Hardware retten, Fehler finden, Zeit sparen Die richtige Probing-Strategie entscheidet über den Projekterfolg

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Ein Oszilloskop ist nur so gut wie das Signal, das es erreicht. Doch in der Leistungselektronik lauern Fallen: Schwimmende Bezugspotenziale, schnelle Flanken und heimtückische Impedanzstörungen in Leitungen können Messungen nicht nur verfälschen, sondern im schlimmsten Fall die gesamte Messtechnik zerstören. Was Entwickler und Techniker tun können.

Im Workshop auf dem Fachkongress Power of Electronics geht es um die Probing-Strategie. Patrik Gold zeigt in Würzburg, wie man Messfehler vermeidet und Impedanzstörungen auf den Millimeter genau lokalisiert.(Bild:  Pico Technology)
Im Workshop auf dem Fachkongress Power of Electronics geht es um die Probing-Strategie. Patrik Gold zeigt in Würzburg, wie man Messfehler vermeidet und Impedanzstörungen auf den Millimeter genau lokalisiert.
(Bild: Pico Technology)

Wer an einem modernen Netzteil oder einem Serverschrank misst, stellt schnell fest: Ein sauberer Massepunkt ist eine Illusion. In der Leistungselektronik liegen viele Signale auf hohem oder schwimmendem Potenzial. Ein falsch angesetzter Tastkopf führt schnell zum Kurzschluss über das Oszilloskop. Das ist ein Albtraum für jeden Entwickler.

„Ein falsch gewählter Tastkopf verfälscht nicht nur das Ergebnis, sondern gefährdet Prüfling, Messtechnik und Anwender“, erklärt Patrik Gold von Pico Technology. In seinem Workshop am 30. September räumt er mit gefährlichem Halbwissen auf. Er zeigt, wie die Wahl des Tastkopfs und die Masseführung darüber entscheiden, ob man auf dem Bildschirm echtes Signalverhalten oder nur elektromagnetisches Rauschen sieht. Dabei geht es nicht um akademische Spezialfälle, sondern um den harten Alltag zwischen Power Rail und Schaltknoten.

Messtechniker sollten TDR-Messungen verstehen

Ein weiteres Rätsel für viele Messtechniker: Ein Gerät fällt nach Wochen im Betrieb sporadisch aus, obwohl der einfache Durchgangsprüfer „grünes Licht“ gibt. Hier stößt die klassische Multimeter-Logik an ihre Grenzen. Oft liegt der Fehler in einer Impedanzstörung. Das kann etwa eine gequetschte Leitung oder ein mangelhafter Steckverbinder sein, der das Signal reflektiert.

Hier kommt die Zeitbereichsreflektometrie (TDR) ins Spiel. „TDR zeigt nicht nur, dass ein Fehler vorliegt, sondern auf den Millimeter genau, in welchem Abschnitt er sitzt“, sagt Gold. Das Besondere an der Messung ist, dass sie zerstörungsfrei über einen einzigen Anschlusspunkt erfolgt. Im Workshop lernen die Teilnehmer, Impedanzverläufe zu interpretieren und Fehlerstellen zu lokalisieren, bevor das System komplett versagt.

DER KONGRESS FÜR ELEKTRONIKENTWICKLER

Entwickeln mit Weitblick – Die 360-Grad-Sicht auf die Elektronik

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt: Power of Electronics liefert Wissen, Werkzeuge und Kontakte für erfolgreiche Elektronikentwicklung. Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder erfahrener Spezialist sind – hier finden Sie tiefgehende Inhalte, aktuelle Technologien und innovative Lösungen. Es erwartet Sie ein auf verschiedene Themengebiete der Elektronik fokussiertes Vortragsprogramm, eine übergreifende Fachausstellung mit den jeweiligen Spezialunternehmen und Komponentenanbietern sowie zahlreiche Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und intensiven Networking.

Ein Workshop mit praktischem Nutzen

Der Fokus des Workshops in Würzburg liegt bewusst auf der praktischen Herausforderung und nicht auf technischer Nischenausrüstung. Patrik Gold schlägt dabei die Brücke von der Fehlersuche im Service bis zur Optimierung im Labor und vermittelt, welche Tastkopf-Strategien bei schwimmenden Potenzialen wirklich Sicherheit und Präzision bieten.

Teilnehmer erfahren zudem, wie sie Impedanzfallen in komplexen Signalpfaden zuverlässig entlarven und erhalten ein tiefes Verständnis für die physikalischen Grenzen der jeweiligen Messmethoden. Dieses Wissen ermöglicht es ihnen, technische Fallstricke im Arbeitsalltag souverän zu beherrschen oder gezielt zu umgehen. (heh)

Der Workshop von Patrik Gold ist Teil der Fachkonferenz Power of Electronics am 29. und 30. September in Würzburg. Das komplette Programm finden Sie auf der Kongresswebseite.

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