Halbleiterindustrie TSMC baut eine weitere, hochmoderne Chip-Fabrik in den USA

Von Henrik Bork

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Wenn der amerikanische Präsident Joe Biden zum Richtfest kommt, dann kann es keine ganz unwichtige Fabrik sein. Anlässlich des „Tool Installation Events“ im neuen Chipwerk von TSMC in Arizona kündigte der taiwanesische Auftragshersteller dann gleich die nächste große Investition in den USA an.

Viele Länder buhlen um die Chipfabriken von TSMC, die die fortschrittlichsten Halbleiter herstellen.
Viele Länder buhlen um die Chipfabriken von TSMC, die die fortschrittlichsten Halbleiter herstellen.
(Bild: TSMC)

TSMC kündigte kurz vor Beginn der Zeremonie am 6. Dezember an, seine Investitionen in Arizona auf 40 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, also noch einmal gut zu verdreifachen. Zusätzlich zu der gerade im Bau befindlichen Chipfabrik, die ab 2024 die ersten 4-Nanometer-Chips fertigen soll, werde der taiwanesische Konzern noch ein zweites Werk in Arizona bauen, in dem dort ab 2026 sogar 3-NM-Chips produziert werden sollen, kündigte Unternehmenssprecher an.

Damit geht auch die zweite Runde im internationalen Poker um die Lokalisierung der Chip-Fertigung an die USA. TSMC, das mehr als die Hälfte der fortschrittlichsten Halbleiter der Erde herstellt, ist in der globalen Halbleiter-Industrie momentan so umworben, als sei die Firma eine Art Stein der Weisen. Viele Länder buhlen gerade um Chipfabriken von TSMC.

Bidens Teilnahme an der Zeremonie zur Feier der ersten Werkzeug-Installation zeigt die Bedeutung der TSMC-Investitionen für die USA. Am 9. August dieses Jahres hatte Joe Biden seinen „CHIPS and Science Act“ unterzeichnet, in dessen Folge 280 Milliarden US-Dollar an Subventionen bereitgestellt werden, um die Halbleiter-Industrie (mit rund 53 Milliarden US-Dollar davon), die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und andere Hochtechnologen wieder verstärkt in den USA anzusiedeln.

Geopolitische, nicht wirtschaftliche Beweggründe stehen bei diesem Versuch der Lokalisierung der bis heute stark globalisierten Halbleiter-Industrie im Vordergrund. Washington glaubt, seinem Rivalen Peking den Zugang zu der fortschrittlichsten Chip-Technologie verwehren zu müssen, um militärisch wie wirtschaftlich seinen rasch schrumpfenden Vorteil gegenüber dem kommunistischen China zu sichern.

Die „Taiwan Semiconductor Manufacturing Corporation“ selbst aber ist von der neuen Aufmerksamkeit, die Chips im politischen Wettbewerb der Systeme erfahren, alles andere als begeistert. „Geopolitische Konfrontationen“ seien derzeit die größte Herausforderung der Halbleiter-Industrie, sagte C.C. Wei, der CEO von TSMC, während der Zeremonie.

"Geopolitische Konfrontationen haben den gesamten Markt verzerrt“, sagte Wei vor den illustren Gästen, zu denen neben Biden auch US-Wirtschaftsministerin Gina Raimondo, Tim Cook von Apple und der Nvidia-Gründer Jensen Huang gehörten. Das „Who's who“ der internationalen Halbleiter-Industrie erschien zu der Feier.

Wei nahm trotzdem kein Blatt vor den Mund: „Früher hast du ein Produkt gemacht und konntest es in der ganzen Welt verkaufen. Jetzt ist es nicht mehr erlaubt, manche Produkte zu verkaufen, manche Länder sagen, du darfst nicht herein, während manche sagen, dass du nur bestimmte Produkte verwenden darfst“, sagte der CEO von TSMC in Anspielung auf den Handelskrieg zwischen Washington und Peking.

"Diese Situation hat sämtliche Produktivität und Effizienz zerstört, die uns die Globalisierung gebracht hat“, fuhr Wei fort. „Das ist wirklich schlecht.“

Auch der legendäre TSMC-Gründer Morris Chang, der ebenfalls nach Arizona gereist war, sagte während einer separaten Rede in Phoenix, dass „die Globalisierung und der Freihandel beinahe tot sind“.

Die Regierung in Peking – der eigentliche Adressat all des neuen industriepolitischen Aktivismus – hat die neuen Werke von TSMC in Arizona nicht kommentiert. Äußerungen der regierungsnahen Zeitung Global Times ist allerdings zu entnehmen, dass man dort nicht erfreut ist. Die USA benehmen sich wie ein „Stier im Porzellan-Shop“, schrieb die Global Times.(mbf)

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