Ursprünglich für den privaten Gebrauch konzipiert, werden Entwicklerboards immer öfter auch im industriellen Umfeld eingesetzt. Sie sind einfach zu programmieren, preisgünstig und werden von einer riesigen Gemeinde von Entwicklern unterstützt.
Raspberry Pi 4B: einer der beliebtesten SBCs in der Industrie, bei Makern und Studenten.
(Bild: Raspberrypi.org)
Wie aber werden Entwicklerboards tatsächlich in der deutschen Fertigung genutzt? Reichelt Elektronik hat dazu mehr als 1.500 Unternehmen – darunter 500 in Deutschland – aus dem produzierenden Gewerbe befragt.
Vielfältigkeit ist der größte Vorteil
Entwicklerboards erhalten auch in der deutschen Industrie immer mehr Zuspruch: Die überwältigende Mehrheit (74 Prozent) setzt sie mittlerweile im eigenen Unternehmen ein. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen (11 Prozent) gibt an, nicht mit Entwicklerboards zu planen.
Während Befürworter vor allem die Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten (41 Prozent) und die große Produktauswahl (38 Prozent) anpreisen, steht für die Gegner die geringere Lebenszeit in der Kritik. 25 Prozent geben an, auf den Einsatz von Entwicklerboards zu verzichten, weil sie nicht für den Dauereinsatz geeignet sein. Zudem sind die Zusatzkosten für Hats und Shields ein häufig genannter Grund (23 Prozent), keine Entwicklerboards einzusetzen.
Shields machen das Entwicklerboard industriefertig
Gerade Erweiterungsplatinen, Ardiuno nennt sie Shields und Raspberry Pi spricht von HATs werden oft verwendet, um Entwicklerboards für den industriellen Einsatz aufzurüsten. 73 Prozent der Unternehmen erweitern die Boards um folgende Funktionen:
Neun Prozent – Spezielle Funktionen wie Mikrofone, 3D Motion Tracking oder Power Management.
35 Prozent geben an, Tracking oder Power dass sie sich für die Zukunft widerstandsfähigere Einplatinen-Computer und -Microcontroller wünschen. Durchaus mehr Potenzial sehen deutsche Unternehmen in einem noch größeren Anwendungsspektrum (38 Prozent) und noch mehr Individualisierungsmöglichkeiten durch weitere HATs und Shields (36 Prozent).
Deutsche Unternehmen nutzen ihre Entwicklerboards vor allem, um industrielle Anwendungen zu bedienen (41 Prozent). Gefolgt wird diese Angabe von der Entwicklung von Prototypen (36 Prozent) sowie, KI-Anwendungen oder Datenverarbeitung am Edge (32 Prozent). Zudem nutzt beinahe jedes dritte Unternehmen seine Boards für Robotik-Anwendungen (32 Prozent).
Dafür greifen die meisten entweder auf Entwicklerboards von Google (27 Prozent), NVIDIA (24 Prozent) oder auf Raspberry Pis (23 Prozent) zurück. Die Vormachtstellung von Google sehen aber viele Unternehmen wanken: Auf die Frage, welcher Hersteller in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich den größten Marktanteil haben wird, nannten 26 Prozent der Befragten NVIDIA – noch vor dem Internetgiganten aus dem Silicon Valley (24 Prozent).
Selbst die absolute Wachablösung von Industriecomputern scheint nicht mehr ganz so weit entfernt. Nahezu drei Viertel (71 Prozent) der befragten Entscheider sehen in Entwicklerboards einen ernstzunehmenden Konkurrenten für die bislang weit verbreiteten Industriecomputer.
Die Unternehmensgröße bestimmt die Verwendung
Vergleicht man die Benutzung von Entwicklerboards über die verschiedenen Unternehmensgrößen hinweg, so fällt auf, dass vor allem kleine Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern (83 Prozent) und besonders große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern (86 Prozent) auf Entwicklerboards setzen. Bei mittelgroßen Unternehmen finden sie durchschnittlich bei 72 Prozent Anwendung.
Es zeigt sich, dass gerade kleine Unternehmen einen progressiven Ansatz verwenden und ihre Boards vor allem für Robotik-Anwendungen einsetzen. Sie haben mit 43 Prozent den höchsten Anteil. Im Gegensatz dazu setzen Deutschlands größte Unternehmen vorrangig auf industrielle Anwendungen (46 Prozent) und die Entwicklung von Prototypen (42 Prozent).
Ein Blick in die Glaskugel
„Entwicklerboards sind in der deutschen Industrie bereits jetzt weit verbreitet“, erklärt Sven Pannewitz, Product Manager - Development Boards & Vehicle Accessories bei Reichelt Elektronik. „Viele Entscheider sehen in ihnen sogar ernstzunehmende Konkurrenz für die nach wie vor bevorzugten Industriecomputer. Mit der fortschreitenden Automatisierung von Produktionsabläufen und der steigenden Anzahl an Anwendungsfeldern könnte die Zahl an Entwicklerboards in Zukunft noch zunehmen. Schaffen es die Hersteller, den Wünschen der Industrie weiter nachzugehen, wird die Verwendung der Entwicklerboards bald Standard sein.“
Stand: 08.12.2025
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