TechMatch 2022 Der Wettstreit der Raumfahrt-Start-ups

Von Richard Oed

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Sechs Raumfahrt-Start-ups trafen beim „TechMatch Live“ des Halbleiterherstellers Texas Instruments aufeinander. Mit ihren spannenden Kurzpräsentationen versuchten sie die Jury zu überzeugen. Wer gewonnen hat, lesen Sie hier.

Dr. Thomas Sinn von DcubeD zeigt stolz die gewonnene Auszeichnung und eines seiner Produkte, den Nano Pin Puller.
Dr. Thomas Sinn von DcubeD zeigt stolz die gewonnene Auszeichnung und eines seiner Produkte, den Nano Pin Puller.
(Bild: © Elektronikpraxis / Richard Oed)

Am 2. Juni 2022 war es so weit: Der vierte von Texas Instruments (TI) veranstaltete Start-up-Wettbewerb TechMatch Live startete am Firmensitz von TI in Freising. Seit 2017 lädt der Halbleiterhersteller Texas Instruments an wechselnden Lokationen zu diesem Event mit unterschiedlichen Schwerpunkten ein. Diesmal ging es um das Thema „Space“, also die Raumfahrt. Sechs ausgewählte Start-ups bekamen die Gelegenheit, sich und ihre Projekte und Ideen vorzustellen. Dazu hatten sie jeweils fünf Minuten Zeit und mussten sich im Anschluss drei Minuten lang Fragen der Jury stellen, die nach jedem Vortrag gleich ihre Punkte vergab. Bewertet wurden dabei für jedes Start-up unter anderem der Business Case, die technische Kompetenz und die Art der Problemlösung.

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Die Palette der Themen reichte von Kommunikationssystemen, über transparente Solarmodule, bis hin zu Deployment-Systemen und neuromorphischen Rechnern. Hierbei war es nicht immer einfach, die Preisrichter zu überzeugen, bestand die Jury doch aus fachkundigen Vertretern von Texas Instruments, Airbus Defense and Space, satsearch, des Business Incubation Centers der European Space Agency (ESA) sowie der ELEKTRONIKPRAXIS. Ansteckend wirkten dabei der von allen Teams gezeigte Enthusiasmus und das große Engagement für ihre Arbeit.

Bevor die Pitches starteten, begrüßte Stefan Bruder, Präsident EMEA von Texas Instruments die Teilnehmer. Er erläuterte zunächst die Bedeutung des TechMatches für TI, der unter dem Motto „Wir ermöglichen Innovation, wir vernetzen uns, um zu lernen, und wir wachsen gemeinsam“ steht. Außerdem wies er darauf hin, dass der Standort Freising eng mit der Luft- und Raumfahrt verbunden ist. Hier werden nicht nur Bauelemente für diesen Bereich entwickelt, sondern teilweise auch hergestellt, da die Fertigung nach QML-V qualifiziert ist.

Keynotes unterstrichen die Bedeutung der Raumfahrt

Direkt daran schloss sich die Keynote von Frank Salzgeber, dem Head of Innovation and Ventures Office bei der European Space Agency, an. Dieser schlug in seinem Vortrag den Bogen von der Entwicklung und Einführung der kommerziellen Floppy-Disk hin zum Thema „New Space“, bei dem ebenfalls neue, innovative Firmen den Status quo hinterfragen.

Direkt im Anschluss folgte die erste Runde der Pitches. Den Anfang machte die über Internet zugeschaltete Firma DVLX aus Izmir, die ihr System für einen softwaredefinierten Funk (SDR) für Cube-Satelliten vorstellte. Daran anschließend präsentierte Celestial Space Technologies aus Nürnberg ihre bereits für mehrere Missionen vorgesehenen Satellitenantennen für das S- und X-Band. Eine Besonderheit war der Prototyp einer transparenten Antenne, die auf Solarmodule montiert werden kann und dabei gleichzeitig zu deren Schutz beiträgt. Zum Abschluss dieser Runde zeigte cStream aus München seine Produkte: kleine bidirektionale Pumpen, die wesentlich kleiner und leichter ausfallen als bisherige Typen, die dazugehörigen Steuereinheiten und Software, die als SaaS (Software as a Service) angeboten wird.

In der folgenden Keynote zeigte Dietmar Pilz, VP Chief Engineer bei Airbus Space Systems, welche Aktivitäten Airbus im Bereich „Next Space“ unternimmt, legte aber auch dar, warum die Menschheit Raumfahrt betreibt und wo sie nützlich sein kann. Zudem betonte er den Wert von Start-ups, denn Airbus würde beim Bau seiner Satelliten oder Raumfahrzeuge auf ein Ökosystem von mehr als 1000 Partnern zurückgreifen.

Daten sind im Weltraum ein Problem

Weiter ging es mit esc Aerospace aus Taufkirchen bei München, die ihr System für sichere und robuste Mehrkanal-Kommunikation für autonome Mobilität präsentierte. Denn in der Raumfahrt seien die Daten das Problem: Es müssen immer mehr Telemetrie- und Sensordaten sowie Bilder und Videos übertragen werden, und das schnell und sicher.

DcubeD (Deployable Cubed GmbH) aus Germering stellte anschließend ihr Deployment System für CubeSats vor, ebenso wie ihre Hold-Down & Release und Satelliten-Deployment Mechanismen. Zudem hat DcubeD eigene Nutzlast im Angebot, so unter anderem ein 100 W Solar-Array, das in eine Basis-Einheit (1 U, d. h., 10 cm x 10 cm x 10 cm) der CubeSat-Satelliten passt, oder einen Space-Selfie-Stick zur Überwachung des Satellitenzustands. Verschiedene Komponenten von DcubeD waren bereits mit den Transporter 3 und Transporter 5 Missionen von SpaceX im Januar und Mai dieses Jahres im Raum.

Daten im All sind langsam, beschränkt und teuer, aber wachsen gleichzeitig stark. Zur Lösung dieses Problems präsentierte als letztes Start-up MOXIE Space ihren hocheffizienten Computer für datenintensive Raumfahrtanwendungen. Dieser basiert auf einer neuromorphen Datenverarbeitung und soll Edge-Computing in den Raum bringen.

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Zum Abschluss dieser zweiten Pitch-Runde hielt Narayan Prasad Nagendra von satsearch noch eine Keynote, in der er die Revolution im Automobilbereich und der Luftfahrt mit dem gerade stattfindenden Umbruch im Raumfahrtbereich verglich. Zudem wies er darauf hin, dass die Raumfahrt uns dabei helfen kann, eine große Zahl von Problemen in der heutigen Welt zu lösen.

Der Gewinner erhielt attraktive Preise

Danach ging es gleich zur Preisverleihung. Die höchste Punktzahl erreichte DcubeD und gewann damit den diesjährigen TechMatch Live von Texas Instruments. Stefan Bruder von TI übergab zusammen mit dem Organisator des Events, Simon Meisel, die Auszeichnung an Dr. Thomas Sinn, dem CEO und Gründer von DcubeD.

Der Preis des diesjährigen TechMatch Live
Der Preis des diesjährigen TechMatch Live
(Bild: © Elektronikpraxis / Richard Oed)

Der ausgelobte Preis umfasste unter anderem 12 Monate technische und kommerzielle Anleitung und Unterstützung von Texas Instruments, ebenfalls 12 Monate technische Unterstützung und Anleitung durch Spezialisten von Airbus sowie Konsultationen durch das ESA BIC und eine sechsmonatige kostenlose Mitgliedschaft inklusive Beratung durch satsearch.

Anschließend klang der Abend bei einem gemeinsamen Abendessen und vielen interessanten Gesprächen aus. Für den nächsten TechMatch Live von Texas Instruments gibt es schon einige Ideen, man will sich aber noch nicht festlegen. Es bleibt also spannend.

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