr 2030 bereits 75% aller in China verbauten Auto-Chips für ADAS-Fahrassistenz-Systeme und das autonome Fahren der Stufe L3 von heimischen, chinesischen Herstellern stammen könnten. Im Jahr 2019 waren es noch 20%.
Spezielle Chips für IoT-Anwendungen
Auch für IoT-Anwendungen hat Horizon Robotics kürzlich wieder zwei verschiedene Edge-Chips herausgebracht, den „Sunrise 3” in den Versionen 3M (5 TOPS) und 3E (3 TOPS), beide auf 16-nm-Basis. Konkurrenz bekommt das Pekinger Unternehmen von dem chinesischen Startup Cambricon und von Huawei, die ebenfalls viel Geld in die Entwicklung modernster Edge-KI-Chips investieren.
Der vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump begonnene und von seinem Nachfolger Biden fortgesetzte „Technologie-Krieg“ mit Peking forciert das Bestreben Chinas, von ausländischen Chipentwicklern und -produzenten unabhängiger zu werden. US-amerikanische Chip-Hersteller wie Nvidia oder Intel könnten dadurch Marktanteilen in China einbüßen.
Stand: 08.12.2025
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