Kein Ingenieur, sondern ein Künstler revolutionierte den Nachrichtenverkehr: Anfang September 1837 demonstrierte der Amerikaner Samuel Morse erstmals seinen elektromagnetischen Schreibtelegrafen. Die erste mit elektrischen Signalen übertragene Botschaft läutete ein neues Kommunikationszeitalter ein.
Samuel Morse entwickelte im 19. Jahrhundert einen Apparat, der aus einem Stift, einem Pendel, einem Uhrwerk, einer Papierrolle und einem Elektromagnet bestand. Dieses Instrument konnte zum ersten Mal Nachrichten mithilfe von Elektrizität übermitteln.
Die Gerätschaft, die den erstaunten Besuchern dieser Demonstration an der New Yorker Universität präsentiert wurde, muss für einiges Erstaunen gesorgt haben: Gewissermaßen aus Sperrmüll - Drahtreste, Blechabfälle, Pendel und Uhrwerk einer alten Wanduhr, aufgebaut auf einer alten Staffelei - hatte der Maler Samuel ein sperriges Gerät gezimmert. Eine Leitung lief zu einem Sender, der im Nebenzimmer platziert wurde. Das Uhrwerk transportierte einen Papierstreifen von links nach rechts, ein Stift zeichnete darauf eine gerade Linie. Doch jedes Mal, wenn ein Stromsignal einen oberhalb der Gerätschaft montierten Elektromagneten erreichte, schlug der Stift nach oben aus, die Linie wurde gezackt.
Dies, so erklärte Morse den anwesenden Zuschauern, lässt sich in eine codierte Nachricht übertragen - jeder dieser Zacken stünde je nach Länge des Ausschlags für eine Zahl. Mit einem speziellen Code-Lexikon entstand daraus eine Nachricht: "Gelungener Versuch mit Telegraf September 4 1837". Erstmals hatte Samuel Morse die Übertragung von Nachrichten per Elektrizität demonstriert.
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Morse war nicht der erste, der an der Möglichkeit gearbeitet hatte, elektrische Signale zur Nachrichtenübermittlung zu nutzen. So hatten beispielsweise der baltisch-deutsche Diplomat Paul Ludwig Schilling von Cannstatt (1832) oder der deutsche Wissenschaftler Carl Friedrich Gauss (1833) unabhängig voneinander bereits die grundsätzliche Möglichkeit demonstriert, elektrische Signale zu übertragenen und in codierter Form in Botschaften zu übersetzen. Doch war Samuel Morse, zusammen mit seinem Assistenten Alfred Vail, der erste dem es gelang, ein stabiles System aufzubauen - und vor allem zu kommerzialisieren - das auch über lange Distanzen funktionierte.
Hierfür waren ihm die technologischen Entwicklungen der seinerzeit jüngeren Vergangenheit enorm entgegengekommen. Erst 1825 hatte der britische Forscher William Sturgeon das Prinzip des Elektromagnetismus demonstriert, bei dem ein mit Draht umwickelter Eisenkern magnetisiert wurde, sobald Strom angelegt ist. 1835 tauchten die ersten nach diesem Prinzip entwickelten elektrischen Relais auf: Eine magnetisierte Nadel stellt einen Kontakt her, wenn Strom anliegt, und unterbricht diesen wieder, wenn kein Strom fließt. Mit Hilfe eines schwachen Steuerstromkreises kann so aus der Ferne beispielsweise ein Schalter betätigt werden - ein Prinzip, dass sich Morse für seinen Schreibtelegrafen zu Nutze machte, konnte so doch mit vergleichsweise wenig Energie ein kurzer Impuls über weite Strecken übertragen werden.
Dabei war Samuel Morse eigentlich kein Erfinder. Der am 27. April 1791 im US-Bundesstaat Massachusetts geborene Samuel Finley Breese Morse hatte erst eine Ausbildung zum Buchhändler absolviert, ehe er sich als Maler einen Namen machte. 1836 kandidierte Morse auch einmal erfolglos ums Amt des Bürgermeisters von New York.
Der Überlieferung nach war Morse 1825 in Washington, um ein Portrait anzufertigen, als er per Brief erfuhr, dass seine in New York verbliebene Frau am Genesen sei. Nur einen Tag später erreichte ihn aber in einem zweiten Brief die Nachricht, dass sie plötzlich verstorben war. Bis er im mehr als 300 Kilometer entfernten New York eingetroffen war, war seine Frau bereits beerdigt worden. Der Gedanke, Nachrichten schnell übermitteln zu können, um so eher reagieren zu können, ließ ihn fortan nicht mehr los. 1832 wurde Morse auf einer Schiffsreise von Europa zurück in die USA Augenzeuge einiger praktischer Vorführungen des Elektromagnetismus. Ab diesem Zeitpunkt begann der Maler, an einem Konzept eines elektromagnetischen Telegrafen zu arbeiten.
Das erste bestätigte Experiment vom 4. September 1837 war noch sehr unhandlich, die Übertragungsdistanz kurz, der verwendete zahlenbasierte Codeschlüssel recht unverständlich. Am 11. Januar 1838 demonstrierte Morse seinen Apparat erneut - diesmal stand der Schreibtelegraf in den Hallen eines Eisenwerks, aus einem drei Kilometer entfernten Haus übertrug der Sender die Botschaft: "A patient waiter is no loser" (ein geduldig Wartender ist kein Verlierer". Nach dieser Demonstration fand Morse genügend Investoren, um seine Erfindung endgültig zur Reife zu bringen.
Stand: 08.12.2025
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