EMS-Tag 2026 Zwischen Krisenmodus und Aufbruch: Was die EMS-Zahlen verraten

Von Susanne Braun 5 min Lesedauer

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Wie geht es der deutschen EMS-Branche wirklich? Unternehmensmeldungen zeigen nur Ausschnitte, Michael Künsebeck und Matthias Holsten zeichnen mit ihrer Branchenumfrage ein breiteres Bild. Beim EMS-Tag stellen sie die aktuellen Ergebnisse aus der Befragung von mehr als 120 EMS-Unternehmen vor. Im Mittelpunkt stehen Auslastung, Auftragslage, Investitionen und die strategischen Herausforderungen der Branche.

Michael Künsebeck (links) und Matthias Holsten von EMS Scout stellen beim EMS-Tag die Ergebnisse ihrer aktuellen Branchenumfrage vor.(Bild:  VCG / Stefan Bausewein)
Michael Künsebeck (links) und Matthias Holsten von EMS Scout stellen beim EMS-Tag die Ergebnisse ihrer aktuellen Branchenumfrage vor.
(Bild: VCG / Stefan Bausewein)

Wer die Lage der deutschen EMS-Branche verstehen will, kann sich an einzelnen Aufträgen, Investitionen oder Unternehmensmeldungen entlanghangeln. Das ergibt allerdings schnell ein widersprüchliches Bild. Während manche Unternehmen neue Kunden gewinnen, investieren oder wachsen, kämpfen andere weiterhin mit schwacher Auslastung, Preisdruck und einer unsicheren Auftragslage.

Genau hier setzt die Arbeit von EMS Scout an. Michael Künsebeck und Matthias Holsten befragen Unternehmen aus der Branche regelmäßig zu ihrer wirtschaftlichen Situation, ihren Erwartungen und den Herausforderungen im Tagesgeschäft. Die aktuelle Erhebung aus dem Jahr 2026 umfasst nach Angaben der beiden mehr als 120 EMS-Unternehmen. Die Ergebnisse wollen sie beim EMS-Tag am 1. Oktober 2026 in Würzburg vorstellen.

Ein breites Bild aus der Praxis

Eine solche Befragung ersetzt keine amtliche Branchenstatistik. Ihr Wert liegt an anderer Stelle: Sie bringt die Erfahrungen zahlreicher Unternehmen zusammen und macht sichtbar, ob einzelne Beobachtungen tatsächlich einem größeren Muster entsprechen.

Bereits die EMS-Scout-Umfrage von 2025 zeigte, wie unterschiedlich die Lage eingeschätzt wurde. An der Erhebung beteiligten sich 121 Unternehmen. Bei 79 Prozent lag die Auslastung unter 90 Prozent, 81 Prozent verfügten über einen Auftragsbestand von weniger als 250 Produktionstagen. Gleichzeitig blickten viele Unternehmen vorsichtig optimistisch nach vorn: 78 Prozent erwarteten für 2026 steigende Umsätze, 43 Prozent sogar ein Wachstum von mehr als zehn Prozent. Die Auswertung der Vorjahresbefragung zeigt damit beides: eine angespannte Gegenwart und die Hoffnung auf eine Erholung.

Die aktuelle Befragung liefert dazu neue Vergleichswerte. Sie zeigt, ob sich Auftragslage und Auslastung stabilisiert haben, in welchen Bereichen EMS-Unternehmen investieren und welche Kundensegmente sich positiv entwickeln.

Nicht jeder Markt ist ein Selbstläufer

Ein wichtiges Ergebnis der vergangenen Befragung war, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht einfach an einzelnen Branchen festmachen lässt. Verteidigung, Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik gelten zwar als attraktive Wachstumsfelder. Automatisch profitieren davon aber nicht alle EMS-Unternehmen, die Kunden aus diesen Bereichen bedienen.

Entscheidender ist offenbar, welches konkrete Produktportfolio ein EMS besitzt, wie klar das Unternehmen positioniert ist und ob es die Anforderungen seiner Kunden mit den eigenen Fähigkeiten abdecken kann. Ein Auftrag aus einem Wachstumsmarkt hilft wenig, wenn Margen, Prozesse oder Kapazitäten nicht zum Projekt passen.

Damit verschiebt sich die Diskussion weg von der Frage, welche Branche gerade als Hoffnungsträger gilt. Im Mittelpunkt steht vielmehr, wie EMS-Unternehmen ihre eigenen Stärken erkennen und daraus ein belastbares Geschäftsmodell entwickeln.

Die Krise zeigt sich nicht nur im Auftragseingang

Die Umfrage macht außerdem sichtbar, dass die Herausforderungen der EMS-Branche miteinander verbunden sind. Eine schwache Auftragslage erschwert Investitionen. Fehlende Investitionen können die technologische Entwicklung bremsen. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Fertigung modernisieren, Fachkräfte gewinnen und neue Kunden ansprechen.

Auch der Vertrieb ist dabei ein Thema. Während der vergangenen Krisen konnten sich viele EMS-Unternehmen vor Aufträgen kaum retten. Die Akquise geriet in den Hintergrund. Wenn die Nachfrage anschließend nachlässt, fehlt jedoch häufig die Pipeline für die kommenden Monate.

Hinzu kommen steigende Kosten, kurzfristige Kundenbestellungen, kleinere Losgrößen, politischer Druck und der Wettbewerb aus Asien. Die Branche steht damit nicht vor einer einzelnen Herausforderung, sondern vor einem Bündel von Aufgaben, die sich gegenseitig verstärken.

Zahlen allein erklären noch keine Entwicklung

Michael Künsebeck ist Inhaber von künsebeck e² consulting und zählt zu den profilierten Kennern der deutschsprachigen EMS-Branche.(Bild:  künsebeck e² consulting)
Michael Künsebeck ist Inhaber von künsebeck e² consulting und zählt zu den profilierten Kennern der deutschsprachigen EMS-Branche.
(Bild: künsebeck e² consulting)

Künsebeck und Holsten wollen die aktuellen Daten deshalb nicht nur präsentieren, sondern realistisch einordnen. Eine Umfrage zeigt, wie viele Unternehmen eine steigende oder sinkende Auslastung melden. Sie erklärt aber nicht automatisch, warum sich ein Unternehmen besser entwickelt als ein anderes.

Dafür braucht es den Blick auf Zusammenhänge: Welche Rolle spielen Kundensegmente, Unternehmensgröße und Spezialisierung? Wie wirken sich Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung aus? Welche Bedeutung haben Vertrieb, Einkauf und Fachkräfte? Und wo unterscheiden sich die Erwartungen der Unternehmen von ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung?

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Gerade diese Verbindung aus Zahlen und Praxiserfahrung macht den Ansatz von EMS Scout interessant. Die Umfrage liefert kein abstraktes Marktbarometer, sondern eine Grundlage für die Diskussion darüber, was EMS-Unternehmen konkret verändern können.

Ein Datenbild, das zur Diskussion einlädt

Matthias Holsten ist Geschäftsführer der Holsten e² consulting GmbH und zählt zu den erfahrensten Beratern der deutschsprachigen EMS-Branche.(Bild:  matthias holsten e² consulting GmbH)
Matthias Holsten ist Geschäftsführer der Holsten e² consulting GmbH und zählt zu den erfahrensten Beratern der deutschsprachigen EMS-Branche.
(Bild: matthias holsten e² consulting GmbH)

Der Anspruch der beiden Referenten ist dabei nicht, der Branche eine einfache Zukunftsprognose zu liefern. Die Ergebnisse sollen vielmehr konkrete Handlungsfelder sichtbar machen – von der Kundenakquise und Mitarbeitergewinnung bis hin zu Investitionen und strategischer Positionierung.

Das betrifft auch Themen, die sich nicht unmittelbar in Umsatz- oder Auslastungszahlen ablesen lassen: die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, die Entwicklung neuer Kundensegmente, die eigene Sichtbarkeit und die Frage, wie viel strategische Planung im Tagesgeschäft tatsächlich möglich ist.

Gerade für kleinere und mittlere EMS-Unternehmen kann der Vergleich mit anderen Marktteilnehmern hilfreich sein. Nicht, um die eigene Situation an einem vermeintlichen Durchschnittswert zu messen, sondern um die eigenen Annahmen zu überprüfen: Ist die schwache Nachfrage ein individuelles Problem oder Teil einer breiteren Entwicklung? Sind die eigenen Kundenmärkte robust genug? Nicht zuletzt: Wird bereits in die Themen investiert, die für die nächste Wachstumsphase wichtig werden könnten?

Zwei Perspektiven auf eine Branche im Wandel

Michael Künsebeck und Matthias Holsten bringen in ihren gemeinsamen Vortrag die Ergebnisse der aktuellen EMS-Umfrage und ihre Erfahrung aus vielen Gesprächen mit Unternehmen ein. Dadurch entsteht ein Blick auf die Branche, der weder nur aus Kennzahlen noch bloß aus Einzelfallgeschichten besteht.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die deutsche EMS-Industrie durch eine Phase kommt, in der Krisenmeldungen und Wachstumshoffnungen eng nebeneinanderliegen. Die aktuellen Daten sollen zeigen, ob sich die erwartete Erholung tatsächlich in den Unternehmen bemerkbar macht und welche Aufgaben noch offen sind.

Der Vortrag zeigt, welche Entwicklungen sich aus der Befragung ableiten lassen und welche Maßnahmen EMS-Unternehmen daraus für ihre eigene Strategie ableiten können. Michael Künsebeck und Matthias Holsten reden dazu am 1. Oktober 2026 im Vogel Convention Center in Würzburg im Rahmen des EMS-Tags. Bereits am Vorabend bietet die Abendveranstaltung am 30. September Gelegenheit, die beiden und andere Branchenvertreter persönlich zu treffen und die Ergebnisse im direkten Gespräch zu diskutieren.

Event-Tipp

Das Managementtreffen für die EMS-Branche

Der EMS-Tag gilt als eines der wichtigsten Managementtreffen der Branche, bei dem aktuelle Veränderungen, erfolgversprechende Strategien, generelle Managementfragen und wichtige technologische Entwicklungen in der Elektronikwelt analysiert und diskutiert werden. Das Programm bietet praxisorientierte Vorträge und interessante Einblicke in den EMS-Markt.

 (sb)

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