Verliert Samsung nach Qualcomm auch Tesla? Teslas Full-Self-Driving-Chips: TSMC statt Samsung

Von Henrik Bork

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Aufregung bei Samsung: Offenbar will Elektroautohersteller Tesla die nächste Generation seiner Full-Self-Driving-Chips von TSMC herstellen lassen – in dessen neuer 5-nm-Fab in den USA. Bislang ließ Tesla seine „Hardware 3.0“-System-on-Chips in Samsungs Werk in Austin, Texas fertigen.

Die Full-Self-Driving-Chips steuern in Tesla-Autos die umfangreichen ADAS-Funktionen der Fahrzeuge. Dafür verarbeiten sie die Daten vieler Sensoren. Sie sollen später auch  (teil-)autonomes Fahren ermöglichen.
Die Full-Self-Driving-Chips steuern in Tesla-Autos die umfangreichen ADAS-Funktionen der Fahrzeuge. Dafür verarbeiten sie die Daten vieler Sensoren. Sie sollen später auch (teil-)autonomes Fahren ermöglichen.
(Bild: Tesla)

Es ist noch nicht offiziell, was die taiwanesische Wirtschaftszeitung „Economic Daily News“ berichtet, aber es sorgt schon jetzt für einige Aufregung. Offenbar hat sich Tesla gegen Samsung und für TSCMC entschieden, was die nächste Generation seiner Full-Self-Driving-Chips (FSD) betrifft.

TSMC habe „eine große Bestellung für die nächste Generation von FSD-Chips von Tesla gewonnen“, schreibt die taiwanesische Zeitung in ihrer Chinesisch-sprachigen Ausgabe. Die SoCs würden auf 4/5-Nanometer-Prozessen beruhen. Der Auftrag – bislang wie gesagt noch ein Gerücht – sei so groß, dass Tesla schon im nächsten Jahr der erste E-Auto-Hersteller unter den Großkunden des taiwanesischen Auftragsherstellers sein könnte.

Samsung hat bereits Qualcomm als Großkunden verloren

Falls sich die Meldungen bewahrheiten, wäre dies eine weitere bittere Niederlage für Halbleiter-Sparte von Samsung, die erst kürzlich Qualcomm als Kunden verloren hatte. Es hatte Probleme mit dem 4-nm-SoC von Samsung für den Snapdragon 8 Gen 1 gegeben. In Medienberichten war von Überhitzung und geringer Energie-Effizienz des fertigen Produktes die Rede. Seither hat TSMC die Südkoreaner als Lieferant von Qualcomm ersetzt.

Für TSMC wäre es hingegen ein weiterer wichtiger Meilenstein auf seinem Weg als Zulieferer der Automobilindustrie. Vor dem Hintergrund sinkender Nachfrage nach Chips für Verbraucherelektronik versucht der weltweit größte Auftragshersteller von Halbleitern, mehr Anteile an dem schnell wachsenden Weltmarkt für Autochips zu erobern.

Automotive ist für TSMC noch ein Nischenmarkt

Für TSMC ist dies momentan noch ein Nischenmarkt, allerdings ein sehr schnell wachsender. Anhand der Finanzberichte von TSMC für das dritte Quartal dieses Jahres sind Aufträge aus dem Bereich Automobilindustrie für 5 Prozent der gesamten Einnahmen des Chip-Herstellers verantwortlich. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr sorgten allein die Bestellungen von Apple für 25,4 Prozent der Gesamteinnahmen von TSMC.

Doch automobile Chips, von denen in E-Autos und auch für Fahrassistenz-Funktionen (ADAS) immer größere Stückzahlen mit immer größerer Leistung benötigt werden, sind derzeit einer der größten Wachstumstreiber der globalen Halbleiterindustrie. Und TSMC hat diese Chance frühzeitig erkannt und entsprechend investiert.

TSMC: Rekordumsatz dank 5-nm-Chips und Automobilelektronik

Als TSMC im Oktober den zweithöchsten monatlichen Umsatz seiner Firmengeschichte vermelden konnte, führten Analysten dies unter anderem auf die qualitativ hochwertigen 5-nm-Chips der Taiwanesen zurück – und auf die an Anzahl und Volumen wachsenden Aufträge aus dem Bereich Automobil-Elektronik.

Und die Taiwanesen wollen dieses Geschäft weiter ausbauen. Ende November haben Infineon und TSMC eine neue Zusammenarbeit bekannt gegeben. Die nächste Generation von AURIX-MCU von Infineon soll mit „resistive RAM (RRAM)”-Memory-Technologie von TSCM ausgestattet werden. MCU-Micro-Controller sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Kontroll-Chips in einer ganzen Reihe von E/E-Architekturen.

Tesla ist wichtig für TSMCs Automotive-Strategie

Tesla als Kunden zu gewinnen, wäre jedoch ein noch größerer Durchbruch für TSMC bei seinem Versuch, die eigene Autochip-Sparte auszubauen. Glaubt man dem Bericht der taiwanesischen Wirtschaftszeitung, dann könnte Tesla schon 2023 der siebtgrößte Kunde von TSMC sein – hinter illustren Namen wie Apple, AMD, Mediatek, Broadcom, Qualcomm, Intel und Nvidia . Tesla wäre damit der erste E-Auto-Hersteller, der in dieser Liga mitspielt.

Was die Produktionsstandorte betrifft, so dürften die Angestellten von TSMC in Arizona jubeln, während die von Samsung in Texas das Nachsehen haben, falls der Bericht aus Taiwan bestätigt wird. Seit der Einführung der „Hardware 3“, kurz „HW 3.0“ genannten Bordcomputer im Model S, Model 3, Model X und Model Y wurden die FSD-Chips von den Mitarbeitern von Samsung in Austin, Texas gefertigt. (me)

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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