Chinas Antwort auf ChatGPT könnte sich zuerst im Auto nützlich machen: „Ernie Bot“ ist ein vom Internetkonzern Baidu entwickelter Chatbot, der voraussichtlich schon im März dieses Jahres in Modelle des Herstellers Jidu Auto integriert werden soll.
Das Roboterauto Robo-01 soll autonomoes Fahren bis Level 4 beherrschen und weitgehend per Sprache bedient werden können. Die Kommunikation mit dem Fahrer übernimmt der Chatbot Ernie Bot.
(Bild: Baidu)
Ernie Bot? Wer die Sesamstraße noch kennt, assoziiert mit dem Namen unweigerlich das lustige Puppenduo Ernie und Bert. Hier geht es allerdings nicht um Klamauk, sondern um einen Chatbot, der zunächst als Sprachsteuerung in chinesischen Autos integriert werden soll.
Jidu Auto ist ein im März 2021 gegründetes Joint Venture von Baidu und Geely. Erst kürzlich, im Dezember, hatte es seinen ersten Prototypen namens „Robo-01“ vorgestellt: Ein in der unvermeidlichen SUV-Bauform daherkommendes Robocar. Das Auto ist technisch für das autonome Fahren nach Level 4 ausgerüstet, kann ohne Beteiligung des Fahrers selbstständig links abbiegen, Ampeln und Hindernisse erkennen und einparken. Das Konzept des Autos war im letzten Sommer zuerst auf einer Metaverse-Plattform vorgestellt worden.
Ernie Bot für eine „bessere interaktive Erfahrung“
Die Integration des von Baidu entwickelten Ernie Bot in die Autos seiner Firma werde den Fahrern eine bessere interaktive Erfahrung bieten, sagte Xia Yiping, der CEO von Jidu Auto, auf einer Pressekonferenz. Ähnlich wie das US-amerikanische ChatGPT, das von dem Startup OpenAI entwickelt worden ist und von Microsoft unterstützt wird, nutzt Ernie Bot KI-Sprachmodelle, sogenannte Large Language Models (LLM).
Wie das amerikanische Vorbild, das gerade weltweit Furore macht, soll auch Ernie menschliche Sprache verstehen und auf möglichst natürlich klingende Weise beantworten können. Baidu sagt, letzte interne Tests liefen gerade und Ernie werde im März der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Sprachsteuerung von „Smart Cars“ ist eine sowohl einfachere, als auch leichter zu kommerzialisierende Anwendung der ChatGPT-ähnlichen Technologie als ein allgemeines Konversationswerkzeug, dass gleich „alle“ Fragen der Menschheit sinnvoll beantworten soll. Die typischen Fragen und Antworten im Cockpit sind zwar auch zahlreich, aber relativ gesehen nicht ganz so vielfältig.
Baidu generiert momentan noch einen Großteil seiner Einnahmen aus seinem Google-Chrome-ähnlichen Internet-Browser, versucht sich aber seit rund fünf Jahren in einen auf KI und autonomes Fahren fokussierten Technologie-Konzern zu wandeln. Es wird auch erwartet, dass Baidu Ernie irgendwann in seinem Browser integrieren wird.
ChatGPT darf in China nicht genutzt werden – eigentlich
Das amerikanische ChatGPT darf von chinesischen Nutzern offiziell überhaupt nicht ausprobiert werden – nicht weil es von der chinesischen Regierung zensiert ist, sondern weil der Entwickler OpenAI seine Software in bestimmten Ländern, darunter Iran, Russland und China, nicht zur Nutzung freigegeben hat.
Doch viele Chinesen haben sich mit Hilfe von VPN-Software und ausländischen Telefonnummern dennoch Zugang verschafft. ChatGPT hat seit Anfang dieses Jahres in China einen ähnlichen Hype ausgelöst wie überall sonst auf der Erde.
Chinas Internetriesen Alibaba und Netease arbeiten an eigenen Chatbots
Neben Baidu haben auch schon andere chinesische Internet-Riesen wie Alibaba und Netease angekündigt, an eigenen Chatbots zu arbeiten. Chinesische Investoren schütten bereitwillig Geld in alle auch nur annähernd qualifizierten Unternehmen und deren Börsenkurse klettern rasant schnell. Schon warnen Börsenaufsichtsbehörden und staatliche Medien in China vor einem überzogenen Hype.
Von allen potenziellen ChatGPT-Nachahmern in China ist Baidu allerdings tatsächlich einer der aussichtsreichsten, denn der Suchmaschinen-Betreiber besitzt eine große Menge von Daten in chinesischer Sprache, die für das Training von Ernie und ähnlichen Produkten benötigt werden.
Chinesische Firmen wollen Ernie lieber heute als morgen integrieren
Obwohl die exakten Fähigkeiten von Ernie noch gar nicht genau bekannt sind, überbieten sich chinesische Firmen aller Art gerade bei dem Versuch, den chinesischen Chatbot zuerst einzusetzen – zuerst in ihrer jeweiligen eigenen Industrie.
Weil mit der Technologie nicht nur im Internet recherchiert, sondern auch Artikel geschrieben werden können, haben bereits mehr als ein Dutzend chinesischer Medienkonzerne Vorverträge mit Baidu über Ernie Bot abgeschlossen, darunter der staatseigene „Shanghai Securities Journal“, berichtet die China Daily.
Stand: 08.12.2025
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Auch der Shaolin-Tempel, der nicht nur als Wiege des chinesischen Kung Fus gilt, sondern auch immer schon für sein cleveres Marketing und lukrative Kooperationen, etwa mit Filmproduzenten, bekannt war, hat sich schon bei Baidu als Firmennutzer von Ernie angemeldet. (me)
* Henrik Bork ist Managing Director und Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen mit Sitz in Peking.