Wärmemanagement fest im Griff Die beste Kühlung entsteht im Kopf (und im Algorithmus)

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Ein thermisches Versagen am fertigen Prototyp ist kein Schicksal, sondern die Folge von Fehlentscheidungen in der frühen Phase. Tobias Best zeigt, wie man vom methodischen Fundament am ersten Tag bis zur technologischen Speerspitze am zweiten Tag den gesamten Weg der modernen Entwärmung meistert.

„Wenn Software das Design übernimmt: Generatives Design löst Zielkonflikte im Fluidkühlerbau, an denen konventionelle Methoden scheitern.“ Tobias Best erläuter in seinem Vortrag, wie organischen Geometrien bereits heute in Serie gehen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
„Wenn Software das Design übernimmt: Generatives Design löst Zielkonflikte im Fluidkühlerbau, an denen konventionelle Methoden scheitern.“ Tobias Best erläuter in seinem Vortrag, wie organischen Geometrien bereits heute in Serie gehen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Am ersten Kongresstag widmet sich Tobias Best in einem intensiven, fünfteiligen Workshop der methodischen Sicherheit. Sein Ziel: Den thermischen „Blindflug“ bis zur Hardwaremessung zu beenden.

Entgegen der Meinung vieler, Simulation sei ein Zeitfresser, beweist Best das Gegenteil: Sie ist die größte Zeitersparnis im Projekt. „Frühe Simulation ermöglicht fundamentale Entscheidungen bei der Materialwahl, Komponentenplatzierung, Anbindungsstrategien sowie der Lüfter- und Kühlkörperauslegung“, erklärt Best. Durch diesen Ansatz entfallen unnötige Entwicklungsschleifen und das teure Produzieren von Prototypen für die bloße „Try-and-Error-Optimierung“.

Physik statt Black Box

Besonders kritisch sieht Best das blinde Vertrauen in Software: „Eine Simulation ist immer nur so gut wie der Anwender vor der Tastatur.“ Moderne Modelle bilden heute kleinste Details ab. Das beginnt vom komplexen PCB-Layout über detaillierte CAD-Baugruppen bis hin zur inneren Struktur von Halbleitern. Doch erst die Verknüpfung mit einfachen Überschlagsrechnungen gibt dem Ergebnis den nötigen Qualitätscheck. „Dieses ‚Gefühl für die Physik‘ hilft, die zu erwartenden Temperaturänderungen wirklich zu verstehen und Kühlkomponenten grob vorzuselektieren, bevor sie in der Simulation feinjustiert werden“, sagt der Experte.

Kühler-Design aus dem Algorithmus

Am zweiten Tag (30. September) wechselt Tobias Best zur technologischen Praxis bei extremen Leistungsdichten. Im Zentrum steht die Entwicklung effizienter Fluidkühler mittels generativer Designsoftware.

Ein besonderes Anliegen von Tobias Best ist die Einführung in topologisch optimierte Strukturen. Diese wirken oft organisch, fast wie „von einem anderen Stern“, folgen aber einer knallharten mathematischen Logik. „Solche Strukturen sind ein innovativer Weitwurf, wenn wir an den Grenzen des klassisch Machbaren angekommen sind“, sagt Best.

Der Clou: Die Software nutzt wissenschaftlich fundierte, topologische Algorithmen, um den klassischen Zielkonflikt zwischen maximalem Wärmeübergang und minimalem Druckverlust (Pumpenleistung) vollautomatisch zu lösen. Wo der Mensch manuell in unzähligen CFD-Iterationen stecken bleibt, erstellt der Algorithmus ein effizientes Rth-Netzwerk, das genau auf die vorgegebenen Zielparameter optimiert ist.

DER KONGRESS FÜR ELEKTRONIKENTWICKLER

Entwickeln mit Weitblick – Die 360-Grad-Sicht auf die Elektronik

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt: Power of Electronics liefert Wissen, Werkzeuge und Kontakte für erfolgreiche Elektronikentwicklung. Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder erfahrener Spezialist sind – hier finden Sie tiefgehende Inhalte, aktuelle Technologien und innovative Lösungen. Es erwartet Sie ein auf verschiedene Themengebiete der Elektronik fokussiertes Vortragsprogramm, eine übergreifende Fachausstellung mit den jeweiligen Spezialunternehmen und Komponentenanbietern sowie zahlreiche Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und intensiven Networking.

Das Wissens-Gap schließen

Best betont, dass diese Technologie nicht nur für Spezialisten ist: „Nicht jeder Ingenieur kann in allen Bereichen ein Experte sein. Topologische Algorithmen schließen dieses Gap und machen hocheffiziente Kühlerentwicklung für einen breiteren Anwenderkreis zugänglich.“

Auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit räumt Best mit Vorurteilen auf: Die organisch wirkenden Strukturen sind längst serienreif. „Viele Kunden nutzen bereits 3D-gedruckte Aluminiumobjekte in der Serie. Das rasanten Wachstum der Verlustleistungen, etwa in der KI-Technologie, lässt kaum noch Raum, solche Technologien nicht zu nutzen.“ Wenn der Fortschritt kritische Bottlenecks löst, wird er vom Markt bezahlt. (heh)

„Vom Grundlagen-Seminar bis zum Praxistag (ehemals Cooling Days): Teilnehmer erhalten hier das notwendige Handwerkszeug für die effiziente Entwärmung elektronischer Schaltungen. Der Track Wärmemanagement ist integraler Bestandteil des Fachkongresses Power of Electronics, der am 29. und 30. September in Würzburg stattfindet.

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