Wolfspeed verklagt Navitas Patentstreit im Herzen der Wide-Bandgap-Branche

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

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Wolfspeed verklagt Navitas wegen mutmaßlicher Patentverletzungen bei GaN- und SiC-Leistungshalbleitern. Der Rechtsstreit trifft auf einen boomenden Markt – und kommt für Wolfspeed zu einem strategisch bemerkenswerten Zeitpunkt.

Wolfspeed wirft Navitas die Verletzung mehrerer US-Patente im Bereich der GaN- und SiC-Leistungshalbleiter vor. Über die Vorwürfe muss nun ein US-Gericht entscheiden.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Wolfspeed wirft Navitas die Verletzung mehrerer US-Patente im Bereich der GaN- und SiC-Leistungshalbleiter vor. Über die Vorwürfe muss nun ein US-Gericht entscheiden.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Wolfspeed hat am 7. Juli 2026 vor dem US-Bundesbezirksgericht in Delaware Patentklage gegen den Wettbewerber Navitas Semiconductor eingereicht. Das Unternehmen wirft Navitas die Verletzung von fünf US-Patenten (Nr. 8.169.005, 10.998.418, 10.886.396, 10.749.443 und 11.888.392) vor. Betroffen sind laut Klageschrift weite Teile des Produktportfolios, darunter die GaN-FET-Familien GaNFast, GaNSlim und GaNSafe sowie die GeneSiC-MOSFETs und SiCPAK-Module. Wolfspeed-CEO Robert Feurle begründet den Schritt mit dem Schutz eines über Jahrzehnte aufgebauten Patentportfolios im Bereich Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN).

Mehr als ein gewöhnlicher Patentstreit

Auf den ersten Blick wirkt das Verfahren wie einer von vielen Patentstreitigkeiten der Halbleiterbranche. Im aktuellen Umfeld von Wolfspeed erhält die Klage jedoch eine zusätzliche strategische Dimension.

Das Unternehmen hatte am 30. Juni 2025 ein vorbereitetes Chapter-11-Verfahren eingeleitet und dieses nach 91 Tagen am 29. September 2025 abgeschlossen. Dabei wurden rund 4,6 Milliarden US-Dollar der zuvor etwa 6,7 Milliarden Dollar umfassenden Finanzverbindlichkeiten abgebaut. Gleichzeitig blieb die 200-mm-Siliziumkarbid-Fertigung als technologischer Kern des Unternehmens erhalten.

Vor diesem Hintergrund zählt das Patentportfolio zu den wichtigsten strategischen Vermögenswerten des Unternehmens. Die Klage kann daher auch als Signal an Investoren und Kunden verstanden werden, dass Wolfspeed seine technologische Position nicht nur über Forschung und Fertigung, sondern auch durch die konsequente Durchsetzung seiner Schutzrechte absichern will.

Zeitpunkt und mögliche Auswirkungen

Die Ankündigung erfolgte nach Börsenschluss. Die Wolfspeed-Aktie hatte den Handelstag bereits mit einem Minus von 8,79 Prozent bei 36,00 US-Dollar beendet – eingebettet in einen insgesamt schwächeren Handel vieler Halbleiterwerte. Navitas äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

Für Navitas könnte der Rechtsstreit erhebliche Bedeutung erlangen. Sollten Wolfspeeds Patentansprüche ganz oder teilweise bestätigt werden, wären je nach Ausgang des Verfahrens Lizenzvereinbarungen, Produktanpassungen oder im Extremfall Vertriebsbeschränkungen für einzelne Produktlinien denkbar. Da die betroffenen GaN- und SiC-Produkte zum Kerngeschäft des Unternehmens zählen, wäre der wirtschaftliche Einfluss entsprechend groß.

Bedeutung für die Wide-Bandgap-Branche

Der Rechtsstreit betrifft eines der dynamischsten Segmente der Halbleiterindustrie. GaN-Transistoren und SiC-MOSFETs gelten als Schlüsseltechnologien für Elektrofahrzeuge, Schnellladeinfrastruktur, industrielle Stromversorgungen und zunehmend auch für KI-Rechenzentren.

Für Wolfspeed steht die Verteidigung eines über Jahrzehnte aufgebauten Patentportfolios im Mittelpunkt. Gleichzeitig könnte die Klage auch den Wettbewerbsdruck in einem Markt erhöhen, der trotz hoher Wachstumsraten von intensivem Preis- und Margendruck geprägt ist. Beide Perspektiven schließen sich nicht gegenseitig aus.

Ob Wolfspeeds Vorwürfe Bestand haben, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Erfahrungsgemäß enden Patentverfahren dieser Größenordnung nicht selten in einem Vergleich oder einer Lizenzvereinbarung. (mr)

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