Rekorddebüt in Shanghai CXMT: Kurs steigt um 466 Prozent – was kann Chinas DRAM-Champion wirklich?

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Chinas größter DRAM-Hersteller CXMT hat bei seinem Börsendebüt in Shanghai einen spektakulären Start hingelegt. Der Kurs stieg um 466 Prozent, der Börsenwert erreichte umgerechnet fast 488 Milliarden US-Dollar. CXMT spielt eine Schlüsselrolle in Chinas Bestreben, bei Speicherchips unabhängiger zu werden. Technologisch liegt das Unternehmen jedoch noch hinter der Weltspitze.

CXMT-Auftritt bei der IC China.(Bild:  CXMT)
CXMT-Auftritt bei der IC China.
(Bild: CXMT)

Die Aktie des größten chinesischen DRAM-Herstellers ging am 27. Juli 2026 an die Börse. Der Ausgabepreis lag bei 8,66 Yuan, zum Ende des ersten Handelstags notierte das Papier bei 49 Yuan. Somit erhöhte sich der Börsenwert des Speicherherstellers von rund 579 Milliarden auf 3,3 Billionen Yuan. CXMT wurde auf Anhieb zum wertvollsten gelisteten Unternehmen an Chinas Festlandbörsen.

Bereits der Börsengang selbst stellte einen Rekord auf: CXMT nahm 57,92 Milliarden Yuan ein, umgerechnet rund 8,6 Milliarden US-Dollar. Es war der bislang größte Börsengang eines chinesischen Halbleiterunternehmens und zugleich der größte Börsengang Asiens im bisherigen Jahresverlauf. Wir hatten im Vorfeld darüber berichtet.

Die enorme Kursbewegung sollte allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Zum Handelsstart waren lediglich 6,73 Prozent des vergrößerten Aktienkapitals frei handelbar. Das knappe Angebot dürfte den Ausschlag nach oben verstärkt haben. Marktbeobachter warnten gegenüber Reuters zudem vor einer spekulativen Überbewertung und verwiesen auf die starken Schwankungen, denen der Speichermarkt traditionell unterliegt.

Vom Start-up zum viertgrößten DRAM-Hersteller

CXMT wurde 2016 in Hefei gegründet und hat sich innerhalb von zehn Jahren zum größten chinesischen Hersteller von DRAM-Speicherchips entwickelt. Nach Samsung Electronics, SK Hynix und Micron liegt das Unternehmen inzwischen auf Platz vier des Weltmarkts. Laut Börsenprospekt kam CXMT 2025 auf einen Anteil von rund 7,7 Prozent.

DRAM-Chips dienen als Arbeitsspeicher in Smartphones, PCs, Servern und zahlreichen weiteren elektronischen Systemen. Durch den Ausbau von KI-Rechenzentren ist die Nachfrage nach leistungsfähigem Speicher stark gestiegen. CXMT erwartet für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz zwischen 110 und 120 Milliarden Yuan. Damit würde sich der Erlös gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als versiebenfachen.

Das Produktportfolio umfasst inzwischen DDR4, DDR5, LPDDR4X und LPDDR5X. Für seine DDR5-Bausteine nennt CXMT Datenraten bis 8.000 MBit/s und Speicherkapazitäten von 16 beziehungsweise 24 GBit. Die LPDDR5X-Produkte erreichen nach Unternehmensangaben bis zu 10.667 MBit/s.

Bei HBM bleibt CXMT im Rückstand

Der Aufstieg zum viertgrößten DRAM-Anbieter bedeutet noch nicht, dass CXMT technologisch mit den drei Marktführern gleichgezogen hat. Besonders bei High Bandwidth Memory, kurz HBM, liegt der chinesische Hersteller weiterhin zurück. Diese besonders schnellen und breit angebundenen Speicher sind ein wichtiger Bestandteil von KI-Beschleunigern, etwa von Nvidia.

Samsung und vor allem SK Hynix verfügen hier über langjährige Fertigungserfahrung und etablierte Kundenbeziehungen. Auch Micron hat seine Position im HBM-Markt ausgebaut. CXMT profitiert dagegen vor allem von der wachsenden Nachfrage chinesischer Kunden nach heimischen Alternativen zu ausländischen Speicherherstellern.

US-Exportkontrollen erschweren CXMT zudem den Bezug moderner Anlagen und Technologien. Das US-Verteidigungsministerium setzte das Unternehmen im Juni 2026 auf seine Liste chinesischer Militärunternehmen. Eine mögliche Aufnahme in die US-Entity-List steht ebenfalls im Raum.

Milliarden für Fertigung und Entwicklung

Rückhalt erhält CXMT durch Chinas staatlich gestütztes Finanzierungssystem für die Halbleiterindustrie. Vor dem Börsengang befanden sich 36,29 Prozent der Anteile bei staatlichen Investoren. Dazu zählen Beteiligungsgesellschaften aus Hefei und der Provinz Anhui sowie Chinas staatlicher Halbleiterfonds, der sogenannte Big Fund.

Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen in den Ausbau der Produktionskapazitäten, die Modernisierung der Fertigung und die Entwicklung neuer DRAM-Technologien fließen. Laut den von Trendforce ausgewerteten Börsenunterlagen sind unter anderem der Ausbau bestehender Wafer-Produktionslinien, die Weiterentwicklung der DRAM-Technik und Forschungsprogramme vorgesehen.

Die Rahmenbedingungen kommen CXMT entgegen. Trendforce rechnet damit, dass der Speichermarkt angespannt bleibt und die Preise bis Ende 2027 weiter steigen könnten. Viele Abnehmer bemühen sich zugleich darum, ihre Lieferantenbasis zu verbreitern. Davon könnte CXMT profitieren.

Der Kurssprung um 466 Prozent zeigt allerdings zunächst, wie hoch die Erwartungen der Anleger sind – nicht, dass CXMT technologisch bereits mit Samsung, SK Hynix und Micron gleichgezogen hat. Der Börsengang verschafft dem Unternehmen jedoch die finanziellen Mittel, um den Abstand weiter zu verkürzen. (sb)

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