Hangzhou entwickelt sich vom malerischen Westsee-Paradies zur Tech-Metropole Chinas. Sechs aufstrebende Start-ups – die „kleinen Drachen“ – treiben die Stadt an die Spitze der globalen Innovations-Landkarte. Ein Blick auf Chinas neuen Technologie-Hotspot.
Die sechs kleinen Drachen von Hangzhou stehen sinnbildlich für mehr als hundert weitere Tech-Hotspots in China.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Hangzhou, die Stadt im Osten Chinas, südlich von Shanghai, erlebt gerade eine Art technologischer Renaissance. Die Stadt, einst nur für seinen schönen „Westsee“ und seine „Longjing“-Teeplantagen und buddhistischen Pagoden bekannt, reiht sich gerade mit schnellen Schritten in die Liste der führenden Innovations-Zentren der Volksrepublik ein. Insidern ist Hangzhou als Heimat von Alibaba bekannt, der von Jack Ma gegründeten Internet-Plattform. Doch nun wird das Image der Stadt gerade durch sechs aufstrebende Start-ups geprägt, die in China gemeinsam den Spitznamen “Die Sechs kleinen Drachen von Hangzhou“ erhalten haben. Unter anderem benutzte Chinas Premier Li Qiang diesen Ausdruck kürzlich während einer Keynote-Rede vor dem „China Development Forum“ (CDF) in Peking.
Von KI über Roboter zu Videospielen
Zu diesen sechs Drachen gehört neben DeepSeek der Robotik-Hersteller Unitree Robotics, der kürzlich mit seinem äußerst agilen Roboterhund „B2-W“ für Aufsehen sorgte. Das mit KI gesteuerte Tier kann wie eine Gams über raues Terrain im Gebirge laufen und ist dort für Rettungseinsätze brauchbar. Da ist des Weiteren der Robotik-Hersteller Yun Shen Chu, dessen Roboter bereits in Singapur Infrastruktur-Tunnel inspizieren. Da ist BrainCo mit seiner weltweit führenden „Brain-Computer-Interface“-Technologie, die unter anderem Menschen mit Behinderungen helfen kann. Da ist ferner Qunhe mit seinen innovativen Cloud-Produkten und seiner 3D-Plattform. Und da ist ferner Game Science, das mit seinem kreativen Videospiel „Der schwarze Mythos: Wukong“ in kurzer Zeit einen Milliardenumsatz gemacht hat.
Die sechs Firmen sind dabei nur einige Beispiele von vielen. Sie zeigen, wie sich gerade eine Welle von chinesischen Tech-Startups sehr selbstbewusst auf den Spitzenplätzen im Wettlauf um die Technologien der Zukunft positioniert. Die meisten Schlagzeilen hat zweifellos in jüngster Vergangenheit DeepSeek generiert, das KI-Startup, das weltweit Beachtung für sein großes Sprachmodell (LLM) „DeepSeek-R1“ erhalten hat, das es trotz geringerer Entwicklungskosten mit ChatGPT und anderen KI-Agenten aus den USA und sonst wo aufnehmen kann.
Sein Gründer Liang Wenfeng hat in China in kurzer Zeit eine Art Rockstar-Status erworben, der an Steve Jobs erinnert. Er wurde kürzlich auch demonstrativ von Präsident Xi Jinping in Peking empfangen. Als der Apple-CEO Jim Cook im März China besuchte, reiste er von Peking nach Hangzhou und zollte „der nächsten Generation von Entwicklern“ (Zitat Jim Cook) mit einem Treffen in der Zhejiang University seinen Respekt. Die Sprachmodelle von DeepSeek zeichnen sich Analysten zufolge durch eine bemerkenswerte Fähigkeit zum eigenständigen Weiterlernen aus. Der Erfolg hat in Silicon Valley und Washington gleichermaßen hohe Wellen geschlagen. Die Aktienkurse fast aller chinesischen Technologiekonzerne sind seither deutlich gestiegen.
Der Adler verlässt das Nest
Der technologische Frühling in Hangzhou ist dabei keine spontane oder zufällige Entwicklung. Unterstützung durch staatliche Förderprogramme sowie steuerliche Anreize seitens der Lokalregierung haben das Wachstum der Start-ups seit Jahren geduldig genährt. Das 2010 von der Stadtregierung von Hangzhou lancierte „Project Eagle“ fördert gezielt vielversprechende Start-ups im Bereich Wissenschaft und Technologie. Unter anderem vernetzt es sie mit Inkubatoren, Investoren und Forschungsinstituten.
Manche Bezirks-Regierungen in Hangzhou, wie die des Bezirks Binjiang, wo Unitree angesiedelt ist, geben im Jahr etwa 15 Prozent ihres gesamten Budgets für die Förderung von Hightech-Unternehmen aus, berichtete der chinesische Sender CCTV in diesem Februar. Der „Future Industries Development Plan (2025 bis 2026)“ der Stadt Hangzhou priorisiert Zukunftstechnologien wie die künstliche Intelligenz, humanoide Roboter und synthetische Biologie. Mit solchen strategischen Initiativen will sich Hangzhou eigenen Zielvorgaben zufolge bis 2026 als ein national führendes Zentrum für KI und die damit gerade konvergierenden Industrien etablieren.
Infrastruktur ist ein Schlüssel zum Erfolg
Nebenbei glänzt Hangzhou auch mit einer hervorragend ausgebauten Infrastruktur. Der Bahnhof, der Flughafen, das Straßennetz, alles ist hochmodern, Weltklasse. Tech-affine junge Rückkehrer von Universitäten in den USA oder Europa fühlen sich hier wohl. Die Dynamik der Stadt ist ansteckend. Die „Sechs kleinen Drachen“, der neue Stolz der chinesischen Tech-Community, und ihre Förderer in den städtischen Behörden veranschaulichen die sehr China-spezifische Symbiose aus privatem Unternehmertum, strategischer Förderung durch Staat und Universitäten, die chinesische Technologie-Cluster so fruchtbar für Innovationen und Start-ups machen. Von diesen Clustern gibt es im ganzen Land inzwischen mehr als Hundert.
Wer darauf setzt, die Entwicklung Chinas noch durch Technologieboykotte und „Chip Wars“ klein halten zu können, sollte sich wohl einmal in Hangzhou umsehen. Dort könnte er zu der Erkenntnis gelangen, dass dieser Zug gerade abgefahren ist. (sb)
Stand: 08.12.2025
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