Der Siegeszug der Computer Wie der erste Mikroprozessor ein neues Computer-Zeitalter einläutete

Von Maria Beyer-Fistrich

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Home und Personal-Computer eroberten ab den 1970er Jahren die Welt im Sturm. Das lag vor allem an kleinen aber unfassbar wichtigem Bauteil. Der erste kommerzielle Mikroprozessor läutete das Zeitalter der Computer ein.

Hauptplatine des Apple I
Hauptplatine des Apple I

Im Jahr 1970 kam der schon im ersten Teil des Artikels erwähnte Computer Kenbak-1 auf den Markt, ein für die damalige vergleichsweise preiswerter Computer ohne Bildschirm-Anbindung.Den Kenbak-1 hatte John Blankenberger entwickelt, und zwar vor allem, um Kindern zu Hause und in der Schule das Thema Programmierung näherzubringen. Ein Erfolg war der Computer aber nicht. Kurz danach begann die Ära der Mikroprozessoren, einer Weiterentwicklung der ICs (integrierten Schaltungen), was für eine enorme Beschleunigung in der Computer-Entwicklung sorgte. Denn dank der Tatsache, dass man Steuer- und Recheneinheiten in einem einigen miniaturisierten Bauteil unterbringen konnte, sind moderne Computer überhaupt erst möglich geworden.

Die Revolution der Heimcomputer
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Der Microcontroller TMS1000 von Texas Instruments war 1974 der erste richtige komplette Computer auf einem Chip. Er hatte 8000 Transistoren in seinem Inneren, ein Wert, der erst 1976 wieder erreicht wurde. Zuvor gab es unter anderem von Intel die Prozessoren 4004, 8008 und 8080 mit weniger als 5000 Transistoren.

Die technische Seite allein war aber noch nicht genug, um den Siegeszug von Computern zu starten, die bis dahin nur in sehr großen Firmen oder vom Staat genutzt wurden. Vielmehr gab es in Ländern wie den USA in vielen Teilen der Bevölkerung immer mehr Interesse an moderner Computer-Technik, die man bezahlbar und ohne einen zu großen Platzbedarf in kleineren Firmen oder sogar zu Hause einsetzen konnte.

Wie Spiele Computern zum Durchbruch verhalfen

Nicht zu unterschätzen ist das Thema Spiele, genauer gesagt der Einfluss von elektronischen Spielautomaten und deren Verbreitung in entsprechenden Spielhallen, die vor allem auf Kinder und Jugendliche wie ein Magnet wirkten. Der Wunsch, etwas Ähnliches auch zu Hause zu haben, wuchs dementsprechend, sodass 1976 mit der Fairchild Channel F die erste frei programmierbare Spielekonsole auf den Markt kam, was einem Computer für zu Hause schon sehr nahekam.

Aber natürlich waren nicht nur Spiele ein Grund für ein programmierbares Gerät im Privathaushalt – es gab es damals für die Hersteller allerdings Dilemma. Wer einen Computer eher auf eine bodenständige Art nutzen wollte und mit Büroarbeit vergleichbare Dinge im Sinne hatte, legte eher Wert auf eine gute Tastatur, zuverlässige Speicheroptionen und eine gute Darstellung von Buchstaben und Zahlen, die auf Dauer nicht zu sehr ermüdete – Farben waren dabei völlig egal, weswegen man für diese Zielgruppe auf eine monochrome Darstellung setzte und auf eine ressourcenfressende mehrfarbige Darstellung verzichtete. Der Personal Computer, kurz PC war geboren.

Home Computer oder Personal Computer

Wer wiederum (auch) spielen wollte, verlangte bunte Farben auf dem Bildschirm und gleichzeitig einen nicht zu hohen Kaufpreis – hier sparte die Industrie dann bei den Computern an qualitativen Merkmalen und Zubehör, um dies trotz eines vergleichsweise günstigen Einstiegspreises umsetzen zu können. Günstige, häufig auch für Spiele verwendete Computer nannte man schließlich Home Computer, obgleich die Personal Computer freilich ebenfalls in privaten Haushalten vertreten waren und Home Computer wiederum ebenso von vielen Menschen gekauft wurden, ohne dass sie Spiele im Sinn hatten. Wie wir heute wissen, sind beide Produktarten schon längst miteinander verschmolzen, und je nach Einsatzgebiet setzt man lediglich auf mehr oder weniger starke Prozessoren und verwendet für einen Spiele-PC Grafikkarten mit einer guten 3D-Rechenpower.

Apple, Atari und Commodore starten durch

Wir möchten nun aber auch auf einige Computer von 1975 bis Ende der 1980er Jahre eingehen, die besonders erwähnenswert sind. Obgleich schon im Jahr 1975 ein erfolgreicher Heimcomputer erschien, nämlich der MITS Altair 8800 mit einem Intel 8080 als Prozessor, gelten die Jahre 1976 und 1977 als der Startpunkt für den Erfolg von PCs und Heimcomputern. Es wurden damals nämlich gleich mehrere Computer veröffentlicht, die sich nicht nur an große Firmen richteten.

Intel 8080: Funktionsblockschaltbild
Intel 8080: Funktionsblockschaltbild

Dazu gehören der Apple I (1976) und aus dem Jahr 1977 der Apple II, die Commodore PET-Modelle 1000 und 2001 oder auch der Tandy Radio Shack TRS-80 Model 1. Interessant ist der direkte Vergleich zu einem Supercomputer aus dem Jahr 1976, dem Cray-1. Seine CPU arbeitete mit 80 Megahertz, und es gab 8 Megabyte Speicher. Beim Apple I betrug der Takt des Hauptprozessors hingegen 1 Megahertz, der 4 Kilobyte-Speicher war auf bis zu 48 Kilobyte erweiterbar. Ende der 1970-er Jahre kam die legendäre Marke Atari bei Heimcomputern in Spiel – das 8-Bit-Modell Atari 400 startete in den USA für knapp 550 Dollar und kam im Sommer 1981 auch nach Deutschland, wo knapp 1500 DM fällig wurden. Der Heimcomputer basierte wie der Apple I und übrigens auch der Commodore PET 2001 und weitere Computer dieser Ära auf einem MOS MCS6502 als CPU.

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Lieblingscomputer der Deutschen: Der Commodore 64

Was Heimcomputer angeht, so ist der in Deutschland wegen seiner Form auch „Brotkasten“ genannte C64 sicher der wohl bekannteste Heimcomputer, den es jemals gab. C64 steht für den Namen Commodore 64, den der 8-Bit-Computer wiederum wegen seines Arbeitsspeichers von 64 Kilobyte hatte - mehr als das 12-fache des vorigen Commodore Heimcomputers VC20. Im Jahr 1982 wurde der C64 vorgestellt und entwickelte sich zum absoluten Renner im Heimcomputer-Sektor, was unter anderem auch daran lag, dass man ihn an einem normalen Fernseher anschließen konnte.

Er war bis zum Produktionsende im Jahr 1994 in insgesamt 8 Varianten zu kaufen. Das Hauptmodell arbeitet mit einem MOS 6510 als CPU bei einem Takt von etwa 1 Megahertz. Der exakte Wert hängt davon ab, ob man den C64 an einem PAL- oder NTSC-Fernseher verwendete. Das NTSC-Format ist praktisch nur in den USA üblich. Da es dabei auch um die Frequenz der an den Fernseher gesendeten Bildern pro Sekunde geht, ergeben sich minimale Differenzen beim Prozessortakt – ein Phänomen, das auch auf andere Heimcomputer zutraf.

Die Hauptplatine eines C64 (1982).
Die Hauptplatine eines C64 (1982).
(Bild: Hauptplatine eines C64 (1982) /Bill Bertram / CC BY 2.0)

Für die Grafik gab es beim C64 einen eigenen Chip, je nach Ausführung einen MOS 6567, 6569 oder 8565, mit dem die Darstellung von 16 Farben umgesetzt wird. Typisch für den C64 und auch andere Heimcomputer dieser Zeit war die Kasten-Bauweise mit einer oben auf dem Gehäuse eingebauten Tastatur – der Prozessor und weitere Bauteile waren also weitestgehend unter den Tasten zu finden. Es gab aber auch die Variante SX-64, bei der der C64 ein großer, tragbarer Kasten mit einem kleinen, an der schmalsten Seite des Gehäuses eingebauten Monitor und Diskettenlaufwerk war.

Die Tastatur wurde beim Transport vorne aufgesteckt, was gleichzeitig den Monitor schützte. Typisch für die C64-Reihe war das Zubehör – Daten konnte man auf Kassetten speichern, den sogenannten Datasetten. Sie waren, genau wie das passende Laufwerk, vergleichsweise preiswert. Wer mehr Datensicherheit wollte, schaffte sich ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten an. Zusätzlich gab es noch Produkte wie einen Joystick, Drucker, Grafiktablets und vieles mehr, was auch dem Erfolg des C64 geschuldet war.

Die Konkurrenz schläft nicht

Computer Amstrad CPC 464 (1984)
Computer Amstrad CPC 464 (1984)

Ebenfalls recht erfolgreich war der 1984 veröffentlichte Amstrad CPC 464 (in Deutschland: Schneider CPC 464) mit einer Z80A-CPU, der eher in den Bereich der Personal Computer fällt, da er Texte und Grafik nur monochrom darstellen konnte. Seiner Zeit voraus war er aber in Sachen Benutzerführung. Denn mit dem Schneider CPC 464 war es möglich, Programme oder Dateien in eigenen Fenstern auszuführen, zudem liefen die Programme vergleichsweise flott. Die mögliche RAM-Erweiterung auf 128 Kilobyte war ebenfalls ein positiver Faktor.

Obgleich man es in der Nachbetrachtung durchaus so sehen kann, dass das Gesamtpaket auch dank weiterem Zubehör wie einem Floppy-Laufwerk sogar besser war als das, was der US-Riese IBM und MS-DOS für Firmenkunden boten, konnte sich Amstrad/Schneider nicht behaupten und verlor den Kampf. Apple war 1984 auch schon gut im Geschäft dabei und verbuchte mit dem Macintosh 128K erste Erfolge, und zwar auch dank einer grafischen Benutzeroberfläche. Mit dem legendären Motorola 68000 als Prozessor, 128 Kilobyte RAM sowie 64 Kilobyte ROM kostete der Macintosh 128K allerdings auch knapp 2500 Dollar.

Der Atari ST

Atari 1040STF 16-Bit-Computer (1986) Nachbearbeitung: BG, B/C, Spot, Unschärfemaske, Kompositbild von Bill Bertram.
Atari 1040STF 16-Bit-Computer (1986) Nachbearbeitung: BG, B/C, Spot, Unschärfemaske, Kompositbild von Bill Bertram.
(Bild: Atari 1040 STF /© Bill Bertram, 2006 - Eigenes Werk / CC BY-SA 2.5)

Auf dem Heimcomputer-Markt mischte in den 1980er-Jahren Atari ebenfalls weiter munter mit und sorgte 1985 mit dem Atari ST, der aus einer ganzen Serie an Modellen mit RAM-Kapazitäten von 512 bis 4096 Kilobyte bestand, für viel Anklang bei Heimanwendern. Der Atari ST basiert wie der Macintosh 128K auf einer Motorola 68000-CPU, die intern mit 32-Bit arbeitet, extern aber mit 16-Bit angebunden ist. Dies erkläre auch die Abkürzung ST, die die Sixteen-Thirtytwo steht, also 16/32.

Die grafische Benutzeroberfläche des Atari ST war auch für Bürotätigkeiten bestens zu gebrauchen, und eine MIDI-Schnittstelle ermöglichte die direkte Einbindung von Musikinstrumenten, die über MIDI-Signale angesteuert werden können, also vor allem für Synthesizer, Beatmachines und Sampler. In Verbindung mit einem im Vergleich zu IBM und Apple enorm günstigen Preis verbreitete sich der Atari ST neben privaten Haushalten und kleinen Firmen auch in der Musikszene vergleichsweise rasant. vor allem bei Produzenten, die für ihre Musik elektronische Instrumente nutzten.

Ein IBM-kompatibler Schneider-PC

Im Jahr 1986 machte Amstrad beziehungsweise Schneider erneut von sich reden, und zwar dieses Mal mit einem Computer, bei dem professionelle Anwender die eindeutige Zielgruppe waren. Ausgestattet mit einem Intel 8086-Prozessor, der mit 8 Megahertz taktete, war er der erste in Europa produzierte IBM-kompatible PC. Dies war ein wichtiges Kaufargument, da die Kompatibilität zu IBM eine wichtige Grundlage war, um verschiedenste weit verbreitete Anwendungen überhaupt nutzen zu können. Bei der Grafik konnte man einen monochromen Monitor nutzen oder auch mit Farbe arbeiten – die Benutzeroberfläche ist die gleiche, die auch beim Atari ST zum Einsatz kam. Trotzdem, wie schon zuvor erwähnt, bleib der langfristige Erfolg aus.

Eine neue Freundin

Amiga 4000
Amiga 4000
(Bild: / CC0)

Wir kommen wieder zu Commodore, denn der Hersteller schenkte Heimcomputer-Fans im Jahr 1987 eine Freundin. Letzteres ist nämlich die deutsche Übersetzung für das Wort Amiga, das der Name des zweiten enorm erfolgreichen Heimcomputers von Commodore war. Das erschwingliche Einsteigermodell Commodore Amiga 500 war, wie schon der C64, ein Gehäuse mit integrierter Tastatur und sollte unter anderem dem erfolgreichen Atari ST Gegenwind bescheren, was auch gelang. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt die 4096 Farben umfassenden Farbpalette, die für Medienschaffende, aber vor allem für Spieler interessant war. Hinzu kamen ein hervorragender Snoud und der gleichzeitig niedrige Preis. Die Technik war zur Veröffentlichung im Jahr 1987 schon deutlich weiter als beim C64.

Commodore verwendete wie auch, Atari beim ST, einen Motorola 68000 als Prozessor. Der Speicher hatte eine Größe von 512 Kilobyte und konnte per Steckmodul erweitert werden, wobei es neben einem internen Erweiterungsslot auch einen Expansion-Anschluss für Steckmodule an der linken Seite gab. Für diesen Anschluss gab es unter anderem auch Turbo-Module, welche die CPU-Leistung des Amiga 500 erhöhen konnten. Zeitgleich mit dem Amiga 500 wurde auch der Amiga 2000 vorgestellt, der technisch vergleichbar war, aber aus einem großen Gehäuse (für Erweiterungskarten) ohne integrierte Tastatur bestand.

Weder der Amiga 500 noch der 2000 waren übrigens strenggenommen die ersten Amigas. Commodore hatte schon 1985 einen Computer veröffentlicht, der technisch gesehen der erste Amiga-Computer war, aber erst nachträglich den Namen Amiga 1000 bekam. Zuerst wurde der Amiga 1000 nämlich als reiner Profi-Computer und nicht mit dem Label Commodore vermarktet, um nicht als Billig-Produkt gebrandmarkt zu werden.

Seit seiner Markteinführung im Jahr 1987 war der Amiga A500, der als Spielecomputer vermarktet wurde, ein erstaunlicher Erfolg für Commodore International und belebte die kränkelnden Verkaufszahlen seiner Hardware. Er war mit einem 7,14MHz Motorola 68000 Prozessor ausgestattet. Zu dieser Zeit war er die einzige Maschine zum Inlandspreis, die in der Lage war, bis zu 4.096 Farben gleichzeitig auf einem Display darzustellen
Seit seiner Markteinführung im Jahr 1987 war der Amiga A500, der als Spielecomputer vermarktet wurde, ein erstaunlicher Erfolg für Commodore International und belebte die kränkelnden Verkaufszahlen seiner Hardware. Er war mit einem 7,14MHz Motorola 68000 Prozessor ausgestattet. Zu dieser Zeit war er die einzige Maschine zum Inlandspreis, die in der Lage war, bis zu 4.096 Farben gleichzeitig auf einem Display darzustellen
(Bild: / CC0)

Mit dem Amiga 500 gelang es Commodore dann aber endgültig, den Heimcomputermarkt zu dominieren, zumindest vorerst. Mit den Commodore Amiga-Computern endete nämlich dann auch die Ära, bei der (bis auf Apple) einzelne Firmen mit bestimmten Computer-Modellen den Markt dominierten. Es begann Anfang der 1990er Jahre die Zeit der aus Einzelkomponenten zusammengestellten PCs mit MS-DOS- und später Windows-Basis. Commodore verzettelte sich und verschwand vom Markt, möglicherweise auch deswegen, da Commodore den möglichen Käufern nicht offensiv genug erklärte, dass ihre Computer viel mehr boten als die damalige MSDOS-Konkurrenz, die offensiv mit dem Argument höherer CPU-Taktwerte warb und mit dieser Strategie Erfolg hatte.

(mbf)

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