Europäische Halbleiterstrategie Chips Act 2.0 soll Nachfrage nach europäischen Halbleitern stärken

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Der europäische Chips Act 2.0 soll Produktionskapazitäten fördern und dafür sorgen, dass Halbleiter aus Europa auch Abnehmer finden. Aktuelle Zahlen von ASML zeigen jedoch, wie wenig neue Fertigungskapazität derzeit in Europa entsteht.

Vom Wafer zur Anwendung: Der Chips Act 2.0 soll künftig nicht nur Fertigungskapazitäten fördern, sondern auch die Nachfrage nach Halbleitern aus Europa stärker in den Blick nehmen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Vom Wafer zur Anwendung: Der Chips Act 2.0 soll künftig nicht nur Fertigungskapazitäten fördern, sondern auch die Nachfrage nach Halbleitern aus Europa stärker in den Blick nehmen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Der europäische Chips Act 2.0 soll nicht nur für größere Produktionskapazitäten sorgen, sondern den Fokus auch auf die Nachfrageseite legen – deutlicher als bei der ersten Fassung des Gesetzes. Darüber haben die für Industrie zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten am 24. September 2026 beim Wettbewerbsrat in Brüssel beraten. Nach Angaben des Rates begrüßten die Mitgliedstaaten die grundsätzlichen Ziele des Vorschlags, darunter die Stärkung des europäischen Halbleiterökosystems, der Resilienz der Lieferketten und der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Europäische Kommission hatte ihren Vorschlag für den Chips Act 2.0 bereits am 3. Juni 2026 vorgelegt. Der Entwurf soll auf dem ersten European Chips Act aufbauen, zugleich aber bestehende Abhängigkeiten in der Halbleiter-Wertschöpfungskette adressieren. Nach Angaben des Rates hat der erste Chips Act mehr als 53 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen mobilisiert. Dennoch entfallen große Teile der Halbleiterproduktion weiterhin auf Standorte außerhalb Europas. 2025 lag der Halbleiterverbrauch in der EU laut Ratsunterlagen bei 41,1 Milliarden Euro beziehungsweise 10,5 Prozent der weltweiten Auslieferungen.

Von der Fertigung zur Nachfrage

Eine wesentliche Änderung gegenüber dem ersten Chips Act ist die stärkere Berücksichtigung der Nachfrageseite. In einem Hintergrundpapier für den Wettbewerbsrat bezeichnet der Rat den ersten Chips Act als überwiegend angebotsorientiert. Beim Chips Act 2.0 soll dagegen die Markteinführung europäischer Halbleitertechnologien stärker unterstützt werden. Nach Einschätzung der Industrie sei die heimische Nachfrage ein wesentlicher Faktor für künftige Investitionen in europäische Chipfabriken.

Dafür sieht der Vorschlag unter anderem sogenannte Nachfragebeschleuniger (Demand Accelerators) vor. Sie sollen Halbleiterhersteller und Anwenderindustrien früher zusammenbringen und dazu beitragen, neue Bauelemente stärker an konkreten industriellen Anforderungen auszurichten.

Ergänzt werden soll dies durch ein Demand Forum sowie eine stärkere Nutzung von Innovationsbeschaffung. Bei öffentlichen Ausschreibungen in kritischen Bereichen soll zudem stärker berücksichtigt werden, welchen wirtschaftlichen Mehrwert eine Beschaffung innerhalb der EU erzeugt.

Auf der Angebotsseite bleibt der Ausbau der Fertigung dennoch ein Bestandteil des Vorschlags. Für strategische Halbleiterprojekte sind unter anderem schnellere Genehmigungsverfahren mit einer maximalen Dauer von zwölf Monaten vorgesehen. Gefördert werden sollen sowohl fortgeschrittene Halbleiter als auch sogenannte Mainstream-Chips. Für besonders störungsanfällige Branchen wie die Automobilindustrie sieht der Entwurf Maßnahmen zur stärkeren Diversifizierung der Bezugsquellen vor.

ASML verkauft neue Systeme derzeit vor allem außerhalb Europas

Wie unterschiedlich die Investitionstätigkeit der Regionen derzeit ausfällt, zeigen die Geschäftszahlen des niederländischen Lithografieausrüsters ASML. In dessen Aufschlüsselung der Net System Sales nach Auslieferungsregion taucht Europa weder im ersten noch im zweiten Quartal 2026 auf. Im zweiten Quartal gingen 43 Prozent des Systemumsatzes nach Südkorea, 30 Prozent nach Taiwan, 14 Prozent nach China, neun Prozent in die USA und vier Prozent nach Japan. Im ersten Quartal entfielen ebenfalls keine ausgewiesenen Systemverkäufe auf Europa.

Das bedeutet nicht, dass ASML in Europa insgesamt keinen Umsatz erzielt – beispielsweise betreibt und wartet das Unternehmen dort installierte Anlagen. Bei den Verkäufen neuer Lithografiesysteme zeigt die regionale Aufteilung jedoch, dass die aktuellen Investitionen in zusätzliche Fertigungskapazitäten außerhalb Europas stattfinden.

Frank Heemskerk, Executive Vice President Global Public Affairs bei ASML, hatte diese Entwicklung bei einer Veranstaltung am 21. September 2026 in Amsterdam ebenfalls thematisiert. Nach einem Bericht von Bloomberg erklärte er, ASML verkaufe derzeit keine Chipfertigungsmaschinen in Europa, da dort zu wenig investiert und zu wenige neue Fabs gebaut würden.

Gleichzeitig meldet ASML insgesamt eine hohe Nachfrage. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen 9,3 Milliarden Euro Umsatz. Aufgrund der Nachfrage nach fortgeschrittenen Logic- und Memory-Chips plant ASML, seine Kapazitäten für Low-NA-EUV- und DUV-Immersionssysteme in den kommenden Jahren weiter auszubauen.

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Chips Act 2.0 soll gesamte Wertschöpfungskette erfassen

Der Vorschlag der Kommission beschränkt sich deshalb nicht auf neue Fabs. Unterstützt werden sollen Forschung und Entwicklung, Chipdesign, Prototyping, erste industrielle Fertigung sowie Investitionen entlang der Halbleiter-Wertschöpfungskette bis hin zum Packaging. Eine geplante Business-to-Business-Plattform soll Unternehmen außerdem dabei unterstützen, Abhängigkeiten innerhalb ihrer Lieferketten frühzeitig zu erkennen und Risiken zu reduzieren. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll eine Einigung über den Chips Act 2.0 bis zum zweiten Quartal 2027 erreicht werden. (sb)

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