Die Quantenkommunikation über größere Entfernungen war bisher ein Problem. Jetzt ist es Forschern gelungen, Lichtimpulse über längere Glasfaserstrecken mit bis zu 200 km zuverlässig zu übertragen. Was steckt hinter der Time-Bin-Kodierung?
Entwickelt am Leibniz-IPHT in Jena und am INRS in Kanada: Der photonische Chip nutzt Zeit-Bin-Kodierung, um mehr Information pro Photon zu übertragen.
(Bild: Leibniz-IPHT)
Die Quantenkommunikation gilt als Schlüssel für eine sichere Datenübertragung der Zukunft. Doch die Umsetzung in reale Glasfasernetze stellt Entwickler noch immer vor technische Probleme. Forscher des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena und internationale Partner haben nun zwei vielversprechende Ansätze entwickelt, die zentrale technische Probleme der Quantenkommunikation lösen und bestehende Glasfasertechnik als Infrastruktur nutzen.
Höhere Datenrate durch photonische Time-Bin-Kodierung
Prof. Dr. Mario Chemnitz erforscht am Leibniz-IPHT in Jena neue Ansätze für eine sichere Quantenkommunikation über Glasfaser.
(Bild: Leibniz-IPHT)
Eine zentrale Schwierigkeit in der Praxis der Quantenkommunikation liegt darin, möglichst viele Informationen pro Photon zu übertragen, um Datendurchsatz und Effizienz zu maximieren. Das Team des Leibniz-IPHT hat hierzu ein neues Verfahren auf Basis der sogenannten Time-Bin-Kodierung entwickelt.
Photonen transportieren in diesem Verfahren Informationen durch ihre exakte Ankunftszeit, also in welcher Zeitspanne (Time Bin) sie registriert werden. Bisher ließen sich dabei nur zwei solcher Zeitfenster verlässlich unterscheiden. „Mit einer neuen photonischen Plattform können wir jetzt bis zu acht Zeitfenster parallel nutzen und damit die Menge der übertragbaren Informationen erheblich erhöhen“, beschreibt Prof. Dr. Mario Chemnitz vom Leibniz-IPHT das neu entwickelte Verfahren. „Man kann sich das wie ein Schubladensystem vorstellen: Statt nur einer Schublade lassen sich nun mehrere parallel öffnen – dadurch steigen Effektivität und Datenrate enorm.“
Die praktische Umsetzung erfolgt auf einem speziell entworfenen photonischen Chip aus Siliziumnitrid, einem Material, das sich optimal für integrierte optische Systeme eignet. Der kompakte Chip enthält winzige Interferometer zur Erzeugung und Verarbeitung verschränkter Photonen. Dieser ist auf kleinstem Raum integriert und kompatibel mit Standard-Fasern sowie herkömmlichen Telekom-Komponenten. Erste Experimente über 60 km Glasfaserstrecke verliefen bereits erfolgreich und ebnen so den Weg für praxisnahe Anwendungen hoher Datenraten und Datensicherheit.
Stabile Quantensignale auf große Entfernungen
Ein weiteres zentrales technisches Problem beim Praxiseinsatz der Quantenkommunikation ist die Dispersion: Dieser physikalische Effekt lässt Lichtpulse über längere Glasfaserstrecken auseinanderlaufen und erschwert die genaue Unterscheidung der Time Bins. Das Leibniz-Team hat hierzu nun eine praktikable Korrekturmethode entwickelt:
Die Wissenschaftler analysierten nicht nur den zeitlichen Abstand einzelner Photonen, sondern zusätzlich deren gemeinsame Ankunftszeit (Summenkorrelation). Im Gegensatz zur herkömmlichen zeitlichen Messung bleibt diese Summenkorrelation auch bei starker Dispersion stabil und ermöglicht dadurch zuverlässige Quantenkommunikation über deutlich längere Distanzen bis zu 200 km Glasfaser. Mit dieser Methode gelang den Forschern erstmals eine echte Reichweiten-Erweiterung bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit des empfangenen Signals.
Von der Grundlagenforschung zur industriellen Anwendung
Das Zusammenspiel beider Entwicklungen aus höherer Informationsdichte pro Photon sowie die Kompensation von Dispersionseffekten gewährleistet erstmals eine stabile und effiziente Quanten-Verschlüsselung über realistische Glasfaser-Infrastrukturen. Beide Methoden wurden mit etablierten Telekommunikations-Komponenten realisiert. Sie sind damit ausdrücklich auf praktische Vernetzungen in Industrie, Gesundheitswesen oder Behörden ausgerichtet.
Für Elektronikentwickler bedeuten diese Forschungsresultate konkrete technologische Ansätze, um Systeme mit erhöhter Sicherheit und Leistungsfähigkeit im realen Einsatz umzusetzen. „Unser Ziel ist es, Quantenlösungen nicht nur im Labor darzustellen, sondern praxisnah in bestehende technische Systeme zu integrieren“, fasst Mario Chemnitz die Zielrichtung des Forschungsteams zusammen. (heh)
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.