Kreislaufwirtschaft Warum Recyclingfähigkeit eine reine Design-Entscheidung ist

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Die meisten Entwickler denken bei Recycling an Schredder, Sortieranlagen und das Ende eines Produktlebenszyklus. Doch für Thijs Feenstra ist das ein fataler Denkfehler. Der Experte für Kreislaufwirtschaft betont, dass das Schicksal eines Produkts bereits in der ersten Entwicklungsphase besiegelt wird.

Die Recyclingfähigkeit eines Produkts wird bereits am Reißbrett entschieden. Das sagt Thijs Feenstra und zeigt im Track Kreislaufwirtschaft, wie zirkuläres Design zur Realität wird.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Recyclingfähigkeit eines Produkts wird bereits am Reißbrett entschieden. Das sagt Thijs Feenstra und zeigt im Track Kreislaufwirtschaft, wie zirkuläres Design zur Realität wird.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

In der klassischen Elektronikentwicklung herrscht oft ein Silo-Denken: Die Ingenieure entwickeln die Funktion, der Einkauf achtet auf den Preis, und um das Recycling kümmert sich irgendwann später ein Entsorgungsfachbetrieb. Thijs Feenstra von der Pezy Group räumt mit dieser Vorstellung auf.

„Die meisten Entwickler glauben, dass Recycling etwas ist, das am Ende des Lebenswegs passiert. Die Realität ist genau das Gegenteil: Die Recyclingfähigkeit entscheidet sich während der Produktentwicklung“, stellt Thijs Feenstra klar. In seinem Vortrag in Würzburg zeigt er auf, warum manche Produkte bereits vor ihrem Marktstart so konstruiert sind, dass sie niemals effizient recycelt werden können. Ein paar vermeintlich kleine Designentscheidungen können den Unterschied zwischen einem wertvollen Rohstoffkreislauf und teurem Elektroschrott ausmachen.

Die Macht der Zusammenarbeit

Thijs Feenstra von der Pezy Group zeigt in Würzburg, wie Entwickler den Kreislauf bereits in der Konzeptphase schließen.(Bild:  Pezy Group)
Thijs Feenstra von der Pezy Group zeigt in Würzburg, wie Entwickler den Kreislauf bereits in der Konzeptphase schließen.
(Bild: Pezy Group)

Warum scheitert zirkuläres Design so oft? Laut Feenstra liegt es selten an mangelndem Ehrgeiz, sondern an fehlender Abstimmung. Der größte Fehler sei es, Recycling als „das Problem eines anderen“ zu betrachten. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Designer, Ingenieure, den Einkauf und Recycler von Anfang an an einen Tisch bringen.

„Wenn Entwicklungsteams verstehen, wie Produkte am Ende ihres Lebens tatsächlich zurückgewonnen werden, treffen sie ganz andere Design-Entscheidungen“, sagt Feenstra. Er liefert praktische Beispiele, wie diese Zusammenarbeit unerwartete Chancen eröffnet und wo ihr Fehlen die zirkulären Ambitionen im Keim erstickt.

Ein Kompass für den Entwickler-Alltag

Um den Prozess für Hardware-Entwickler greifbar zu machen, stellt Feenstra das Recyclability Assessment Tool (RAT) vor. Es wurde entwickelt, um eine simple, aber entscheidende Frage zu beantworten: „Wenn wir dieses Produkt heute auf den Markt bringen, wie recycelbar ist es wirklich?“

Das Besondere: Man muss kein Recycling-Experte sein, um das Tool zu nutzen. Es übersetzt komplexes Entsorgungswissen in praktische Design-Entscheidungen. „Das Tool hilft Teams dabei, Engpässe beim Recycling aufzudecken, die bei einer traditionellen Design-Prüfung oft unsichtbar bleiben“, erklärt Feenstra. Es ist ein Werkzeug für den täglichen Workflow, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren, lange bevor die Serie startet.

Hintergrund: Thijs Feenstra (Pezy Group)

Als Leiter für zirkuläres Produktdesign bei der Pezy Group blickt Thijs Feenstra auf 14 Jahre Erfahrung in der Konzeptentwicklung und im Engineering zurück. Er agiert an der vordersten Front der Kreislaufwirtschaft und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die oft getrennten Welten der Produktentwicklung und der Wertstoffrückgewinnung zu vereinen.
Sein Fokus liegt auf machbaren, wirtschaftlichen Zielen, mit denen er klassische lineare Prozesse in zirkuläre Geschäftsmodelle übersetzt. Als leidenschaftlicher Verfechter des „Circular Design“ ist er ein gefragter Redner auf internationalen Fachkongressen in ganz Europa.

Die enorme Wirkung kleiner Details

Oft sind es nicht die großen technologischen Durchbrüche, die den Unterschied machen, sondern Details, die Ingenieure häufig als nebensächlich betrachten. In seinen Fallstudien stieß Feenstra auf Überraschungen: „Ein Farbton, eine Materialauswahl oder die Art einer Verbindung können darüber entscheiden, ob ein Material im Kreislauf bleibt oder für immer verloren geht.“ Eine scheinbar unbedeutende Entscheidung am Reißbrett kann eine viel größere Wirkung auf die Umweltbilanz haben, als viele Entwickler vermuten würden. (heh)

DER KONGRESS FÜR ELEKTRONIKENTWICKLER

Entwickeln mit Weitblick – Die 360-Grad-Sicht auf die Elektronik

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt: Power of Electronics liefert Wissen, Werkzeuge und Kontakte für erfolgreiche Elektronikentwicklung. Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder erfahrener Spezialist sind – hier finden Sie tiefgehende Inhalte, aktuelle Technologien und innovative Lösungen. Es erwartet Sie ein auf verschiedene Themengebiete der Elektronik fokussiertes Vortragsprogramm, eine übergreifende Fachausstellung mit den jeweiligen Spezialunternehmen und Komponentenanbietern sowie zahlreiche Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch und intensiven Networking.

Erleben Sie im Track Kreislaufwirtschaft am 29. September, wie geballte Kompetenz aus industriellem Engineering und internationaler Forschung zusammenkommt. Referenten wie Thijs Feenstra, Dr. Michael Großhauser (Fraunhofer LBF) oder Marvin Manoury (Fraunhofer IPK) zeigen in ihren Vorträgen nicht nur, warum wir Kreislaufwirtschaft brauchen, sondern wie wir sie in Projekte umsetzen können. Abgerundet wird der Track Kreislaufwirtschaft mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Produktpass.

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