Halbleiterindustrie in Deutschland Jetzt doch: TSMC erwägt Bau einer Chip-Fab in Dresden

Von Henrik Bork

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TSMC erwägt nun doch den Bau eines neuen Halbleiterwerks in Dresden. In Kürze soll dazu ein Team von hochrangigen TSMC-Managern entsendet werden, um über staatliche Zuschüsse für das Vorhaben zu reden. Auch die Kapazitäten lokaler Lieferketten werden eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielen.  

Bald möchte TSMC ein Team von Managern nach Deutschland entsenden, um über das Ausmaß der staatlichen Unterstützung und die lokalen Lieferketten zu reden. Eine Entscheidung für oder gegen den Bau des Werks soll erst danach fallen.
Bald möchte TSMC ein Team von Managern nach Deutschland entsenden, um über das Ausmaß der staatlichen Unterstützung und die lokalen Lieferketten zu reden. Eine Entscheidung für oder gegen den Bau des Werks soll erst danach fallen.
(Bild: TSMC)

Wenn es einen Gewinner des US-chinesischen Handelskrieges gibt, dann ist es TSMC. Die jüngsten Meldungen, denen zufolge der taiwanesische Chip-Hersteller erneut den Bau einer Fab in Dresden erwägt, sind ein Beleg dafür. Kein anderes Unternehmen auf der Erde wird derzeit so von nationalen und lokalen Regierungen umworben wie TSMC.

Wie die Financial Times und Nikkei Asia in der vorletzten Dezemberwoche zeitgleich berichteten, plant der größte Auftragshersteller für Halbleiter der Erde gleich zum Auftakt 2023, eine Delegation von Top-Managern nach Deutschland zu schicken. Eine Entscheidung des Vorstands, ob die erste Fabrik in Europa gebaut wird und wo, dürfte den Berichten zufolge schon bald nach dieser Dienstreise fallen.

Falls TSMC tatsächlich in Dresden oder an einem anderen Standort in Europa investiert, wolle es sich sehr wahrscheinlich auf 22- und 28-Nanometer-Prozesse konzentrieren, wollen beide Medien erfahren haben. Nach heutigem Verständnis wäre dies keine Top-Technologie mit Sub-5-nm-Knoten, die derzeit überall im Rampenlicht steht, sondern Mainstream. Dies hätte einen gewichtigen Grund: Ein solches Werk könnte TSMC erlauben, von der „boomenden Nachfrage“ der hiesigen Autoindustrie zu profitieren, schreibt die FT. Die setzt nämlich im großen Maßstab auf Controller, die mithilfe älterer, dafür bewährter und robuster Technologieknoten hergestellt werden.

Neuanlauf nach Absage im letzten Jahr

„Zu geizig?“, fragten viele Analysten, als der letzte Anlauf von Verhandlungen zwischen Dresden und TSMC Anfang Juni letzten Jahres fehlschlug. Die deutsche Halbleiterregion „Silicon Saxony“ hatte sich auch damals schon große Hoffnungen gemacht, die Taiwanesen anlocken zu können. „In Europa haben wir relativ gesehen weniger Kunden,“ hatte der TSMC-Vorsitzende Mark Liu den Rückzieher seiner Firma damals begründet.

Nicht nur generieren EMEA – also Europa, der Mittlere Osten und Afrika, gerade einmal rund 6 Prozent der Einnahmen von TSMC – auch hatte damals bereits der große globale Poker mit Subventionen begonnen, mit dem eine ganze Reihe von Ländern die Taiwanesen für sich gewinnen wollten.

Regierungen weltweit locken Halbleiterhersteller mit Milliarden

Die Regierungen in den USA, Japan und auch die EU-Kommission in Brüssel, alarmiert von Chinas radikaler Null-Covid-Politik und dem Säbelrasseln des chinesischen Diktators Xi Jinping gegenüber Taiwan, haben letztes Jahr jeweils viele Milliarden Dollar, Yen und Euro bereitgestellt, um ihre eigenen Halbleiterindustrien wiederzubeleben.

TSMC spielt bei diesen Bemühungen eine zentrale Rolle. Nicht nur produziert das Unternehmen für Großkunden wie Apple, Nvidia, AMD und Qualcomm den größten Teil ihrer Chips – es ist auch neben Samsung in Südkorea der einzige Produzent, der die jüngste, fortschrittlichste Art von Chips in großen Serien fertigen kann.

In USA fix: TSMC baut 4-nm- und 3-nm-Chipfabriken in Arizona

US-Präsident Joe Biden wertete es als Erfolg für seinen „Chips Act“, als TSMC im Dezember mit der Installation von Maschinen im Dezember mit der Installation von Maschinen in einer neuen Fabrik in Arizona begann, in der ab 2024 Chips mit 4-Nanometer-Technologieknoten gefertigt werden sollen. Auf demselben „Richtfest“ kündigten die Taiwanesen dann gleich noch den Bau einer zweiten Fabrik in den USA an, in der wenig später sogar 3-Nanometer-Chips gebaut werden sollen.

Die erste TSMC-Fabrik in Deutschland und Europa, die möglicherweise in Dresden gebaut werden könnte, wird mit ihren 22- und 28-Nanometer-Chips technologisch nicht in derselben Liga spielen. Dennoch wäre sie ein wichtiger Schritt für die Sicherung der Lieferketten der europäischen Autoindustrie vor künftigen extremen politischen Entscheidungen der kommunistischen Führung in Peking – oder sollte es auch seitens Deutschlands oder der EU zu Wirtschaftssanktionen gegenüber China kommen, wie Washington es wünscht.

Noch kein konkreter Plan

TSMC wollte sich am 23. Dezember, am selben Tag also, an dem die Berichte von Financial Times und Nikkei Asia über den potenziellen Standort Dresden erschienen, noch nicht ausführlich äußern. „Wir schließen keine Möglichkeit aus, aber zum jetzigen Moment gibt es noch keinen konkreten Plan,“ sagten Konzernsprecher in Taiwan gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Es bleibt also die Reise der TSMC-Manager nach Dresden im Januar abzuwarten. Sollte „Silicon Saxony“ tatsächlich den Zuschlag für eine Fab der Taiwanesen bekommen, so wäre das ein guter Start ins neue Jahr für die deutsche Auto- und Elektronik-Industrie. (mbf)

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