Ob fehlender Speicher, oder abgekündigte Produkte: Obsoleszenz beschäftigt die komplette Supply Chain. Sie haben Fragen zum Thema Obsoleszenz? Experten beantworten diese am 10. November auf der Electronica 2026 in München.
Obsoleszenz: ein fehlendes Bauteil kann ein ganzes Projekt gefährden.
Die COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) lädt zum internationalem Obsolescence Forum mit Podiumsdiskussion und sieben Expertenvorträgen ein. Denn nicht nur der durch den aktuellen KI-Hype innerhalb weniger Monate völlig aus den Fugen geratene Speicherchip-Markt wirft einmal mehr die Frage auf, wie zuverlässig sind sicher geglaubte Lieferketten heutzutage eigentlich noch?
Abkündigungen und Allokationen elektronischer Bauteile hat es zwar schon immer gegeben. Wenn immer öfter aber auch Leiterplattenmaterialien, Hilfsstoffe, Software-Tools, etc. nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr verfügbar sind, kann Obsoleszenz vor allem für Hersteller langlebiger Wirtschaftsgütiger schnell zu einer ernsten wirtschaftlichen Bedrohung geraten.
Die Obsoleszenz-Risiken steigen
Der deutsche Industrieverband COGD setzt sich intensiv mit den Ursachen und Folgen von Obsoleszenz auseinander. Mit den aktuell 168 Mitgliedsfirmen arbeitet man seit nunmehr schon 22 Jahren gemeinsam an pragmatischen Lösungsansätzen für die immer größer werdenden Herausforderungen. Doch noch nie zuvor habe es laut dem COGD-Vorstandvorsitzender Axel Wagner so viele potentielle Obsoleszenzrisiken gegeben wie dieser Tage: „Halbleiterhersteller, die aus Gründen der Profitmaximierung ihre bisherigen Produkt- und Marktstrategien in Rekordzeit neu ausrichten, zunehmende geopolitische Handelskonflikte, steigende Zölle, Export- und Importbeschränkungen, künstliche Rohstoffverknappungen, regulatorische Veränderungen, die massive Zunahme aggressiver Cyberattacken – diese Gemengelage macht ist immer schwerer, aber auch immer wichtiger, alle potentiellen Risiken für die eigene Supply Chain so früh wie möglich genau unter die Lupe zu nehmen. Um diese Aufgabe zuverlässig und nachhaltig bewältigen zu können, müssen alle Unternehmensbereiche von der Entwicklung bis hin zu den Instandhaltungsabteilungen in den Prozess mit einbezogen werden. Empfehlenswert ist deshalb die Einrichtung eines alle Unternehmensbereiche abdeckenden Strategischen Obsoleszenzmanagements“, so Wagner.
Das Veranstaltungsprogramm im Detail
Wie man sich am besten vor Obsoleszenz schützt, was es bei der Implementierung eines Obsoleszenzmanagements im eigenen Unternehmen zu beachten gilt, und welche Werkzeuge für ein effizientes proaktives Risikomanagement unentbehrlich sind, erfahren interessierte Aussteller und Besucher der Electronica 2026 am Dienstag, 10. November, ab 11:00 Uhr im Rahmen des von der COGD in Kooperation mit der Messe München veranstalteten Obsolescence Forum 2026.
Eröffnet wird die auf der Aktionsfläche „electronica stage“ in Halle A5 stattfindende Informationsveranstaltung mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. Tammy Max (Director Parts Technical Content bei Accuris), Björn Bartels (Geschäftsführer Amsys), Axel Wagner, (Corporate Lawyer bei Asteelflash und ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der COGD e.V.), Lars Kiera (Managing Director RTS Electronic), Martin Linow (Resilience Part Manager/Global Supply bei Sick) und Wolfgang Heinbach (Managing Partner Syliom Unternehmensberatung Dr. Heinbach, Steinleitner & Partner) werden sich bei der von Stefanie Kölbl (Director TQ Embedded, Head of Obsolescence Management & Component Engineering) moderierten Gesprächsrunde unter anderem mit dem zunehmenden Einfluss geopolitischer Entwicklungen auf die internationalen Elektronik-Lieferketten auseinander setzen.
Außerdem erhalten die Zuhörer von den auf der Bühne vertretenen Experten wertvolle Praxistipps, wie Unternehmen Obsoleszenzrisiken frühzeitig erkennen und bewerten können, und was Firmen konkret verändern müssen, damit Obsoleszenzmanagement zu einem proaktiven Bestandteil des gesamten Risikomanagements wird. In der Diskussion wird dabei eine Vielzahl wichtiger Kriterien angesprochen, z. B. Lieferkettentransparenz, Single-/Second-Source, BOM-Analyse, Datenqualität, PCNs/PDNs, Risikobewertung, aber ebenso Verantwortlichkeiten, Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Einkauf und Management sowie die Verankerung entsprechender Prozesse.
Stand: 08.12.2025
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Die im Anschluss an die Podiumsdiskussion folgenden sieben Fachvorträge zeigen praxisorientierte Lösungsansätze für unterschiedlichste Bereiche des aktiven und proaktiven Obsoleszenzmanagements auf.
11:50 Uhr: Einbindung von Lieferkettentransparenz in das Obsoleszenzmanagement
Der Vortrag von Martin Linow, Resilience Part Manager/ Global Supply bei Sick, beleuchtet, wie durch verbesserte Transparenz entlang der gesamten Supply Chain Obsoleszenzrisiken frühzeitig erkannt und wirksame Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern, um durch offene Kommunikation und standardisierte Schnittstellen den Informationsfluss zu optimieren. Den Abschluss bilden konkrete Handlungsempfehlungen, wie Unternehmen Transparenz als integralen Bestandteil ihres Obsoleszenzmanagements fest verankern können, um selbst in volatilen Märkten eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
12:20 Uhr: Obsoleszenzmanagement von Anfang an berücksichtigen – beginnend mit dem Produktentwicklungsprozess
Obsoleszenzmanagement beginnt bereits bei der Produktidee. Frank-Ralf Mayer, Business Development Manager der Cicor Group mit Fokus auf Aerospace & Defence, Medical & Pharmaceutical, verdeutlicht in seinem Vortrag, wie sich mit entsprechender Weitsicht Obsoleszenz-Risiken über den gesamten Lifecycle eines Gerätes oder einer Anlage hinweg reduzieren lassen. Unter anderem geht es dabei um die Fähigkeit, etwaige interne und externe Reibungspunkte abteilungsübergreifend proaktiv zu identifizieren, zu kategorisieren und anschließend geeignete Prozesse zu implementieren, die dabei helfen, kostspielige Überraschungen zu vermeiden
12:45 Uhr: Obsolezenz und das Lieferkettenrisiko
Ingenieure stehen heute besonderen Herausforderungen gegenüber, wenn es darum geht, für langfristige Projekte alternative Bezugsquellen zu finden. Der Vortrag von Mark Shanley, Sales & Marketing Director bei Astute Electronics, zeigt auf, wie die aktuellen Marktbedingungen durch immer kürzere Verfügbarkeitszyklen sowie durch Fusionen und Übernahmen von Original Component Manufacturers (OCMs) beeinflusst werden und wie sich dies auf Entscheidungsprozesse auswirkt. Sorgfältige Lieferantenprüfungen können dabei helfen, Risiken durch unseriöse Anbieter zu reduzieren, während vertrauenswürdige Partner eine immer wichtigere Rolle bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen in der Lieferkette spielen.
13:20 Uhr: Gefälschte elektronische Bauteile in der Lieferkette - Risiken und fortschrittliche Erkennungsmethoden
Gefälschte elektronische Bauteile entsprechen möglicherweise nicht den geforderten Spezifikationen, was zu vorzeitigen Ausfällen oder Schwachstellen in unternehmenskritischen Anwendungen führen kann. Deshalb sind strenge Prüf- und Inspektionsverfahren unerlässlich, um solche Bauteile zu identifizieren und deren Einbau zu verhindern. Der Vortrag von Holger Krumme, Geschäftsführer von HTV Alter Technology, beschreibt, wie sich durch den Einsatz fortschrittlicher elektrischer, physikalischer und materialtechnischer Analysetechniken die Echtheit elektronischer Bauteile zuverlässig überprüfen und die Einhaltung von Industriestandards sicherstellen lässt
13:50 Uhr: Der ganzheitliche Life Cycle Check-Up als Einstieg ins Obsoleszenzmanagement - ein Praxisbericht
Ein allumfassendes Obsoleszenzmanagement-Konzept stellt Dr.-Ing. Roland Ruppel, Produktmanager Instandhaltung bei WISAG Produktionsservice (WPS), mit dem „Life Cycle Check-Up“ vor. Bei einer überalterten verketteten Produktionsanlage wurden dafür in einer gesamtheitlichen Betrachtung unter Obsoleszenz-Gesichtspunkten neben den elektronischen Bauteilen auch die mechanischen, pneumatischen und hydraulischen Komponenten und deren Wartung/Überwachung analysiert. Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen den Aufwand und den Kostenbedarf, der sich für die Lebensdauerverlängerung um fünf Jahre ergibt. Der Vortrag geht auch auf die Vorgehensweise und mögliche Vermeidungsstrategien ein.
14:20 Uhr: Elektronik nachhaltig verfügbar halten - Rework und Modifikation im modernen Obsoleszenzmanagement
In dem Vortrag von Lukas Fink, Sales Manager bei HANZA BMK electronic services, wird anhand praxisnaher Beispiele aus den Bereichen Rework, Modifikation und Refurbishment dargestellt, wie bestehende elektronische Baugruppen und Systeme nachhaltig weiterbetrieben, modernisiert und an neue Anforderungen angepasst werden können. Die genannten Best Practice-Beispiele verdeutlichen, wie Unternehmen durch gezielte Maßnahmen Produktlebenszyklen verlängern, Kosten reduzieren, Ressourcen schonen und die Versorgungssicherheit ihrer Kunden erhöhen können.
14:50 Uhr: Das Nachhaltigste ist das Bauteil, das schon existiert – wie Obsoleszenzvermeidung Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz vereint
Anhand eines realen Falles – 86.500 geschützte Steuergeräte, null Feldausfälle über 15 Jahre, 700.000 Euro vermiedene Redesign-Kosten – wird das Zusammenspiel von Obsoleszenz- und Konfigurationsmanagement erläutert, inklusive CO₂-Hochrechnung und regulatorischem Bezug zu ESPR, CSRD und LkSG. Der Vortrag von Maximilian Krane, CEO bei btv technologies, stellt die drei gängigen Optionen bei einer Bauteil-Abkündigung – Redesign, Last-Time-Buy und End-of-Life-Produktion – in Kosten, Dauer und Risiko gegenüber und leitet daraus ab, welche Faktoren die Wahl in der Praxis tatsächlich entscheiden. Die Zuhörer erhalten konkrete Entscheidungskriterien, wann welche Obsoleszenzstrategie kosteneffizient ist, sowie eine belastbare Argumentationsgrundlage für die eigene ESG-Berichterstattung.
Mit dem gleichermaßen umfang- wie facettenreichen Programm des Obsolescence Forum 2026 wolle man laut Axel Wagner seitens der COGD in diesen turbulenten Zeiten einmal mehr darauf aufmerksam machen, dass es inzwischen durchaus eine große Vielfalt an Möglichkeiten und Maßnahmen gebe, um sich wirkungsvoll gegen Obsoleszenz und deren meist teure Folgen zu schützen. Manager, Einkäufer, Entwickler, Logistiker und Projektleiter müssten diese nur noch intensiver nutzen. „Denn der beste Schutz vor Obsoleszenz ist nach wie vor proaktives Handeln“, so der COGD-Vorstandsvorsitzende. (mk)