Halbleitermarkt Samsung-Streik kurz vor Start: Speicherchip-Versorgung unter Druck

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

Nach dem jetzt endgültigen Scheitern der Verhandlungen zwischen Samsung Electronics und der Gewerkschaft beginnt am 21. Mai 2026 ein 18-tägiger Großstreik. Es wird mit einer spürbaren Belastung für den ohnehin angespannten Speicherchipmarkt gerechnet.

Bei Samsung stehen alle Zeichen auf Streik in den südkoreanischen Werken (Symbolbild).(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Bei Samsung stehen alle Zeichen auf Streik in den südkoreanischen Werken (Symbolbild).
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Bei Samsung Electronics ist der geplante Generalstreik nicht mehr abzuwenden, wie die Redaktion von Nikkei Asia am 20. Mai 2026 berichtet. Nachdem die Samsung Group United Union den Ausstand bereits Ende April angekündigt hatte, scheiterten alle Vermittlungsversuche – zuletzt am 20. Mai vor der nationalen Schlichtungskommission in Sejong. Der Streik beginnt wie geplant am 21. Mai 2026 und soll 18 Tage lang andauern. Schätzungen zufolge könnten sich zehntausende Beschäftigte beteiligen.

Gewerkschaftschef Choi Seung-ho zeigte sich enttäuscht: „Wir bedauern zutiefst, dass der Prozess nach der Vermittlung ohne Ergebnis abgeschlossen wurde." Die Gewerkschaft habe dem Vermittlungsvorschlag der Kommission zugestimmt, das Management jedoch nicht, ohne dabei die Gründe öffentlich zu nennen.

Streit um Boni und Gewinnbeteiligung

Kern des Konflikts sind Bonuszahlungen. Die Gewerkschaft fordert, 15 Prozent des Betriebsgewinns für Mitarbeiterboni vorzusehen und eine bestehende Deckelung auf 50 Prozent des Jahresgehalts aufzuheben. Das Management lehnte das ab und bot stattdessen höhere Boni als bei Wettbewerbern an – allerdings nur unter der Bedingung, dass Samsung den höchsten Umsatz und Betriebsgewinn der Branche erzielt. Zudem bot das Unternehmen eine Lohnerhöhung von 6,2 Prozent an.

Zum Vergleich: Konkurrent SK Hynix stellt seinen Mitarbeitern für das kommende Jahr durchschnittlich rund 700 Millionen Won in Aussicht – umgerechnet etwa 470.000 Euro –, was zehn Prozent des Betriebsgewinns entspricht. Der Konflikt steht exemplarisch für eine breitere Debatte in Südkorea darüber, wie die Gewinne aus dem KI-Boom auf Unternehmen und Belegschaft verteilt werden sollen.

Regierung zögert mit Notfallschlichtung

Die südkoreanische Regierung hatte zunächst signalisiert, notfalls zu schlichten. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zeigte sich die Regierung jedoch zurückhaltend. „Es gibt noch Zeit für Dialog", sagte ein Vertreter des Arbeitsministeriums. Man wolle alle Möglichkeiten zur Unterstützung weiterer Verhandlungen offenhalten.

Ein Gericht in Suwon sprach sich zudem weitgehend gegen Samsungs Versuche aus, den Streik zu begrenzen: Es legte lediglich Mindestbesetzungen für Wochenend- und Feiertagsschichten fest und lehnte Samsungs Antrag ab, der Gewerkschaft die Mobilisierung von Mitgliedern per SMS und Video zu untersagen.

Produktionsausfälle und Marktfolgen

Der Streik betrifft ausschließlich Samsungs inländische Werke in Südkorea. Samsung ist laut TrendForce mit einem Marktanteil von 36 Prozent bei DRAM und rund einem Drittel bei NAND der weltweit größte Speicherhersteller. Selbst moderate Produktionsausfälle könnten in einem ohnehin angespannten Markt als Preistreiber wirken – besonders bei High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM), die für KI-Anwendungen zentral sind.

Fitch-Ratings-Direktorin Shelly Jang dämpfte dennoch die kurzfristigen Erwartungen (via Nikkei Asia): „Selbst wenn ein Streik kurzfristig auftreten würde, glaube ich, dass Samsung Electronics über ausreichende Kapazitäten verfügt, um die Auswirkungen aufzufangen." Länger andauernde Produktionsverzögerungen oder verpasste Liefertermine könnten jedoch die Wettbewerbsposition des Unternehmens nachhaltig beschädigen – über rein finanzielle Faktoren hinaus. (sb)

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