Initial rund 33 Mrd. Euro will Intel in den Auf- und Ausbau seiner europäischen Halbleiterfertigungs- sowie Forschung- und Entwicklungskapazitäten investieren, insgesamt sollen es 80 Mrd. Euro werden. Ein neues Chipzentrum in Magdeburg ist nur ein Teil des Mega-Engagements in der EU. Das plant Intel in anderen Ländern.
Im Zuge seiner Europastrategie modernisiert Intel auch seinen bisherigen europäischen Hauptfertigungsstandort im irischen Leixlip. Bei dem 12 Mrd. Euro teuren Um- und Ausbau wird unter anderem die Fertigungsfläche verdoppelt.
EU-weit wird der Konzern nach eigenen Angaben etwa 33 Mrd. Euro kurzfristig investieren. Insgesamt soll dieser Betrag in den nächsten zehn Jahren auf bis zu 80 Milliarden Euro steigen. Diese enorme Investitionssumme soll der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette in der Europäischen Union zugutekommen – von der Forschung und Entwicklung (F&E) über die Fertigung bis hin zu modernsten Verpackungstechnologien.
Stärkung der europäischen Innovationskapazitäten von Weltrang
Denn Intel weiß ganz genau: Ohne F&E und moderne Designtechnologien läuft in der Leading-Edge-Halbleitertechnik nichts. Vielmehr sind sie entscheidend, um die Herstellungsverfahren für Halbleiter voranzutreiben. Und Europa beherbergt viele Universitäten und Forschungsinstitute von Weltrang sowie führende Chipdesigner und -lieferanten.
Nach eigenen Angaben will Intel diesen Innovationscluster durch zusätzliche Investitionen in Forschung und Entwicklung unterstützen. Dies soll dazu beitragen, die Cluster besser mit Intels Plänen für eine Halbleiterfertigung auf Top-Niveau zu verknüpfen und so „den Innovationskreislauf in Europa ankurbeln und auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen besseren Zugang zu Spitzentechnologien ermöglichen“.
Viele neue und ausgebaute Standorte in ganz Europa
Konkret plant Intel, ein neues europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum in der Nähe von Plateau de Saclay in Frankreich aufzubauen. Insgesamt will das Unternehmen hier 1.000 neue Hightech-Arbeitsplätze ansiedeln, von denen 450 bis Ende 2024 entstehen sollen. Frankreich soll darüber hinaus Intels europäischer Hauptsitz für High Performance Computing (HPC) und künstliche Intelligenz (KI) werden. Die auch hier entwickelten HPC- und KI-Innovationen sollen etlichen Branchen zugutekommen, darunter Automobilbau, Landwirtschaft, Klima, Arzneimittelforschung, Energie, Genomik, Biowissenschaften und Sicherheit – „und das Leben aller Europäer erheblich verbessern“, betont Intel.
Weiterhin sehen die Pläne des Chipriesen vor, sein wichtigstes europäisches Foundry-Designzentrum in Frankreich hochzuziehen. Wie Intel mitteilt, soll es „französischen, europäischen und weltweiten Industriepartnern und Kunden Designdienstleistungen und -materialien anbieten“.
Intel baut seine Niederlassungen in mehreren europäischen Ländern aus und deckt dabei praktisch alle für die Halbleiterfertigung wichtigen Bereiche ab: Von der Forschung und Entwicklung über Foundry-Design-Services bis zur Produktion. Zusätzlich erhöht das Unternehmen seinen Einsatz in den Bereichen KI, HPC, Speicher, Software-Programmiermodelle, Sicherheit und Cloud.
(Bild: Intel Corporation)
In Danzig, Polen, wird Intel seine bestehenden F&E-Labore voraussichtlich um rund 50 % vergrößern. Thematisch soll hier die Entwicklung von Lösungen in den Bereichen tiefe neuronale Netze (Deep Neural Networks, DNN), Audio, Grafik, Datenzentren und Cloud Computing erfolgen. Das US-Unternehmen schätzt, dass die Erweiterung voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein wird.
„Beziehungen zu europäischen Forschungsinstituten stärken“
Mit diesen Schritten will Intel seine langjährigen Beziehungen zu europäischen Forschungsinstituten auf dem gesamten Kontinent stärken, darunter Imec in Belgien, die Technische Universität Delft in den Niederlanden, CEA-Leti in Frankreich und die Fraunhofer-Institute in Deutschland. Auch in Italien entwickeln die US-Amerikaner interessante Partnerschaften mit Leonardo, INFN und CINECA, um fortschrittliche neue Lösungen in den Bereichen HPC, Speicher, Software-Programmiermodelle, Sicherheit und Cloud zu erforschen.
In Spanien haben das Barcelona Supercomputing Center und Intel in den letzten zehn Jahren an der Exascale-Architektur zusammengearbeitet. Offenbar erfolgreich: Aktuell entwickeln die Partner eine Zettascale-Architektur, die die Computing-Anforderungen im nächsten Jahrzehnt erfüllen soll. Das Supercomputing Center und Intel planen die Einrichtung gemeinsamer Labore in Barcelona.
Intel erwartet „positive Spillover-Effekte in der gesamten EU“
Der Halbleiterhersteller unterstreicht, dass sich seine ehrgeizigen Investitionspläne in Europa positiv auf alle Branchen und Mitgliedstaaten auswirken werden. „Der Aufbau von Fertigungskapazitäten und F&E-Kapazitäten in dieser Größenordnung wird einen positiven Innovationszyklus in Gang setzen“, teilt der Konzern mit.
Stand: 08.12.2025
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Mittlerweile ist der Chiphersteller seit mehr als 30 Jahren in Europa vertreten und beschäftigt derzeit rund 10.000 Mitarbeiter in der gesamten EU. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe man mehr als 10 Milliarden Euro bei europäischen Zulieferern ausgegeben, hebt das Unternehmen hervor. Bis 2026 werden sich diese Ausgaben voraussichtlich fast verdoppeln, erwartet der Konzern. Ziel sei es, „die weltweite Versorgung mit Siliziumchips neu auszutarieren“.
Intel ist überzeugt: Die eigenen Investitionspläne werden die Entwicklung von Spitzen-Chipdesigns beschleunigen und auch europäischen Material- und Ausrüstungslieferanten zugutekommen. Darüber hinaus werde sie dazu beitragen, „den starken Kundenstamm in allen Branchen in Europa“ besser bedienen zu können.
Darüber hinaus würden die Investitionen Tausende von zusätzlichen Ingenieuren und technischen Fachkräften anziehen und den Pool von Innovatoren, Unternehmern und Visionären vergrößern – und so langfristig „Europas digitale und grüne Zukunft voranbringen“.
Unterstützung des grünen Wandels in Europa
Nach Einschätzung von Intel wird „ein hochmodernes europäisches Halbleiter-Ökosystem den grünen Wandel unterstützen und zur Verwirklichung des europäischen Green Deal beitragen“. Effizientere Chips könnten den Stromverbrauch der nächsten Welle digitaler Hardware senken und gleichzeitig HPC- und KI-Lösungen vorantreiben.
Im Jahr 2020 hat Intel seine RISE-Strategie 2030 und seine Corporate-Responsibility-Ziele vorgestellt, um die Integration verantwortungsvoller, integrativer und nachhaltiger Praktiken in diesem Jahrzehnt zu beschleunigen. Im Einklang mit den Klimazielen der EU sei man nun „auf dem besten Weg, seine Nachhaltigkeitsziele für 2030 zu erreichen“.
Dazu gehören eine positive Nettowassernutzung durch Einsparung, Recycling und Rückgewinnung von Wasser sowie die Finanzierung lokaler Wasserprojekte, die mehr Süßwasser wiederherstellen als verbraucht wird. Darüber hinaus wird Intel seine weltweite Produktion zu 100 % mit erneuerbaren Energien versorgen und keine Abfälle mehr auf Mülldeponien entsorgen.