Europa stark bei Leistungshalbleitern ZVEI: Investitionen in Halbleiterindustrie fördern

Von Michael Eckstein 2 min Lesedauer

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Der ZVEI geht davon aus, dass Halbleiter weiter stark nachgefragt werden: Bis 2030 erwartet der Verband eine Verdopplung des Markts. Es gelte, Europas technologische Souveränität in diesem Umfeld mit annähernd exponentiellem Wachstum entschlossen zu sichern. Besonders die Automobil- und Industrieelektronik wachse überproportional.

Laut ZVEI werden die nächsten 20 Jahre  getrieben durch Elektrifizierung und Digitalisierung der Industrie – Gebiete, in denen Europa stark unterwegs ist.(Bild:  Bosch)
Laut ZVEI werden die nächsten 20 Jahre getrieben durch Elektrifizierung und Digitalisierung der Industrie – Gebiete, in denen Europa stark unterwegs ist.
(Bild: Bosch)

„Der globale Halbleitermarkt wird sich bis 2030 auf rund eine Billion US-Dollar verdoppeln. Obwohl der Halbleitermarkt derzeit ein typisch zyklisches Verhalten zeigt, bei dem kurzfristig Überkapazitäten aufgebaut werden, steht die Chip-Rallye der vergangenen Jahre noch nicht vor ihrem Ende“, ist sich Robert Kraus, Vorsitzender der ZVEI-Fachgruppe Halbleiter und CEO Inova Semiconductors, heute anlässlich eines ZVEI-Pressegesprächs sicher.

Weiterhin sind die Lieferzeiten von Chips für einzelne Produktgruppen kritisch und die Nachfrage hoch. Daran wird sich aus Sicht des ZVEI langfristig nichts ändern, denn der Bedarf an Chips - besonders in den für die Märkte Auto und Industrie relevanten Strukturgrößen - bleibt ungebrochen hoch. „Sowohl die weitere Digitalisierung als auch die grüne Transformation mit ihrer großen Nachfrage nach CO2-mindernden Technologien treiben dieses hohe Wachstum langfristig“, so Robert Kraus. 2022 wurden weltweit Chips im Wert von etwa 580 Milliarden US-Dollar produziert, doch nur knapp zehn Prozent davon in Europa.

Europa braucht technologische Souveränität

Sämtliche Regionen der Welt, in denen Teile der Halbleiterindustrie beheimatet sind, stellen heute die Weichen richtig, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu verbessern. „Europa läuft dagegen Gefahr, abgehängt zu werden, weil unter anderem die Auswirkungen des EU Chips Act zu spät erfolgen. Fakt ist, dass sich Europa als Halbleiter-Region nicht wird halten können, wenn nicht umgehend die notwendigen Rahmenbedingungen für Investitionen in Europa installiert werden“, befürchtet Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.

Bereits im Herbst 2021 wurde der EU Chips Act angekündigt, der das Ziel hat, den Anteil Europas am globalen Halbleitermarkt auf 20 Prozent bis 2030 zu verdoppeln und so einen Beitrag zur technologischen Souveränität Europas zu leisten. Im Trilog zwischen EU-Kommission, Rat der Europäischen Union und Europäischem Parlament soll das Gesetz dieses Jahr verabschiedet werden. Wichtig ist dabei, den EU Chips Act stark an der Halbleiter- und Anwenderindustrie auszurichten und seinen Bedarfen an Chips aller Strukturgrößen.

Aktive Standortpolitik notwendig

Benchmark für Europa sollte der US Chips and Science Act sein, der ein Volumen von etwa 270 Milliarden US-Dollar umfasst. Europa spricht derzeit von 43 Milliarden Euro, die für den EU Chips Act eingesetzt werden sollen, wobei es sich bei dieser Summe nur zum kleinen Teil um vollständig neu allokierte Finanzmittel handelt. Die EU-Kommission setzt bislang nahezu ausschließlich auf die Unterstützung durch die Mitgliedsstaaten.

Ohne erhebliche zusätzliche Investitionen der öffentlichen Seite, auch durch die Anwendung des angekündigten European Sovereignty Fund, sowie ohne Investitionsanreize für die private Seite, wird es trotz des European Chips Acts zu einer Verfehlung des 20-Prozent-Ziels Europas und einer weiteren Schwächung Europas als Investitionsstandort kommen. „Europa braucht jetzt eine Standortpolitik, die Investitionen zielgerichtet fördert. Ziel muss sein, ein international wettbewerbsfähiges Mikroelektronik-Ökosystem in Europa auszubauen. Dafür muss die EU den vor weit mehr als einem Jahr angekündigten Chips Act jetzt mit höchster Priorität umsetzen und Investitionen in die Halbleiterindustrie anreizen“, so Wolfgang Weber abschließend. (me)

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