Mit dem Kathodenstrahlrelais und der späteren Lieben-Röhre leistete Robert von Lieben wichtige Beiträge zur Signalverstärkung. Gleichzeitig überschneiden sich seine Entwicklungen mit denen von Lee de Forest – ein historischer Konflikt, der die Einordnung bis heute prägt.
Mit dem Kathodenstrahlrelais und der späteren Lieben-Röhre leistete Robert von Lieben wichtige Beiträge zur frühen Signalverstärkung in der Telekommunikation.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Robert von Lieben war nur ein kurzes Leben vergönnt, aber trotzdem zählt er zu den einflussreichen Persönlichkeiten der Elektrotechnik. Er erfand das Kathodenstrahlrelais und entwickelte später gemeinsam mit Eugen Reisz und Sigmund Strauss eine frühe Verstärkerröhre weiter, wobei er auf das Triodenprinzip von Lee de Forest zurückgriff.
Möglicherweise leidet die Erzählung davon, welchen Verdienst Robert von Lieben wirklich bei der Entwicklung der stromverstärkenden Elektronenröhre hatte, auch unter der Propagandamaschine des nationalsozialistischen Deutschlands, denn seine Rolle wurde in national geprägten Techniknarrativen überhöht oder vereinfacht dargestellt. Schließlich, das ist nicht von der Hand zu weisen, war die Lieben-Röhre in Deutschland ein wichtiger Baustein für die Festnetztelefonie und weitere elektronische Produkte. Wir blicken hier nun auf das Leben des Robert von Lieben zurück und gehen am Ende noch einmal auf die Streitigkeiten rund um die Lieben-Röhre ein.
Robert von Lieben wurde am 5. September 1878 in Wien im damaligen Österreich-Ungarn geboren. Sein Vater war Leopold von Lieben, der als Präsident der Wiener Börsenkammer im Vorjahr in den Adelsstand erhoben worden war. Dessen Ehefrau und Robert von Liebens Mutter war Anna von Lieben und stammte aus der Familie des Freiherren Eduard von Tedesco, der ein Bankier und Unternehmer war und sich auch als Philanthrop einen Namen machte.
Robert von Lieben besuchte das Akademische Gymnasium sowie die Realschule auf der Schottenbastei, legte aber nicht seine Matura, die österreichische Variante des Abiturs, ab. Da sein Elternhaus mit mehr als ausreichenden monetären Mitteln versehen war, konnte er unabhängig von öffentlichen Bildungseinrichtungen zu Hause seinen wissenschaftlichen Interessen nachgehen. Im Fokus stand bei ihm das damals immer weiter aufkommende Thema Elektrizität. Er installierte auf Basis seines Wissens, das er sich angeeignet hatte, sowie dank des Vermögens der Familie beispielsweise in einer Villa seines Vaters eine elektrische Beleuchtung, was eine damals noch eher seltene und luxuriöse Ausstattung war.
Ausbildungs- und Studienversuche
Entsprechend seiner privaten Interessen bemühte sich Robert von Lieben um eine praktische Tätigkeit, die mit Elektrizität zu tun hatte. Es zog ihn nach Deutschland, wo er ein Volontariat bei Schuckert & Co. begann, einem Elektrizitätsunternehmen in Nürnberg, das bis 1903 existierte. Bei einem kurzen Intermezzo beim Militär hatte Robert von Lieben einen schweren Reitunfall, der bleibende orthopädische Schäden hinterließ. Leider gibt es keine genauen Informationen über die Zeiträume, in denen all diese Dinge stattfanden, aber wir sprechen von Vorgängen, die vor dem Jahr 1899 stattfanden.
Denn 1899 ging von Lieben nach einer Gasthörerschaft an der Universität Wien an das Institut für Physikalische Chemie in Göttingen, an dem der bekannte Wissenschaftler Walther Hermann Nernst die Leitung innehatte. Danach kehrte von Lieben nach Wien zurück und eröffnete ein eigenes Labor, um 1904 auch dank der Geldmittel seines Elternhauses eine Telefonfabrik im tschechischen Olmütz zu kaufen, die er aber nur kurz behielt. Während dieser ganzen Zeit war Robert von Lieben aber, was die Wissenschaft angeht, immer engagiert und interessiert. Trotzdem war er bereits 27 Jahre alt, als er im Jahr 1906 sein erstes Patent anmeldete – dieses Patent war eine wegweisende Innovation, deren Weiterentwicklung dann aber für Zündstoff sorgte.
Wie Robert von Lieben sich bei Lee de Forest bediente
Das erste Patent von Robert von Lieben war im Jahr 1906 das sogenannte Kathodenstrahlrelais, mit dem man elektrische Signale auf einer Leitung verstärken konnte. Eine ähnliche Grundfunktion erfüllte auch das Audion von Lee de Forest, das jedoch technisch anders aufgebaut war.
Robert von Lieben nahm aber das Audion als Inspiration für seine Weiterentwicklungen – im März 1910 patentierte Robert von Lieben dann ein neues Relais zur Verstärkung von Signalen für Telefonie, Telegrafie und auch Bildübertragungen. An diesem Patent hatte er zusammen mit dem österreichischen Erfinder Sigmund Strauß und dem ebenfalls österreichischen Unternehmer Eugen Reisz gearbeitet und nannte es „Relais für undulierende Ströme“. Es gab dabei aber in der Praxis noch Probleme, die er mit einer gitterartigen Elektrode in den Griff bekam und Ende 1910, ebenfalls zusammen mit Strauß und Reisz, das sogenannte Gitterpatent als Zusatzpatent einreichte.
Stand: 08.12.2025
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Lieben und seine Mitstreiter erreichten eine brauchbare proportionale Verstärkung, während de Forest die Verstärkerfähigkeit des Audions zunächst nicht vollständig verstand oder systematisch nutzte. Allerdings waren Teile des von Lieben-Relais eben deutlich verwandt mit der Triode, die de Forest als Audion patentiert hatte. Robert von Lieben hatte dabei wohl bewusst eine vermeintliche rechtliche Lücke ausnutzen wollen. Denn Lee de Forest hatte seine Erfindung nur als Schaltung patentieren lassen, die zur Verstärkung von Funksignalen dient. Wichtig war dabei, dass die Triode möglichst empfindlich ist und auch kleine Signale verstärkt.
Robert von Lieben hingegen wollte im Endeffekt eine Verstärkung von Tonsignalen erreichen, die über eine Festnetzleitung fließen, genauer gesagt über eine Telefonleitung. Ein ohnehin schon relativ starkes, über eine Leitung fließendes Signal sollte dabei weiter verstärkt werden, damit es bei längeren Telefonleitungen nicht zu schwach wird. Aber reichen diese Unterschiede aus, um einen Patentstreit zu vermeiden?
Früher Tod und posthumer Erfolg
Wie man sich denken kann, gab es trotz der Unterschiede einen Rechtsstreit, da Lee de Forest sein Patent verletzt sah. Im Jahr 1911, kurz nach der Anmeldung seines Patentes, um das dann der Konflikt mit Lee de Forest entbrannte, heiratete Robert von Lieben die Schauspielerin Anny Schindler. Dann allerdings traf die junge Familie ein Schicksalsschlag: Schon im Jahr 1913 wurde Robert von Lieben das Opfer einer schweren Krankheit.
Sein Todestag war der 20. Februar 1913 – Robert von Lieben verstarb in Wien also im Alter von nur 34 Jahren. Die Auswirkungen seiner Entwicklungen erlebte er also nicht mehr. In Deutschland wurde die Lieben-Röhre vor allem in der Telefontechnik und durch Unternehmen wie Telefunken/AEG weitergeführt, während sich in den USA die de-Forest-Linie und spätere Hochvakuum-Röhren durchsetzten. So gab es in Deutschland noch Probleme mit der Hochvakuum-Technologie, die in den USA ab 1913 verwendet wurde. Anstatt aber modernere Trioden zu importieren, legte man in Deutschland mehr Wert darauf, die vorhandene Technik selbst in den Griff zu bekommen, was bei dem Hochvakuum-Problem dann auch ein bis zwei Jahre nach den USA gelang.
Die Lieben-Röhre war also ein wichtiger Baustein für den Ausbau der Ferntelefonie in Deutschland. Wie schon zu Anfang erwähnt, nutzten in den 1930er-Jahren allerdings die Nationalsozialisten unter anderem Robert von Lieben als Beweis deutscher Ingenieurskunst – und das, obwohl er Jude war. Lee de Forest gilt weithin als Erfinder des Audions und als zentrale Figur in der Entwicklung der Triode. Trotzdem war auch Robert von Lieben eine große Persönlichkeit der Elektrotechnik, die durch ihre Arbeit den Weg für Produkte und Innovationen vor allem im Bereich der Telekommunikation und Unterhaltungselektronik ebnete und viel zu früh verstarb. (sb)