FBDi-Quartalsbericht 4Q2023 Bauelemente-Distribution: leichtes Umsatzplus in 2023; negativer Ausblick für 2024

Von Margit Kuther 3 min Lesedauer

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Der Fachverband der deutschen Bauelemente-Distribution verzeichnete einen Umsatz- und Auftragsrückgang im vierten Quartal 2023, aber vier Prozent Plus für das Gesamtjahr. Die Auftragslage bleibt schlecht, doch es gibt Hoffnung auf Erholung in der zweiten Jahreshäfte 2024.

FBDi-Quartalsbericht 4Q2023: Umsatzminus (Billings) um 20.1% auf 1,08 Milliarden Euro; extrem schwache Auftragseingänge (Bookings) um -56% auf 507 Milliarden Euro. (Bild:  FBDi)
FBDi-Quartalsbericht 4Q2023: Umsatzminus (Billings) um 20.1% auf 1,08 Milliarden Euro; extrem schwache Auftragseingänge (Bookings) um -56% auf 507 Milliarden Euro.
(Bild: FBDi)

Im vierten Quartal 2023 zeigte sich der schwache Auftragseingang der letzten Quartale mit voller Wucht. Der Umsatz der im FBDi meldenden Distributoren ging um 20,1 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro zurück. Aufgrund der weiterhin sehr schwachen Auftragslage (-56 Prozent auf 507 Millionen Euro) errechnet sich eine Book-to-Bill-Rate von 0,47, was für die nächsten Quartale eine schwierige Marktsituation erwarten lässt.

Die Book-to-Bill-Rate ist ein wirtschaftlicher Indikator, der das Verhältnis von Auftragseingängen (book: Auftragsbuch) zu Umsätzen (bill: Rechnung) für einen bestimmten Zeitraum, in diesem Fall ein Quartal, angibt. Positiv ist eine Book-to-Bill-Rate von 1 oder höher, denn dann überwiegen die Auftragseingänge. Dennoch: Das Gesamtjahr 2023 blieb trotz des schwachen 2. Halbjahrs positiv. Der Gesamtumsatz endete mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 5,37 Milliarden Euro.

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Halbleiterumsätze auf Rekordniveau

Vor allem die Halbleiter prägten das Jahr für die Distributoren. Zwar gingen die Umsätze damit im vierten Quartal 2023 ebenfalls zurück, um 21 Prozent auf 745 Millionen Euro; im Gesamtjahr wuchsen sie jedoch um über 10% auf die Rekordmarke von 3,73 Milliarden Euro. Weniger positiv lief es (bereits seit längerem) bei den passiven Komponenten und der Elektromechanik. Sie schrumpften sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr, die Passiven um 15,9 Prozent auf 136 Millionen Euro in Q4 (-5,6 Prozent auf 669 Millionen Eurofürs Gesamtjahr), die Elektromechanik um 18,1 Prozent auf 128 Millionen Euro (Gesamtjahr: -7,3 Prozent auf 620 Millionen Euro). Ähnliche Abwärtstrends waren bei Sensoren, Displays, Stromversorgungen sowie Baugruppen zu verzeichnen. An der Umsatzverteilung nach Komponentengruppen änderte sich so gut wie nichts.

Neue Entwicklungen und Projekte fokussieren

FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Die Zahlen sind nicht überraschend, weder fürs vierte Quartal noch fürs Gesamtjahr. Man kann das Jahr 2023 so zusammenfassen, dass es bereits viele vorgezogene Geschäfte von 2024 enthält und somit unrealistisch hoch war, genau das, was in 2024 fehlen wird. Für die nächsten Quartale ist mit geringen Neuaufträgen im Bestandsgeschäft zu rechnen, deshalb sollte der Fokus ganz klar auf die Erschließung neuer Designs und Projekte liegen, die wohl aufgrund der schwierigen Liefersituation in den letzten zwei Jahren auch bei den Kunden keine Priorität hatten.“

Schwächelnde Industrie und Automobilsektor

Zur weiteren Lage stellt Steinberger fest: „Der positive Ausblick der meisten Marktforscher für 2024 betrifft überwiegend einen Bereich, der als Treiber dienen könnte – Speicher und Prozessoren, die KI-Anwendungen in Data Centern unterstützen. Dieser Markt wird wohl hauptsächlich in den USA stattfinden. In Europa ist die Realität eine andere: Wir treffen hier auf eine schwächelnde Industrie und einen unter Druck befindlichen Automobilbereich, die zwei Hauptabnehmer für Komponenten und die wichtigsten Kundengruppen für die Distribution. Deshalb sind die Aussichten für Europa in diesem Jahr eher moderat, mit der Hoffnung auf eine Trendwende nach dem Sommer.“

„Unser Appell wäre, sich nicht auf sinnlose Preiskämpfe einzulassen, zumal die Produktionskosten bei den Komponenten nicht niedriger werden, sondern sich auf die Innovationskraft Europas zu fokussieren und mit neuen Ideen den Markt zu begeistern.“

Chancen nutzen, statt jammern

Schließlich bleibe die Gesamtaussicht für die Zukunft nach wie vor positiv. Steinberger: „Wir können uns jetzt weiter in die Krise jammern und auf die Politik schimpfen oder die enormen Möglichkeiten nutzen, die die digitale Transformation und der notwendige, klimafreundliche Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft bieten. Gerade für Letzteres sind die Anzeichen da, dass die Unternehmen den politischen Vorgaben nicht nur folgen, sondern vorausgehen, und das ist auch gut für die Elektronikindustrie.“

AFD & Co. schaden der Wirtschaft immens

Ein Thema, das für niemanden gut ist, meint Steinberger, ist die zunehmende Radikalisierung am rechten Rand der Gesellschaft, bis hinein in die Mitte: „Es wird Zeit, dass wir uns als Industrie viel stärker als bisher gegen menschen- und demokratiefeindliche Tendenzen in der Gesellschaft positionieren. Sie schaden der Gesellschaft, der Wirtschaft und dem Ansehen Deutschlands als weltoffenes Land. Michael Huether vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) beziffert allein den Schaden der ‚kühnen‘ Wirtschaftspläne von AFD und Co. auf 500 Milliarden Euro Verlust und 2,2 Millionen Arbeitsplätze, von den gesellschaftlichen Verwerfungen ganz zu schweigen.“ (mk)

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