Speicherproduktion Microns nimmt Indiens erste ATMP-Anlage in Betrieb

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Micron hat den Betrieb seiner ATMP-Anlage (Assembly, Test, Marking and Packaging) im indischen Sanand aufgenommen. Es handele sich dabei um die erste Halbleiterproduktionsstäte ihrer Art auf dem Subkontinent. Die Anlage soll primär der Produktion von DRAM- und NAND-Flash-Speichern dienen.

Indiens Premierminister Shri Modi und Sanjay Mehrotra, Chairman und Präsident von Micron, bei der offiziellen Eröffnung der neuen ATMP-Anlage im indischen Sanand.(Bild:  NIJ, via X)
Indiens Premierminister Shri Modi und Sanjay Mehrotra, Chairman und Präsident von Micron, bei der offiziellen Eröffnung der neuen ATMP-Anlage im indischen Sanand.
(Bild: NIJ, via X)

Micron hat in Sanand (Gujarat) Indiens erste Halbleiter-Assembly-und-Test-Fabrik dieser Art offiziell eröffnet und bereits die kommerzielle Produktion gestartet. Der Standort wandelt DRAM- und NAND-Wafer aus Microns globalem Fertigungsnetzwerk in fertige Memory- und Storage-Produkte um. Der Fokus liege dabei auf dem stark wachsenden Bedarf rund um AI-Workloads.

Technologisch geht es um ATMP: Assembly, Test, Marking and Packaging. Damit werden Chips aus dem Wafer vereinzelt, geprüft, klassifiziert und schließlich für den Markt verpackt. Aus Wafern werden daher in der Anlage in einem durchgängigen Prozess verkaufsfähige Komponenten und Module hergestellt.

Es handelt sich dabei nicht nur um die erste Halbleiteranlage ihrer Art in Indien: Mit mehr als 500.000 square feet (rund 46.000 m²) Reinraumfläche in der ersten Ausbaustufe positioniert Micron Sanand als einen der größten Single-Floor-Assembly-und-Test-Cleanrooms weltweit. Das soll vor allem ein Signal an die globale Lieferkette darstellen: Kapazität entsteht dort, wo bislang vor allem konsumiert wurde.

Globale Lieferketten und Stärkung einer nationalen Industrie

Die Gesamtinvestition wird mit rund 2,75 Milliarden US-Dollar beziffert. Auffällig ist dabei die Aufteilung: Indien übernimmt etwa 70 Prozent, Micron rund 30 Prozent. Es ist Teil der indischen Strategie für einen drastischen Aufbau einer lokalen Halbleiterproduktion. Die indische Regierung signalisiert, wie hoch der strategische Stellenwert eines eigenen Packaging- und Test-Ökosystems inzwischen ist.

2026 sollen zunächst mehrere zehn Millionen Chips durchlaufen, 2027 die Skalierung auf Hunderte Millionen folgen. Zum Start liefert Micron die ersten „Made-in-India“-Speichermodule an Dell Technologies, vorgesehen für Laptops, die in Indien für den indischen Markt gefertigt werden – ein pragmatischer Ankerkunde mit unmittelbarer Marktwirkung.

Parallel investiert Micron in Talentaufbau über Kooperationen mit Hochschulen und Trainingsprogrammen, um Rollen in Advanced Manufacturing zu besetzen. Dazu kommen Nachhaltigkeitsziele wie eine Auslegung auf LEED-Gold-Standards und Wassertechnologien bis hin zu Zero Liquid Discharge – Faktoren, die für Standortentscheidungen und Kundenanforderungen zunehmend mitentscheiden.

Angesichts steigender Speicherpreise und einem hart geführten Technologiewettstreit vor allem bei für KI-Anwendungen sehr gefragten High-Bandwith-Memory-Bausteinen hat Micron weltweit den Ausbau seiner Produktionskapazitäten vorangetrieben: Allein im Januar hatte das US-Amerikanische Unternehmen den Spatenstich seiner 100 Milliarden US-Dollar schweren Mega-Fab im Bundesstaat New York, die Übernahme einer Fab des Auftragsfertigers PSMC in Taiwan mit besonderem Blick auf DRAM-Produktion, sowie die Investition von 24 Mrd US-Dollar in den Ausbau seiner Speicherproduktionsstätten in Singapur angekündigt. Dabei geht es Micron nicht nur um das schnelle Hochfahren der Produktion, sondern auch um eine weltweit breitere Aufstellung zur Sicherung globaler Lieferketten. Dies dürfte auch nicht zuletzt dem Rückzug aus der Speicherproduktion in China und der Aufgabe des Server-Speicher-Geschäfts in der Volksrepublik geschuldet sein.

Für Indien stellt die Eröffnung der ATMP-Anlage den bislang größten Schritt des nationalen Plans dar, sich als global attraktiver Standort in der weltweiten Halbleiterproduktion zu etablieren. Die Regierung hat in den vergangenen Monaten und Jahren viel Wert darauf gelegt, weltweit führende Unternehmen ins Land zu locken: Erst im Oktober vergangenen Jahres hatte TDK den Subkontinent als zentrales Standbein seiner globalen Strategie bezeichnet. Analog Devices hat in einer Absichtserklärung angegeben, die Entwicklung zumindest prüfen zu wollen. Auch Infineon hatte im vergangenen Jahr seine indischen Aktivitäten mit einem neuen F&E-Zentrum weiter ausgebaut.(sg)

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