Spintronik Antiferromagnetischer Schalter erreicht Pikosekundenbereich bei geringer Verlustleistung

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Forscher haben einen antiferromagnetischen Schalter vorgestellt, der extrem schnelle Schaltvorgänge bei vergleichsweise geringer Leistungsaufnahme ermöglichen soll. Das Konzept basiert auf dem Material Mn₃Sn und nutzt Spin-Orbit-Torque-Effekte, um magnetische Zustände innerhalb von nur 40 Pikosekunden umzuschalten.

Deterministisches Schalten durch einen einzelnen Reset-Strom und mehrere Pikosekundenpulse. (A) Umschalten der Hall-Spannung eines Mn₃Sn(13)/Ta(5)-Bauelements nach Anlegen eines einzelnen 100-ms-Reset-Stroms (negative Polarität, schwarzer Kreis), gefolgt von drei 40-ps-Pulsen (positive Polarität, roter Kreis). (B) Hall-Spannung nach Anlegen eines einzelnen 100-ms-Reset-Stroms (schwarzer Kreis) und drei 40-ps-Pulsen (rote Kreise), die alle dieselbe positive Polarität besitzen.(Bild:  University of Tokyo)
Deterministisches Schalten durch einen einzelnen Reset-Strom und mehrere Pikosekundenpulse. (A) Umschalten der Hall-Spannung eines Mn₃Sn(13)/Ta(5)-Bauelements nach Anlegen eines einzelnen 100-ms-Reset-Stroms (negative Polarität, schwarzer Kreis), gefolgt von drei 40-ps-Pulsen (positive Polarität, roter Kreis). (B) Hall-Spannung nach Anlegen eines einzelnen 100-ms-Reset-Stroms (schwarzer Kreis) und drei 40-ps-Pulsen (rote Kreise), die alle dieselbe positive Polarität besitzen.
(Bild: University of Tokyo)

Der steigende Energiebedarf moderner Rechenzentren und KI-Systeme rückt alternative Speicher- und Computing-Architekturen zunehmend in den Fokus. Insbesondere Spintronik gilt seit Jahren als möglicher Kandidat für energieeffizientere nichtflüchtige Speicher. Ein Forschungsteam der University of Tokyo hat nun ein antiferromagnetisches Schaltelement vorgestellt, das ultrakurze Schaltzeiten mit vergleichsweise geringer Wärmeentwicklung kombiniert.

Antiferromagnete gelten in der Forschung als vielversprechend, weil sie im Gegensatz zu klassischen ferromagnetischen Speichern keine starken äußeren Magnetfelder erzeugen, schneller arbeiten können und potenziell höhere Integrationsdichten erlauben. Gleichzeitig sind solche Materialien allerdings deutlich schwieriger gezielt zu kontrollieren.

Schalten in 40 Pikosekunden

Im Zentrum der Arbeit steht ein dünnschichtiger Aufbau aus Mn₃Sn und Tantal. Die Forschenden erzeugten damit nanoskalige Hall-Bar-Strukturen, in denen sich magnetische Zustände mithilfe kurzer elektrischer Pulse umschalten lassen. Die demonstrierten Schaltvorgänge erfolgen laut Veröffentlichung mit Pulsen von lediglich 40 Pikosekunden Dauer.

Besonders relevant ist dabei die Kombination aus Geschwindigkeit und Energiebedarf. Nach Angaben der Forschenden liegt die Energiedichte des Schaltvorgangs bei rund 1,7 pJ/µm². Gleichzeitig stieg die Temperatur während des Vorgangs lediglich um etwa 8 Kelvin an.

Damit unterscheidet sich der Ansatz von verschiedenen bisherigen ultrakurzen Schaltkonzepten, bei denen die Magnetisierung häufig primär durch starke lokale Erwärmung verändert wird. Die Autoren argumentieren stattdessen, dass der beobachtete Effekt überwiegend auf Spin-Orbit-Torque-Mechanismen basiert und nicht auf einem thermischen Umschalten.

Spintronik für energieeffiziente Speicher

Das Material Mn₃Sn gehört zur Klasse der sogenannten chiralen antiferromagnetischen Weyl-Semimetalle. Solche Materialien werden seit einigen Jahren intensiv untersucht, weil sie ungewöhnliche elektronische und magnetische Eigenschaften kombinieren und sich damit für neue Spintronik-Konzepte eignen. Dazu berichten die Forschenden über eine hohe Stabilität der Schaltvorgänge. Die Arbeit nennt eine Endurance von mehr als 10¹¹ Schaltzyklen. Zudem sei bidirektionales, deterministisches Umschalten möglich.

Noch keine marktreife Technologie

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse handelt es sich bislang um Grundlagenforschung. Für einen praktischen Einsatz in künftigen Speicher- oder KI-Architekturen bleiben zahlreiche Fragen offen, darunter Skalierbarkeit, CMOS-Integration, Fertigungskompatibilität und Zuverlässigkeit im großflächigen Betrieb.

Hinzu kommt, dass das aktuelle Demonstratorsystem noch ein externes Magnetfeld benötigt, um deterministisch zu schalten. Die Forschenden verweisen zwar auf mögliche feldfreie Ansätze für zukünftige Designs, diese wurden jedoch bislang nicht umgesetzt. Auch die verwendeten Stromdichten bleiben hoch. Die Arbeit nennt Werte von über 100 MA/cm² im Pikosekundenbereich.

Dennoch zeigt die Veröffentlichung, wie stark sich antiferromagnetische Spintronik inzwischen in Richtung ultraschneller und energieeffizienter Informationsverarbeitung entwickelt – insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen durch KI- und In-Memory-Computing-Anwendungen. (sb)

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