Neue Roboterplattform Plexa One: Fruitcore Robotics bringt Humanoiden auf den Markt

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Das Konstanzer Unternehmen Fruitcore Robotics präsentiert mit Plexa One einen konfigurierbaren humanoiden Roboter für die industrielle Praxis. Das System kombiniert bewährte Industrierobotik mit KI-Agenten und soll noch in diesem Jahr in ersten Konfigurationen verfügbar sein.

Fruitcore Robotics: Mit der Plattform Plexa One hält ein humanoider Roboter Einzug in die industrielle Fertigung.(Bild:  Fruitcore Robotics)
Fruitcore Robotics: Mit der Plattform Plexa One hält ein humanoider Roboter Einzug in die industrielle Fertigung.
(Bild: Fruitcore Robotics)

Mit der Industrial Humanoid Platform Plexa One will Fruitcore Robotics nun den Schritt in die reale Produktionsumgebung vollziehen. Das Unternehmen reagiert damit auf eine zentrale Schwäche vieler aktueller humanoider Konzepte: Oftmals fehlen ihnen die nötige Performance und Zuverlässigkeit für den Dauerbetrieb, zudem scheitern Einsätze häufig an hohen Anschaffungs- und Betriebskosten.

Ausbau der bestehenden Industrierobotik

Der Ansatz von Fruitcore Robotics basiert auf einer Weiterentwicklung bestehender Hardware. Plexa One greift auf die Industrieroboter Horst600 G2 und Horst800 G2 des Unternehmens zurück. Diese bringen eine Wiederholgenauigkeit von ±0,05 Millimetern mit, sind nach IP65 geschützt und für den ISO-6-Reinraum zertifiziert. Laut Hersteller ist die Hardware für eine Lebensdauer von bis zu zehn Jahren im Drei-Schicht-Betrieb ausgelegt.

Das System ist modular aufgebaut und lässt sich als Single-Arm- oder Dual-Arm-Konfiguration mit bis zu 16 Achsen betreiben. Die Traglast liegt bei bis zu sieben Kilogramm pro Arm, die Reichweiten variieren zwischen 550 und 1.150 Millimetern. Neben der stationären Variante, dem Plexa One S, kündigt Fruitcore Robotics für 2026 auch eine Ausbaustufe an, bei der die Plattform auf einen autonomen mobilen Roboter (AMR) montiert wird.

KI-Agenten steuern die Abläufe

Der technologische Kern von Plexa One ist der Intelligence Layer Plexa Core 2.0. Diese Softwarearchitektur nutzt Vision-Language-Action-Modelle (VLA), um Sensordaten, Bilderweiterungen und Nutzereingaben in natürlicher Sprache in Echtzeit zu verarbeiten. Mehrere spezialisierte KI-Agenten teilen sich die Aufgaben: Ein Project Creation Agent übersetzt Beschreibungen oder CAD-Daten in Automatisierungskonzepte, während der Logic Builder Agent die eigentlichen Abläufe erstellt und optimiert. Weitere Agenten überwachen die Sicherheit, übernehmen den Support und führen letztlich die Aktionen aus.

Die Entwicklung dieser Architektur begann laut Fruitcore Robotics bereits 2023 mit einem ersten KI-Copiloten, der Spracheingaben verarbeitete. „Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines systematischen Aufbaus über mehrere Jahre. Wir haben seit 2023 Schicht für Schicht an dieser Architektur gearbeitet – von der Sprache bis zur Aktion auf Basis einer vollständigen Architektur. Plexa Core 2.0 ist das Ergebnis von mehr als 1.000 realen Automatisierungslösungen als Datenbasis und mehreren Jahren konsequenter Entwicklung“, sagt Jens Riegger.

Plexa One – Technische Daten (Quelle: Fruitcore Robotics)
Merkmal Details
Achsen 5 bis 16 (+ optionale autonome Mobilität via AMR)
Konfigurationen 12 Varianten: Single-Arm, Dual-Arm, stationär oder mobil
Traglast Bis zu 2 × 7 kg (je Arm)
Reichweite (je Arm) 550–1.150 mm (Plattform gesamt); 930–1.150 mm (PLEXA One Konfigurationen)
Wiederholgenauigkeit ±0,05 mm
Schutzklasse IP54 / IP65
Reinraumtauglichkeit ISO 6
Taktzeiten Bis zu 40 % kürzer als Vorgängergeneration (G2-Basis)
Lebensdauer 10 Jahre (im Drei-Schicht-Betrieb)
Antriebsgarantie 6 Jahre
Antriebe Proprietäre Entwicklung
Betrieb 24/7-fähig
Steuerung Integriert, 13,3"-Touchscreen (2560 × 1600), ca. 10 kg, 230 V AC
Software horstOS + PLEXA Core 2.0 (KI-Intelligence-Layer)
Kommunikation Modbus, Profinet, EtherCAT – keine externe SPS nötig
Optionale Ausstattung Greifer, Kraft-/Drehmomentsensorik, Vision-Systeme
Normen ISO 10218-1/2 (Robotersicherheit), ISO 3691-4 (autonome mobile Plattformen)

Zielmärkte und Wirtschaftlichkeit

Plexa One ist für Anwendungen gedacht, bei denen klassische Roboter an ihre Grenzen stoßen, weil die Variantenvielfalt zu hoch ist oder komplexe Prozessschritte verknüpft werden müssen. Das Unternehmen nennt als Beispiele die Maschinenbestückung, die Montage von Elektronikbaugruppen oder das Kommissionieren in der Logistik.

Durch den modularen Aufbau und die KI-gestützte Programmierung sollen sich die Systeme schnell in Betrieb nehmen lassen. Monatelange Engineering-Phasen sollen entfallen. Fruitcore Robotics gibt an, dass sich mit ihren modularen Automatisierungslösungen Projektkosten im Vergleich zur herkömmlichen Automatisierung auf etwa die Hälfte reduzieren lassen, bei Amortisationszeiten von rund sechs Monaten. (mc)

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