Interview Bosch

Alle Fakten zur ISO 26262

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Eines ist sicher: Die Ermittlung erfordert enormen Aufwand bei äußerst fragwürdigem Ergebnis. Ein Beispiel für eine Überinterpretation findet sich bei der ASIL-Einstufung (Automotive Safety Integrity Level). Uns liegen z.B. Einstufungen derselben Fehlfunktion vor, die von QM (reines Qualitätsmanagement ausreichend) bis hin zu ASIL B reichen. Diese Unterschiede sind weder durch unterschiedliche Fahrzeugtypen noch durch regionale Unterschiede zu erklären. Hier ist eine intensive internationale Abstimmung notwendig, damit es zu einem konsistenten „ASIL-Gefüge“ kommt.

Wie kann in Firmen eine effiziente Umsetzung der ISO 26262 erfolgen?

Unternehmen sollten nicht einen zusätzlichen Sicherheitsentwicklungsprozess definieren, sondern die Anforderungen der ISO 26262 in ihren bereits vorhandenen Entwicklungsprozess integrieren. Dieser soll standardmäßig sichere Produkte liefern, bei nicht sicherheitsrelevanten Entwicklungen werden die unnötigen Teile des Prozesses herausgenommen. Vom umgekehrten Ansatz, d.h. einem „einfachen“ Entwicklungsprozess für die Entwicklung sicherheitsrelevanter Produkte einen Sicherheitsprozess aufzupfropfen, rate ich eher ab.

Im Produkt selbst kann die Norm dadurch effizient umgesetzt werden, dass sicherheitsrelevante Anteile separat betrachtet und somit nicht das gesamte Produkt nach ISO 26262 entwickelt werden muss. In diesem Fall ist allerdings nachzuweisen, dass die nicht sicherheitsrelevanten Teile keine unerwünschten Rückwirkungen auf die sicherheitsrelevanten Teile haben. In den sicherheitsrelevanten Teilen kann durch die ASIL-Dekomposition erreicht werden, dass nicht alles nach dem höchsten ASIL entwickelt werden muss. Der Preis ist allerdings die Einführung von Redundanzen. Es lassen sich – je nach angewandter Dekomposition – einzelne Anteile bis auf QM herunterstufen, für die dann entsprechend weniger Anforderungen umzusetzen sind.

Die ISO 26262 liegt seit Sommer 2009 als Draft International Standard vor. Wie geht es 2010 weiter?

Im Dezember fand die internationale Abstimmung über den aktuellen Normentwurf statt. Stimmberechtigt waren alle Länder, die der ISO angehören - aktuell 104 Nationen. Bei dieser letzten Möglichkeit zur Kommentierung wurden etwa 4.000 Kommentare abgegeben, in Summe wurde der Entwurf aber von allen angenommen. In den kommenden Monaten sind diese Kommentare zu konsolidieren und in den Final Draft International Standard (FDIS) einzuarbeiten. Hierzu wird es voraussichtlich mehrere internationale Treffen geben, bis der FDIS gegen Ende des Jahres endgültig vorliegt und zur finalen Abstimmung gelangt. Bei positiven Ergebnis steht der Veröffentlichung der endgültigen ISO 26262 Anfang 2011 nichts mehr im Wege.

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