Interview Bosch

Alle Fakten zur ISO 26262

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Die Anforderungen in der Norm sind allerdings bewusst sehr weich gehalten. So wird bei der Entdeckungswahrscheinlichkeit nur zwischen hoher und mittlerer Wahrscheinlichkeit sowie der rein zufälligen Entdeckung der Fehler unterschieden. Es gab zwar Vorschläge, hier Quantifizierungen einzuführen, die konnten sich allerdings nicht durchsetzen. Für allgemein verbindliche Vorgaben sind die in der Entwicklung eingesetzten Tools zu unterschiedlich. Die ISO 26262 gibt also nur eine Methode vor.

Was bedeutet dies für Anbieter kommerzieller Werkzeuge?

Qualifiziert werden kann ein Tool nur in seiner Einbettung in einen Entwicklungsprozess, d.h. nur vom Anwender des Tools. Das bedeutet aber nicht, dass die Toolhersteller keine Verantwortung haben. Ihre Aufgabe ist es, ein Tool so anzubieten, dass es qualifizierbar ist. Das beginnt bei einer genauen Beschreibung der möglichen Use-Cases, einer Analyse der möglichen Fehler und einer Beschreibung der internen Fehler-Entdeckungsmaßnahmen. Es kann aber auch sein, dass ein Tool nur dann qualifizierbar ist, wenn zusätzliche Maßnahmen oder Prozessschritte im Entwicklungsprozess implementiert werden können.

Mit welchem zusätzlichen Aufwand durch die ISO 26262 müssen Firmen rechnen?

Abschätzungen gehen von einem Anstieg des Entwicklungsaufwandes von drei bis zehn Prozent aus, abhängig vom Anteil der sicherheitsrelevanten Elemente eines Systems. Über die Jahre wird der Mehraufwand aber abnehmen. Das Ziel von Bosch ist es, die Anforderungen der ISO in den Standardentwicklungsprozessen umzusetzen. Dort wird es anfangs einiges Neues geben, mit der Zeit wird man aber lernen, dieses effizient umzusetzen. Bleiben wird der erhöhte Aufwand für die Dokumentation, der für den Nachweis der funktionalen Sicherheit notwendig ist.

Wir sehen allerdings die Gefahr, dass ein unbewusstes Wettrüsten den Aufwand unnötig steigern könnte. Die Gründe liegen in einer Überinterpretation der Anforderungen, aber auch in den Anforderungen der ISO, die teilweise über den Stand der Technik hinaus gehen. Bei manchen spielt der Gedanke, die Produkte noch sicherer zu machen, eine größere Rolle als die eigentliche Aufgabe, den aktuellen Stand der Technik festzuschreiben. Ein Beispiel sind die relativen Metriken zur Prüfung des Hardwaredesigns. Die Probleme habe ich ja schon geschildert.

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