Ausbau in Dresden Infineon startet Produktion in der nun weltweit größten Fabrik für Leistungshalbleiter

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Die erweiterte Infineon-Fabrik in Dresden geht drei Monate vor dem Zeitplan ans Netz. Damit verdoppelt der Konzern seine lokale Fertigung, um dringend benötigte Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren und die Energiewende zu liefern.

Start des Dresdener Ausbaus: Infineon-CEO Jochen Hanebeck (Mitte) eröffnet zusammen mit Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (rechts) und Bundesdigitalminister (links) das neue Werksgebäude.(Bild:  Infineon)
Start des Dresdener Ausbaus: Infineon-CEO Jochen Hanebeck (Mitte) eröffnet zusammen mit Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (rechts) und Bundesdigitalminister (links) das neue Werksgebäude.
(Bild: Infineon)

Mit einem Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro und nach nur drei Jahren Bauzeit hat die Infineon Technologies AG das sogenannte Modul 4 am Standort Dresden eröffnet. Es handelt sich um die bislang größte Einzelinvestition des Unternehmens. Die neue „Smart Power Fab“ fertigt auf 300-Millimeter-Wafern intelligente Leistungshalbleiter sowie Analog- und Mixed-Signal-Bausteine. Diese Komponenten werden vor allem für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren, in softwaredefinierten Fahrzeugen sowie in Wind- und Solaranlagen benötigt.

Durch den Ausbau entstehen rund 1.000 neue Arbeitsplätze in der direkten Fertigung und Instandhaltung. Das Unternehmen hat diese Stellen bereits größtenteils besetzt und setzt dabei stark auf eigene Ausbildung: Mehr als 350 Mitarbeiter absolvieren derzeit eine Lehre vor Ort im Dresdener Norden.

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Digitaler Zwilling der ganzen Fabrik

Infineon betreibt die Standorte Dresden und Villach als sogenannte „One Virtual Fab“. Beide Werke nutzen dieselben Anlagen, Prozesse und Systeme. Entwickelt das Unternehmen eine Technologie im österreichischen Villach, lässt sich diese durch den digitalen Zwilling wesentlich schneller nach Sachsen übertragen. Ein Technologietransfer, der früher über ein Jahr beanspruchte, gelingt nun innerhalb von acht Monaten.

Zudem halfen KI-Algorithmen bereits bei der Planung. Sie berechneten den idealen Standort für jede einzelne Maschine und simulierten die optimale Reihenfolge der Installation. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, den Hochlauf der Produktion in der halben Zeit zu bewältigen. Die Fabrik ist so konzipiert, dass die meisten der über 1.000 geplanten Anlagen für verschiedene Produkte genutzt werden können. Das macht die Fertigung widerstandsfähiger gegen Nachfrageschwankungen in einzelnen Marktsegmenten.

Bauen bei laufendem Betrieb

Der Bau des neuen Moduls fand direkt auf dem bestehenden Werksgelände statt. „Ein Brownfield lässt sich viel schneller in Produktion bringen als ein Greenfield“, betont Projektleiter Thomas Reitner. Erweiterungen können schrittweise erfolgen, ohne dass sofort der komplette Maschinenpark für ein neues Produkt gekauft werden muss. Der Projektleiter des Ausbaus wird übrigens nicht nach der Fertigstellung jetzt verschwinden, sondern wird auch dessen Produktion verantworten.

Allerdings stellte die bauliche Nähe zu den produzierenden Modulen 1, 2 und 3 eine erhebliche Herausforderung dar. Für das Fundament wurden 1.500 Bohrpfähle gesetzt und 450.000 Kubikmeter Erde abtransportiert. Um die laufende Produktion nicht durch Erschütterungen zu gefährden, installierte das Team Vibrationssensoren in den angrenzenden Reinräumen. Schlugen diese an, wurde der Bau sofort gestoppt und die Abläufe auf der Baustelle angepasst. Eine zwei Meter dicke Bodenplatte schirmt die neuen Anlagen nun dauerhaft von Vibrationen ab.

Der Reinraum selbst befindet sich in der vierten Ebene des neuen Gebäudes. Es nutzt sogenannte Waffeltische, spezielle Bodenplatten, die optisch an belgische Waffeln erinnern. Durch ihre Löcher fließt die Luft nach unten ab und gelangt über Filterdecken wieder in den Raum, um die strengen Partikelgrenzwerte einzuhalten. Große Produktionsanlagen sind zweigeteilt: Ein Teil steht im Reinraum, die notwendige Versorgungstechnik ein Stockwerk tiefer im Keller. So nutzt Infineon die teure Reinraumfläche besonders effizient.

Auch bei der Ressourcenversorgung integriert das Werk aktuelle Standards. Die Fabrik kommt vollständig ohne Erdgas aus und wird zu 100 Prozent mit grünem Strom betrieben. Statt Trinkwasser kommt Industriewasser zum Einsatz. Das System ist darauf ausgelegt, 90 Prozent des genutzten Wassers wieder aufzubereiten und dem Kreislauf zuzuführen, während eine generelle Recyclingquote von 45 Prozent angestrebt wird.

Wann erobern Humanoide den Reinraum?

Zur Eröffnung hatten wir die Gelegenheit, bestehende und neue Reinräume zu besichtigen. Ein hoher Automatisierungsgrad ist hier nicht nur für die Prozessgeschwindigkeit relevant, sondern auch hinsichtlich der Kontaminierung. Je weniger Menschen Staub hineintragen, umso besser. Industrieroboter sind daher in der Waferproduktion doppelt geeignet und sind bereit zahlreich im Reinraum vertreten. Humanoide Roboter sind aber noch Zukunftsmusik: Noch ist die Zeit dafür nicht reif genug: Während der Führung wurde uns bestätigt, dass die menschenähnlichen Roboter bei Infineon bestenfalls über Ideenstatus verfügen.

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