Quantencomputing in der Cloud Quera plant fehlertoleranten Quantencomputer für 2028

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Der Hardware-Entwickler Quera Computing will in zwei Jahren ein fehlerkorrigiertes Quantensystem mit AWS auf den Markt bringen. Der Rechner namens Libra soll über die Cloud für komplexe kommerzielle Anwendungen und die Forschung bereitstehen.

Quantencomputer Libra: Das fehlerkorrigierte System von Quera soll ab 2028 über Amazon Braket für komplexe kommerzielle Anwendungen verfügbar sein.(Bild:  Quera)
Quantencomputer Libra: Das fehlerkorrigierte System von Quera soll ab 2028 über Amazon Braket für komplexe kommerzielle Anwendungen verfügbar sein.
(Bild: Quera)

Das US-Unternehmen Quera Computing plant den Marktstart seines ersten fehlertoleranten Quantencomputers für das Jahr 2028. Das System trägt den Namen Libra und soll Industrie, Regierungen sowie Forschungseinrichtungen dabei unterstützen, komplexe Berechnungen deutlich zuverlässiger durchzuführen. Bislang verfügbare Quantensysteme sind in der Praxis oft fehleranfällig, was ihre Nutzbarkeit für aufwendige Prozesse wie Molekülsimulationen, Materialentwicklung oder Logistikoptimierung stark einschränkt.

Libra gehört zur sogenannten Megaquop-Klasse. Diese Klassifizierung bedeutet, dass das System darauf ausgelegt ist, rund eine Million zuverlässige logische Rechenoperationen auszuführen. Für den praktischen und wirtschaftlichen Nutzen der Technologie ist nicht nur die reine Anzahl der verbauten Qubits entscheidend. Wichtiger ist die Fähigkeit, wie viele Berechnungen fehlerfrei ablaufen können, bevor störende Einflüsse das Ergebnis verfälschen. Das neue System soll künftig Anfragen mit mehr als 256 korrigierten logischen Qubits verarbeiten. Die logische Fehlerrate beziffert der Hersteller dabei auf 10 hoch minus 6. Die Hardware-Architektur baut auf etablierten Vorläufern auf. Dazu zählen das System Aquila mit 256 physischen Qubits, das bereits seit dem Jahr 2022 extern abrufbar ist, sowie das eng verwandte Modell Gemini, das in Japan betrieben wird.

Partnerschaft mit AWS

Um die neue Technologie einer weltweiten Anwenderschaft zur Verfügung zu stellen, bauen Quera und Amazon Web Services (AWS) ihre bestehende Zusammenarbeit signifikant aus. Kunden sollen ab 2028 über den Dienst Amazon Braket direkt auf Libra zugreifen können. Diese Cloud-Plattform ermöglicht es Entwicklern, Quantenanwendungen in bestehende klassische IT-Infrastrukturen einzubetten. So lassen sich die Quantenprozessoren mit klassischen Hochleistungsrechnern sowie Systemen für künstliche Intelligenz zu hybriden Workflows kombinieren.

Die wissenschaftlichen Grundlagen für die neue Systemarchitektur haben Forschungsteams der Universitäten Harvard und MIT gelegt. In bislang acht von unabhängigen Fachleuten geprüften Artikeln wiesen sie wesentliche technische Voraussetzungen nach. Dazu zählen unter anderem der ressourceneffiziente Einsatz von logischen Qubits als Grundbausteine, die Fehlerkorrektur in Echtzeit während des Betriebs und der dauerhafte Erhalt des Quantenzustands durch ein kontinuierliches Nachladen von Atomen in das System.

Bis zum geplanten Marktstart im Jahr 2028 will Quera die Hard- und Software schrittweise weiterentwickeln. Ausgewählte strategische Partner sollen bereits vor der allgemeinen Veröffentlichung direkten Zugriff auf erste funktionierende Testumgebungen erhalten, um die Praxistauglichkeit zu validieren.

Vorbereitung als entscheidender Wettbewerbsfaktor

Der ehrgeizige Entwicklungsplan setzt auch die potenziellen Anwender unter Zugzwang. Yuval Boger, Chief Commercial Officer des Unternehmens, warnt davor, die eigene Planung in den Unternehmen aufzuschieben: „Auf 2028 zu warten, um eine Quantenstrategie zu entwickeln, halte ich für ein großes Wettbewerbsrisiko.“ Obwohl die passenden Algorithmen für Systeme in diesem Maßstab heute teils noch nicht existieren, müssten sich Unternehmen bereits jetzt darauf vorbereiten. Nur so könnten sie die Rechenleistung ab dem ersten Tag für ihr Geschäft nutzen.

Marktbeobachter werten die veröffentlichte Roadmap als starkes Signal für die gesamte Branche. Dass der Hersteller seine Zwischenschritte offenlegt und jede Entwicklung wissenschaftlich überprüfen lässt, erlaube es den Anwendern, sich schrittweise mit der Technologie vertraut zu machen. Erst auf dieser Basis müssten Unternehmen entscheiden, ob und in welchem Umfang sie finanzielle oder personelle Ressourcen für das Quantencomputing bereitstellen. (mc)

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