Kaum eine Technologie hat die Elektrifizierung so geprägt wie der Transformator. Wer waren die Köpfe hinter dieser Entwicklung? Ein Trio legte mit seinen Arbeiten den Grundstein für moderne Stromnetze. In diesem Artikel beleuchten wir die Lebenswege von Zipernowsky, Déri und Bláthy.
Károly Zipernowsky, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy – die drei ungarischen Ingenieure gelten als zentrale Wegbereiter des modernen Transformators und prägten die frühe Elektrifizierung maßgeblich.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Der Transformator war essenziell für die Elektrifizierung unserer Welt, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann und einen riesigen Schritt in das Zeitalter der Moderne bedeutete. Allein schon durch die Möglichkeit, Licht ohne unmittelbare Emissionen und Brandgefahren zu Hause und in Arbeitsstätten zu nutzen, gab es einen immensen Gewinn an Lebensqualität und Sicherheit.
Auch die Kommunikation wurde nach der Elektrifizierung erheblich einfacher, elektrische Werkzeuge und Produkte kamen hinzu. Viele medizinische Errungenschaften des frühen 20. Jahrhunderts wären ohne eine flächendeckende Elektrifizierung deutlich schwerer umzusetzen gewesen.
Károly Zipernowsky, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy gelten als zentrale Entwickler des modernen Wechselstrom-Transformators, deren Leben wir heute ein wenig unter die Lupe nehmen wollen. Dabei sparen wir die Phase der Transformator-Erfindung aus, da wir diese in einem weiteren Artikel näher schildern wollen. Wir starten nun mit Károly Zipernowsky, der bezogen auf sein Geburtsdatum der Älteste des ungarischen Erfinder-Trios war.
Der Älteste im Trio: Károly Zipernowsky
Károly Zipernowsky wurde am 4. April 1853 in Wien geboren, ging aber in Pest zur Schule, einer Stadt in Ungarn, aus der durch einen Zusammenschluss im Jahr 1873 die heutige ungarische Hauptstadt Budapest entstand. In Kecskemét, etwa 75 Kilometer südöstlich von Budapest, arbeitete er nach seinem Abitur in einer Apotheke, um im Jahr 1872 nach Budapest zurückzukehren. Dort begann er ein Studium an der Königlich-Ungarischen Joseph-Universität für Technik und Wirtschaftswissenschaften, wo er dem Geschäftsführer der noch heute sehr bekannten Firma Ganz auffiel und 1878 von ihm rekrutiert wurde.
Ganz war damals vor allem im Eisenbahn- und Schiffsbau aktiv und baute mit seiner Firma als erste in Ungarn eine Abteilung auf, die sich mit elektrischem Strom beschäftigte. Die Aufgabe von Károly Zipernowsky waren Entwicklungen für die Energieerzeugung – er arbeitete früh an Entwicklungen im Bereich der Stromerzeugung, die in den Gießereien von Ganz zum Einsatz kamen.
Rom unter Strom, Professur und Förderer
Die biografischen Ereignisse, die bereits mit der Erfindung eines Transformators beginnen, werden wir im zweiten Teil des Artikels besprechen, da dabei auch die beiden weiteren oben genannten Persönlichkeiten, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy, mit im Boot waren. Wir springen bezüglich Károly Zipernowsky daher in das Jahr 1893.
Damals schloss er erfolgreich seine Beteiligung an einem Projekt ab, mit dem die Stadt Rom elektrifiziert werden sollte. Dabei verantwortete er ein Versorgungskraftwerk sowie die Stromleitungen. 1893 übernahm Károly Zipernowsky zudem eine Professur an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität von Budapest. 1905, im Alter von 51 Jahren, wurde er der Präsident der Ungarischen Elektronischen Gesellschaft. Er spendete im Jahr 1912 zudem 5.000 Kronen an die Gesellschaft, die angelegt wurden, um den jährlichen Ertrag als Preisgeld für infrage kommende Persönlichkeiten zu verwenden.
Ab dem Jahr 1937 war Károly Zipernowsky altersbedingt nicht mehr in der Lage, persönlich bei der Preisverleihung dabei zu sein, und ließ diesbezüglich einen Abschiedsbrief vorlesen. Am 29. November 1942 verstarb Károly Zipernowsky, der trotz seines Geburtsortes Wien als ungarischer Elektrotechniker galt, im Alter von 89 Jahren in Budapest.
Miksa Déri: Vom Wasserfluss zum Stromfluss
Die nächste an der Entwicklung des Transformators beteiligte Persönlichkeit war der ungarische Elektrotechniker Miksa Déri. Geboren wurde er am 24. Oktober 1854 in Bač, einer kleinen Gemeinde im heutigen Serbien nahe der kroatischen Ostgrenze. Über seine Kindheit und Schulbildung ist wenig bekannt, er studierte Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität Wien und machte im Jahr 1877 dort seinen Abschluss. Zu dieser Zeit waren Österreich und Ungarn als gemeinsames Königreich Österreich-Ungarn vereinigt.
Nach seinem Studium war Miksa Déri vier Jahre bei einem Projekt angestellt, das die Flussläufe der Donau und Theiß regulieren sollte. Die Theiß entspringt in der heutigen Ukraine, verläuft ein Stück weit an der Grenze zu Rumänien und durchfließt dann das östliche Ungarn von Nord nach Süd, um nördlich von Belgrad in Serbien in die Donau zu münden. Parallel zu dem Flussprojekt studierte Miksa Déri Elektrotechnik und wurde 1882 bei der Firma Ganz angestellt, wo Károly Zipernowsky bereits arbeitete. Auch hier überspringen wir die Jahre rund um die Transformator-Entwicklung und gehen direkt weiter in das Jahr 1889.
Stand: 08.12.2025
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Damals arbeitete Miksa Déri bei der IEG (Internationale Elektricitäs-Gesellschaft) in Wien und kümmerte sich um die Fertigstellung des Dampfkraftwerkes Engerthstraße. Er leitete auch ein Projekt, um einen auf Korfu gelegenen Palast der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn zu elektrifizieren. Nachdem er bereits leitender Direktor der IEG war, wurde er zudem im Oktober 1893 Mitglied des Verwaltungsrates. Im Laufe seiner Karriere wurde er unter anderem zum Ehrenmitglied der Elektrotechnischen Vereine Ungarns und Wiens erklärt. Er erhielt zudem den Ehrendoktortitel der bis 1945 im tschechischen Brünn (Brno) existierenden Deutschen Technischen Hochschule. Von 1908 bis 1922 war Miksa Déri im Verwaltungsrat der Wiener Union-Bank. Am 3. März 1938 verstarb er schließlich im Alter von 83 Jahren in Meran (Südtirol), wo er mit der italienischen Form seines Vornamens als Deri Massimiliano gemeldet war.
Ottó Titusz Bláthy: Erst durch die Praxis zum Elektrik-Experten
Die jüngste Persönlichkeit, die direkt mit der Entwicklung des Transformators zu tun hatte, war der ungarische Maschinenbau-Ingenieur Ottó Titusz Bláthy. Er wurde am 11. August 1860 in Tata, im Norden von Ungarn, etwa 55 Kilometer nordwestlich von Budapest, geboren. Er war somit etwa vier Jahre jünger als Miksa Déri und gute sieben Jahre jünger als Károly Zipernowsky. Seine akademische Ausbildung startete, nachdem er mit 17 Jahren sein Abitur abgelegt hatte.
Er begann damals das Studium des Maschinenbauwesens an der Technischen Hochschule Wien, wobei er das entsprechende Diplom im Jahr 1882 ablegte, also im Alter von 21 oder 22 Jahren. Er arbeitete zuerst bei der staatlichen Eisenbahngesellschaft und hatte mit Blaupausen zu tun. Bláthy interessierte sich aber mehr für elektrotechnische Themen, um die er sich privat weiterhin bemühte. Im Jahr 1883 schließlich fand er bei der Firma Ganz eine Anstellung. Wie schon bei den zwei Mitstreitern, lassen wir an dieser Stelle die Phase der Transformator-Entwicklung aus, die wir separat in einem zweiten Artikel schildern wollen.
Erst durch seine Arbeit bei Ganz verstand Bláthy das Themengebiet der Elektrik und Elektrotechnik vollumfänglich, was ihm während seines Studiums nicht gelungen war. Im Laufe der Zeit reichte er mehr als 100 Patente zu elektrischen Geräten ein. In den Jahren 1884 bis 1888 optimierte er unter anderem Generatoren und entwickelte dabei Wechselstrom-Generatoren, die ab 1888 in Italien zum Einsatz kamen. Er erfand zudem 1889 ein Messgerät zur Erfassung von Stromverbrauch bei Wechselstrom und gewann im Jahr 1900 bei der Weltausstellung in Paris den Grand Prix. Was die Elektrotechnik anging, lagen seine Bemühungen später vor allem bei Wasserkraftturbinen und elektrisch betriebenen Lokomotiven.
Drei zeitaufwendige Hobbys
Bekannt wurde Bláthy ebenfalls durch ein völlig anderes Gebiet, nämlich sein Steckenpferd Schach. Er veröffentlichte dazu ein Buch mit Schachkompositionen, also Situationen, die bei einem Schachspiel entstehen können und bei denen die interessierten Leser die Aufgabe haben, mit einer bestimmten Anzahl an Zügen für ein Schachmatt für eine vorgegebene Farbe zu sorgen. Er analysierte in seinem Buch auch berühmte Schachpartien.
Dazu verfolgte Bláthy zwei weitere, zeitintensive Hobbys: Mit seinen Hunden gewann er auf Hundeausstellungen Preise, dazu war er ein großer Anhänger von Fahrradreisen. Bláthy gilt zudem als eine Persönlichkeit, die den Rad- sowie auch Autorennsport unterstützte. Er erhielt in seinem späteren Leben den Ehrendoktortitel an den Technischen Universitäten von Wien und Budapest. Im Alter von 79 Jahren verstarb Ottó Titusz Bláthy am 26. September 1939 in Budapest, wo ihm zu Ehren eine Technische Schule für Informatik sowie eine Straße seinen Namen trägt. Die Bláthy-Ottó-Straße liegt im Südosten Budapests, ganz in der Nähe des kleinen Stadtwaldes Népliget sowie der Groupama Aréna, in der der Fußballverein Ferencváros Budapest beheimatet ist. (sb)