Chinas Glas-Milliardärin Zhou Qunfei: Die Frau zwischen Apple, Tesla und Nvidia

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Zhou Qunfei gehört zu den bemerkenswertesten Unternehmerinnen Chinas. Mit Lens Technology wurde sie zur wichtigen Zulieferin von Apple und Tesla. Nun soll Spezialglas für KI-Rechenzentren, Smart Cars, Robotik und Raumfahrt das Unternehmen unabhängiger vom Smartphone-Markt machen.

Zhou Qunfei hat ein Produkt, an dem in der Vergangenheit Smartphone-Anbieter interessiert waren. Jetzt sollen die Lösungen auch andere Bereiche erobern.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Zhou Qunfei hat ein Produkt, an dem in der Vergangenheit Smartphone-Anbieter interessiert waren. Jetzt sollen die Lösungen auch andere Bereiche erobern.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Beim Staatsbankett für Donald Trump in Peking im Mai 2026 saß an einem der vorderen Tische unter den Ehrengästen eine Frau; zwischen Tim Cook, dem CEO von Apple, und Elon Musk, dem CEO von Tesla. Die 56-jährige Frau heißt Zhou Qunfei. Sie ist die Gründerin und Chefin der chinesischen Firma Lens Technology, einem Hersteller von Spezialglas. Sowohl Cook als auch Musk gehören zu ihren Kunden.

Vermutlich hätte Zhou bei dem Bankett, das Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping für den US-Präsidenten ausrichtete, aber lieber neben dem Nvidia-CEO Jensen Huang am Nachbartisch gesessen. Warum, muss der Reihe nach erzählt werden.

Und weil diese Geschichte auch eine schöne Aufsteigergeschichte ist, muss sie in der Kindheit von Zhou Qunfei beginnen. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist das Klischee, das häufig in solchen Erzählungen auftaucht. Hier passt besser das Etikett „Von der Fabrikarbeiterin zur Milliardärin“.

Arbeiterin am Tag, Studium in der Nacht

Zhou wurde 1970 in dem damals noch armen Dorf Xiangxiang in der zentralchinesischen Provinz Hunan geboren. Ihre Mutter starb, als sie fünf Jahre alt war. Nachdem ihr Vater einen Teil seines Augenlichts verloren hatte, war die Familie bettelarm. Schon als kleines Kind musste Zhou Qunfei deswegen Gemüsepflanzen und Schweine beaufsichtigen und Plastikmüll sammeln, damit die Familie über die Runden kam.

Im Alter von 15 Jahren ging sie als Wanderarbeiterin ins südchinesische Shenzhen und verdingte sich zunächst als Wächterin für eine Baubude auf einer der vielen Baustellen. Später fand sie einen Job als Arbeiterin am Fließband einer Glasfabrik. Damals verdiente sie 7 Yuan pro Tag. Nach heutigem Umtauschkurs sind das weniger als ein Euro. Abends und in den Nachtstunden las sie unermüdlich Bücher über Buchführung oder Computer. Ihr Chef war beeindruckt und machte sie zur Managerin.

Bruchsicheres Glas

Im Alter von 23 Jahren nahm sie ihre Ersparnisse und Kredite aus dem Kreis der Familie und gründete mit 20.000 Hongkong-Dollar ihre erste eigene Firma. Einer der ersten Geschäftserfolge war ein Auftrag von Motorola. Der Hersteller suchte nach einem besonders bruchsicheren Glas für seine Handys. Zhou schnappte sich wieder einige Bücher und experimentierte so lange, bis sie das Problem gelöst hatte.

Der große Durchbruch kam, als Steve Jobs auf der Suche nach einem Bildschirm für das erste iPhone war. Er fand Zhou Qunfei und ihre 2003 gegründete Firma Lens Technology. Sie ist seither einer der wichtigsten Zulieferer von Apple in China. Daran hat sich auch mehr als zwei Dutzend iPhone-Generationen später nichts geändert.

2015 ging sie mit ihrer Firma erstmals an die Börse. Heute wird ihr privates Vermögen auf rund 14 Milliarden Euro geschätzt. Die Aufstiegsgeschichte ist perfekt. Wie viele Hürden sie auf diesem Weg überwinden musste, wie viele Kämpfe sie ausfechten und gewinnen musste, kommt in diesen Geschichten nicht vor. „Ich denke, es ist wichtig, sich nicht mitreißen zu lassen, wenn man Erfolg hat, und nicht Trübsal zu blasen, wenn die Zeiten schlecht sind“, hat Zhou Qunfei in einem ihrer wenigen Interviews gesagt.

Breite Anwendung

Zu sehr von Apple und dem Geschäft mit Mobiltelefonen abhängig zu sein, ist allerdings auf Dauer keine gute Strategie. Lens Technology stellt daher nun auch Spezialgläser für KI-Anwendungen, Smart-Autos, Roboter und die Raumfahrt her. Die schlaue Unternehmerin bemüht sich erkennbar, ihr Produktportfolio zu diversifizieren. „Die Tesla-Beziehung, die etwa 2016 begann, ist Teil dieser Bemühungen“, schreibt die South China Morning Post in Hongkong. Lens liefert Komponenten für Smart Cockpits und strukturelle Außenteile. Medienberichten zufolge liefert das Unternehmen auch schon Teile für humanoide Roboter und Bodenempfänger für Satelliten.

Am Tisch während des Staatsbanketts saß Zhou Qunfei also zwischen den CEOs ihrer zwei Kunden Apple und Tesla. Eines der größten Wachstumsfelder für ihr Unternehmen sind derzeit aber Einzelteile für Server-Racks in KI-Rechenzentren. In dieser Industrie dominiert Nvidia.

In jüngster Zeit sind die Gewinne von Lens Technology zurückgegangen. Das Konsumgütergeschäft mit Handys und Computern wird immer schwerer. Es ist zwar nicht belegbar, aber auch nicht unwahrscheinlich, dass Zhou während des Staatsbanketts mit Donald Trump lieber neben Jensen Huang gesessen hätte.

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Diese Frau ist eine Kämpferin, die immer nach vorne blickt. Sie sagt das selbst. „Vom armen Mädchen vom Land über die Fließbandarbeiterin bis hin zur erfolgreichen Unternehmerin mit Börsengang habe ich all das nicht dank glücklicher Umstände erreicht, sondern weil ich mich weigere, mich geschlagen zu geben.“ (sb)

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