Vor 180 Jahren begann die elektrische Kommunikation

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Kurze und lange Signale

Um die Übermittlung der codierten Signale möglichst verständlich zu machen, erarbeitete Morse zusammen mit seinem Assistenten Alfred Vail noch eine einfachere Methode, die eine Kombination aus bis zu fünf langen und kurzen Signalen in die 26 Buchstaben des Alphabets und zehn Ziffern von 0 bis 9 übersetzte. Die erste kommerzielle Telegrafen-Strecke wurde 1844 über eine Distanz von rund 60 Kilometern zwischen Baltimore, Maryland, und Washington D. C. eingerichtet. Als erste Nachricht übermittelte Samuel Morse in Morse-Code den Text „What hath God wrought?“ (Was hat Gott bewirkt?). Das Zeitalter der elektronischen Kommunikation hatte begonnen.

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Innerhalb kurzer Zeit breitete sich die Telegrafentechnik rasant aus. Bereits 1858 wurde erstmals versucht, eine beständige Telegrafenleitung durch den Atlantik zu legen - doch die Leitung brach bereits nach drei Wochen ab. 1861 wurde die erste Leitung quer über den amerikanischen Kontinent gelegt - mit einem Mal konnten innerhalb von Minuten Nachrichten übermittelt werden, die zuvor Tage oder gar Wochen gebraucht hatten. Am 28. Juli 1866 nahm schließlich auch die erste dauerhafte Telegrafenverbindung zwischen Europa und Amerika ihren Betrieb auf.

Zwischen den Weltkriegen erlebte die Telegrafie ihren Höhepunkt: 1929 wurden allein in den USA 212 Millionen Telegramme verschickt. Um Kosten zu sparen, verschicken die meisten Menschen die ihre Nachrichten über Telegramm meist in einer stark verkürzten Form, in dem Wörter verknappt oder Sätze abgehackt werden. Kritiker bemängelten schon früh, dass der immermehr um sich greifende Telegrammstil die Sprache ruiniere; ähnlich wie es auch Diensten wie der SMS oder Twitter vorgeworfen wurde.

Aber trotz dieses Höhepunkts zeichnete sich das Ende der Telegrafie in dieser Zeit bereits ab: 1901 hatte Guglielmo Marconi erstmals ein Funksignal quer über den Atlantik empfangen - unter Zuhilfenahme des Morse-Codes. Und die ebenfalls immer weiter um sich greifende Verbreitung von Telefonleitungen in den 1920er Jahren machte den vergleichsweise unbequemen Telegrafen nach und nach überflüssig - nur in entlegenen Gebieten hielt sich die Technologie noch einige Jahrzehnte länger.

Die Meisten erinnern sich noch an drei Lange, drei kurze und wieder drei Lange Signale: Der Morse-Code für SOS, das international geläufige Notsignal. Doch selbst das ist nicht mehr in offiziellem Gebrauch: lange als Notruf zur See eingesetzt, wurde das Morsesignal zur See 1999 in der internationalen Seefahrt abgeschafft. Darüber hinaus ist der Morse-Code in der praktischen Verwendung weitgehend überflüssig geworden.

Nach 176 Jahren nahm der Schreibtelegraf schließlich selbst Abschied: Im Juli 2013 stellte in Indien das bis dahin letzte kommerziell genutzte Telegrafen-Netz endgültig seinen Dienst ein.

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