Geschäftsausbau in China Von Displays zur Robotik: BOE wagt sich auf neues Terrain

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Chinas Display-Firma BOE will nicht länger nur Panele an Robotikhersteller verkaufen. Stattdessen will die Firma jetzt selbst Industrieroboter fertigen und in das boomende Geschäft mit KI-Software einsteigen.

Display-Hersteller BOE will stärker in den Robotikmarkt eintreten.(Bild:  BOE)
Display-Hersteller BOE will stärker in den Robotikmarkt eintreten.
(Bild: BOE)

Ende September 2025 hat BOE für den Einstieg in das Robotikgeschäft ein neues Tochterunternehmen namens „Beijing BOE Robot“ gegründet. Es verfügt öffentlich zugänglichen Daten zufolge über ein eingetragenes Kapital von 200 Millionen chinesischen Yuan (rund 24 Millionen Euro).

BOE, ein großer Zulieferer von Apple, glaubt, viel technisches Wissen aus seinem Display-Geschäft für die Entwicklung und den Bau von industriellen Robotern nutzen zu können. Man hofft, durch das neue Geschäftsfeld mittel- und langfristig neues Wachstum generieren zu können, während sich die Wachstumskurve der Elektronikindustrie von Smartphones über Tablets bis zu Computern in letzter Zeit deutlich abgeschwächt hat.

Ein neuer Trend?

Chinesische Fachmedien fragen bereits, ob dieses „Cross-over“ von BOE in die Robotikindustrie ein neuer Trend werden könnte. Bislang beschränken sich die Kontakte der meisten anderen Display-Hersteller mit Robotikfirmen allerdings auf zwei Bereiche, die beide noch nicht als direkter Sprung in die Welt der Robotikhersteller interpretiert werden können.

Immer mehr Display-Maker kaufen Industrieroboter, um damit ihre Produktionslinien zu automatisieren. BOE gehört dazu. Vergangenen Monat hat auch der Konkurrent HKC einen Vertrag mit dem Robotikhersteller AI² Robotics unterzeichnet, mit dem in den kommenden drei Jahren 1.000 Industrieroboter von AI² Robotics in den Fabrikhallen von HKC montiert werden sollen.

Der andere Touchpoint zwischen den beiden Industrien ist, dass Display-Hersteller in China immer mehr Bildschirme und auch innovative neue Interfaces, etwa für humanoide Roboter, an Robotikhersteller liefern und so schon indirekt an dem neuen Boom mitverdienen.

Boomender Wachstumsmarkt

Einem aktuellen Bericht der „International Federation of Robotics“ (IFR) zufolge wächst der Anwendungsmarkt für Robotik gerade nirgendwo auf der Erde so schnell wie in der Volksrepublik. 2024 war das Land für 54 Prozent der weltweiten Installationen von Industrierobotern verantwortlich. Allein im vergangenen Jahr sind 295.000 neue Industrieroboter in chinesischen Werkhallen montiert worden. Erstmals haben chinesische Robotikhersteller mehr als die Hälfte dieser Industrieroboter gefertigt, berichtet IFR weiter. Für die kommenden Jahre bis 2028 sieht der Verband weiterhin ein Wachstum von jährlich zehn Prozent für den Umsatz chinesischer Robotikhersteller voraus.

Es ist dieses rasante Wachstum, von dem BOE sich nun auch eine direkte Scheibe abschneiden möchte. Ein in diesem Sommer veröffentlichter Bericht von Morgan Stanley prognostiziert, dass der chinesische Robotikmarkt von 47 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 108 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 wachsen wird – ein jährliches Wachstum von 23 Prozent. Chinas schon jetzt dominierende Stellung in diesem schnell wachsenden Sektor der Weltwirtschaft dürfte sich also immer weiter festigen.

Günstige Gelegenheit

Zumindest das Makroumfeld für den Schritt von BOE ist also günstig. Ein anderer chinesischer Display-Hersteller geht diesen Weg schon seit mehreren Jahren und könnte BOE als Vorbild gedient haben. Lens Technology betreibt seit 2015 strategische Investitionen in die Fertigung von hochtechnologischer Hardware, darunter Roboter, smarte Autos und AR/VR-Geräte.

Das Unternehmen, das mit der Verarbeitung von Glasoberflächen begonnen und dann Displays für Apple gebaut hatte, hat Anfang dieses Jahres in einer Kooperation mit Zhipu Robotics seinen ersten humanoiden Roboter namens „Lingxi X1“ vorgestellt. Berichten zufolge war Lens Technology maßgeblich an der Produktion, Montage, Prüfung und Steuerung zentraler Komponenten dieses Roboters beteiligt, unter anderem für dessen Gelenkmodule, DCU-Controller und „Omni-Picker-Greifer“.

Auch andere Display-Hersteller sehen potenzielle Synergien und haben begonnen, Forschungs- und Entwicklungsteams zu finanzieren und mit der Fertigung von Robotern zu liebäugeln. TCL, der Display-Arm von CSOT, hat vergangenes Jahr den „TCL AI Me“ vorgestellt, den es als den „weltweit ersten modularen Companion-Roboter“ bezeichnet.

Die offene Diversifizierung von BOE und Lens Technology in die Robotikindustrie ist aus der Perspektive der chinesischen Aufholjagd bei Hochtechnologien ein weiteres Beispiel für die Konvergenz von vormals getrennten, in Silos existierenden Industrien, die nun zusammenwachsen. Man arbeitet in einem der vielen Science- und Technology-Cluster des Landes zusammen, wo dann nicht nur neue Patente angemeldet werden, sondern auch viele neue Geschäftsideen entstehen. Vieles spricht dafür, dass BOE nicht das letzte Beispiel in der Display-Industrie bleiben wird. (sb)

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