Wir brauchen eine zweite Erde Weltweit verfügbare natürliche Ressourcen für dieses Jahr verbraucht

Quelle: dpa

Seit letztem Donnerstag lebt die Menschheit auf Pump: Sie hat die verfügbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr verbraucht. Erneut früher als im Jahr zuvor. Darunter leidet vor allem die Umwelt – aber auch kommende Generationen. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären nicht nur 1,75, sondern rund drei Erden nötig.

Der Mensch verbraucht viel mehr Ressourcen, als die Erde nachhaltig bereitstellen kann. Nicht zuletzt auf der Suche nach Rohstoffen vergiftet er zusätzlich die Umwelt und behindert, blockiert oder zerstört natürliche Regenerationsmechanismen. Besonders intelligent ist das nicht.
Der Mensch verbraucht viel mehr Ressourcen, als die Erde nachhaltig bereitstellen kann. Nicht zuletzt auf der Suche nach Rohstoffen vergiftet er zusätzlich die Umwelt und behindert, blockiert oder zerstört natürliche Regenerationsmechanismen. Besonders intelligent ist das nicht.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Wälder, Wasser, Ackerland: Die Menschheit verbraucht jedes Jahr mehr natürliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. Ab dem sogenannten Erdüberlastungstag am letzten Donnerstag beanspruchen die Menschen mehr davon als ihnen für dieses Jahr eigentlich zur Verfügung stehen. Das ergaben Berechnungen des Global Footprint Networks mit Sitz in den USA und der Schweiz. Der Tag liegt damit früher als noch im vergangenen Jahr.

„Wir leben seit Donnerstag bei unserer Erde auf Pump“, sagt Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch in einer Mitteilung. „Momentan verbraucht die Menschheit rechnerisch 1,75 Erden, die Konsequenzen dieser Übernutzung bürden wir insbesondere den Armen heute und den nachfolgenden Generationen auf – und das mit wachsender Intensität.“ Das Klima sei aus den Fugen, sagte Olaf Bandt, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) laut Mitteilung. „Wir müssen die dramatischen Auswirkungen der Klimakrise und des weltweiten Artensterbens unverzüglich begrenzen.“

Politik und Wirtschaft in der Verantwortung – aber auch jede(r) Einzelne

Die Organisationen sehen vor allem Unternehmen und Politik in der Verantwortung. „Die Bundesregierung muss klare gesetzliche Vorgaben in die Wege leiten, die den planetaren Grenzen Rechnung tragen: Für den Ressourcenschutz, die Energieeffizienz und den Bodenschutz“, sagte Bandt. Germanwatch sieht Deutschland und die Europäische Union in der „besonderen Verantwortung“, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Dafür solle sich die Bundesregierung stärker in die Verhandlungen zum Klimapaket der EU einbringen. „Das Paket sollte beispielsweise sicherstellen, dass der Luftverkehr endlich Zertifikate im Emissionshandel für seine volle Klimawirkung kaufen muss.“

Gerade Industrieländer seien Teil des Problems, sagte Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD). Deutschland habe mit dem Lieferkettengesetz bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Wichtig sei nun, auch auf europäischer Ebene beim Lieferkettengesetz Umweltschutz und Klima stärker miteinzubeziehen. „Wir dürfen es uns in Europa nicht länger erlauben, mit unserem Konsum Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in anderen Teilen der Welt zu importieren“, sagte sie. „Darum brauchen wir ein starkes europäisches Lieferkettengesetz.“

Seit 1970 durchgängig mehr als eine Erde jährlich verbraucht

Der diesjährige Erdüberlastungstag liegt früher als noch im vergangenen Jahr. 1970 überstieg der Verbrauch nach Angaben von Germanwatch zum ersten Mal die vorhandenen Ressourcen, bis 2000 wanderte der Erdüberlastungstag bereits vom Dezember in den September. Seit 2018 fällt der Erdüberlastungstag auf Ende Juli – mit Ausnahme von 2020, als die Corona-Pandemie kurzzeitig für weniger Ressourcenverbrauch sorgte.

Einzeln betrachtet hatte Deutschland schon Anfang Mai den ihm zustehenden Vorrat an natürlichen Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären nicht nur 1,75, sondern rund drei Erden nötig.

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