Digitales Gesundheitswesen Interdisziplinär im Smart Hospital zusammenarbeiten

Von Christian Bernhard*

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Hardware, Software und Datenanalyse: Das Smart Hospital lebt von der Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegern, aber auch von IT-, KI- und Datenexperten. Nur eine digitale Vernetzung und Austausch garantiert, dass Patienten bestmöglich versorgt werden können.

Digitales Gesundheitswesen: Im sogenannten Smart Hospital arbeiten Ärzte und Pfleger nicht nur untereinander digital zusammen, sondern auch mit IT- und Datenexperten. Ziel ist ein verbesserter Austausch von Patientendaten.
Digitales Gesundheitswesen: Im sogenannten Smart Hospital arbeiten Ärzte und Pfleger nicht nur untereinander digital zusammen, sondern auch mit IT- und Datenexperten. Ziel ist ein verbesserter Austausch von Patientendaten.
(Bild: GE Healthcare)

Dank des technischen Fortschritts in der Medizin lassen sich Diagnosen schneller stellen. Doch damit Ärzte und Pfleger das Potenzial digital-vernetzter Medizin besser ausschöpfen können, müssen sie nicht nur untereinander, sondern außerdem interdisziplinär mit anderen Teams zusammenarbeiten. Krankenhäuser, Juristen, Apotheker bis hin zu IT-, KI- und Datenexperten.

Zeitkritisches mussten Mediziner schon immer. Besonders deutlich wurde das während der Corona-Pandemie. Hinzu kommt die immense Belastung der Mitarbeiter und die wirtschaftlichen Zwänge in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Auf der einen Seite ist im Notfall lebensrettende Schnelligkeit gefragt und auf der anderen Seite administrative Aufgaben wie Routine-Checks, die oft viel Zeit in Anspruch nehmen.

Das digitale Krankenhaus der Zukunft

Wer hier oft lange Akten suchen muss oder Daten per Hand in den Computer eingeben muss, verschenkt die Vorteile von digitalen und effizienten Strukturen. Das hat die damalige Bundesregierung im ersten Pandemie-Herbst 2020 zum Anlass genommen, mit dem Krankenhauszukunftsgesetz einen Anreiz zur Digitalisierung und dem Weg zum Smart Hospital zu setzen. Das Sana-Klinikum in Biberach hat den Weg zum Smart Hospital 2018 begonnen und sieht viele Vorteile in Vernetzung und Transparenz, wie sie auch das Krankenhauszukunftsgesetz fordert.

Das Krankenhauszukunftsgesetz

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) ist im Oktober 2020 in Kraft getreten. Es bietet dem Gesundheitswesen die Chance, die Medizin mithilfe digitaler Vernetzung weiterzuentwickeln und zu verbessern. Bund und Länder stellen dafür 4.3 Mrd. Euro für Investitionen bereit:

• technische und insbesondere die informationstechnische Ausstattung der Notaufnahmen,
• eine bessere digitale Infrastruktur,
• Maßnahmen zur IT-Sicherheit und
• regionale Versorgungsstrukturen, um die Versorgungsstrukturen sowohl im Normalbetrieb als auch in Krisenzeiten konzeptionell aufeinander abzustimmen.

Die im KHZG-Gesetzestext [1] unter §19 aufgeführten konkreten förderfähigen Maßnahmen und Strukturen geben einen guten Einblick in die Zielsetzung des KHZG und damit auch, was ein sogenanntes Smart Hospital in Zukunft bedeuten wird: ganzheitliche digitale Vernetzung von Informationsflüssen, Workflow Management und Patientenversorgung:

  • Patientenportale für ein digitales Aufnahme- und Entlassmanagement,
  • eine durchgehende, strukturierte elektronische Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen,
  • teil- oder vollautomatisierte klinische Entscheidungsunterstützungssysteme, die klinische Leistungserbringer mit dem Ziel der Steigerung der Versorgungsqualität bei Behandlungsentscheidungen durch automatisierte Hinweise und Empfehlungen unterstützen,
  • digitales Medikationsmanagement für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit,
  • informationstechnische, kommunikationstechnische und robotikbasierte Anlagen, Systeme oder Verfahren oder räumliche Maßnahmen, damit Ärzte bei Operationen und anderen Behandlungen unterstützt oder um telemedizinische Netzwerkstrukturen (Videosprechstunde) zwischen Krankenhäusern oder zwischen Krankenhäusern und ambulanten Einrichtungen unterstützt werden.

Wenn Ärzte und IT eng zusammen arbeiten

Die Auflistung verdeutlicht, dass auf dem Weg zum Smart Hospital ein ganzheitlicher Ansatz einer Strategie zur Digitalisierung mit den drei Komponenten Hardware, Software und Datenanalyse wie auch regulatorische, rechtliche, technische und politische Expertise notwendig sind. Alle Beteiligten, vom Patienten über die Pflegekräfte bis zu den Ärzten, Laborkräften und Verwaltungsfachleuten, sollten die Wichtigkeit digitaler Vernetzung anerkennen und aktiv fördern.

Das Sana Klinikum Biberach, Zentralkrankenhaus für den oberschwäbischen Landkreis, hat das erkannt und die erste Etappe auf dem Weg zum Smart Hospital genommen. Hier arbeiten Ärzte gemeinsam mit Kollegen aus der IT Hand in Hand. „Wir befinden uns im Gesundheitssystem vor einem der größten Umbrüche, den man sich vorstellen kann. Daher kann ich mich heute als Mediziner entscheiden, frühzeitig diesen Weg mitzugehen – oder später der Entwicklung hinterherlaufen zu müssen“, sagt Dr. Dominic Varga. Varga ist Mitglied des digitalen Beirats am Klinikum und chefärztlicher Leiter der Geburtshilfe.

In Biberach kommt moderne Software und Medizintechnik zum Einsatz; in der Frauenklinik etwa setzen Varga und sein Team etwa seit 2018 die Bild- und Befunddokumentationssoftware mit Schnittstellen zu anderen Systemen ein (Interoperabilität). Das ist die Basis für den digitalen Austausch von Daten, kollaboratives Arbeiten und Wissenstransfer.

Fokus auf digitalisierte Workflows

In Biberach liegt der Fokus auf digitalisierte Workflows: von der Anamnese über medizinische Beratungsgespräche, Verlaufskontrollen sowie Brust- und Unterleibssonographien bis hin zu operativen Eingriffen und letztlich weg vom Ausdruck von Bildern und Befunden auf Papier hin zu einem Datentransfer in Echtzeit.

Für pränatale, gynäkologische und senologische Untersuchungen wird der Name der Patientin per DICOM-Worklist an die genutzten Ultraschallsysteme – unerheblich welchen Herstellers und damit interoperabel – übertragen. Der untersuchende Kollege sendet Bilder, Videosequenzen und Messdaten sowie 3D/4D-Rohdaten zurück ans System. Da die gesamte Anamnese, Informationen zu vorherigen Geburten, bestehende Erkrankungen oder Ängste der Patientin hinterlegt sind, unterstützt ViewPoint 6 [2] auch in der Verlaufskontrolle der Schwangerschaft und erlaubt es dem Team, individuell und zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Frauen einzugehen.

„Die Zukunft muss einfach sein, dass die Patientin unabhängig davon, in welchem Krankenhaus sie sich bewegt, Zugriff auf ihre Daten hat, ganz ähnlich wie im Mutterpass, nur eben mit einer bildlichen Darstellung. ViewPoint 6 und Tricefy2 stellen somit für uns hervorragende Ergänzungen dar“, sagt Varga.

Digitales Krankenhaus und der Datenschutz

Messgeräte innerhalb einer Station und eines Krankenhauses zu vernetzen und Daten herstellerübergreifend („interoperable Anschlussfähigkeit“) zwischen Krankenhausinformationssystemen (KIS) und medizinischen Registern auszutauschen sind wichtige Elemente auf dem Weg zum Smart Hospital. Aktuell scheitert eine Vernetzung aller Akteure im Gesundheitssystem häufig noch an strengen Datenschutz-Regelungen.

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Weil nicht nur Kliniken und Ärzte, sogar einzelne Abteilungen in einem Krankenhaus kaum Daten wie etwa Blutwerte, Erbanlagen, Daten aus Experimenten, Studien oder von Smartphone-App-Messungen austauschen dürfen, müssen Patienten deshalb beispielsweise Untersuchungen mehrmals über sich ergehen lassen. Zum anderen verschwendet jede Duplikation wertvolle Ressourcen und kostet den Patienten nicht selten schmerzvolle Zeit.

Die derzeitige Regierung hat die bestehenden Hemmnisse bei der Weitergabe und Nutzung von Gesundheitsdaten erkannt und deshalb im Koalitionsvertrag ein „Gesundheitsdatennutzungsgesetz“ zur besseren wissenschaftlichen Nutzung von Gesundheitsdaten angekündigt. Dabei muss man auf die Veränderungen und Chancen von vernetzten und sensiblen medizinischen Geräten mit gespeicherten Daten vorbereitet zu sein.

Christian Bernhard, General Manager GE Healthcare DACH, rät dringend an, die IT-Sicherheit zu bedenken und sie mit etwa 15 Prozent der Ausgaben oder der KHZG-Fördersumme zu berücksichtigen. Nur dann lässt sich seiner Meinung nach die Integrität eines Netzwerks gewähren und Patientendaten schützen.

Studie deckt Rückstände auf

Es ist völlig unbestritten, dass die Arbeit von Pflege- und Medizinfachleuten erleichtert werden muss. Einzelne Bausteine der Digitalisierung müssen teils mit engem Zeithorizont umgesetzt werden. Mit der Corona-App sind viele Menschen zum ersten Mal mit einem digitalen Tool im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit in Berührung gekommen und haben dessen Vorteile schätzen gelernt und Berührungsängste abgebaut.

Ein Studie des DigitalRadar Krankenhaus [3], die online erhoben wurde, konnten Krankenhäuser den Stand ihrer Digitalisierung (KHZG) im Herbst 2021 selbst einschätzen. Bei der Veröffentlichung im Frühjahr 2022 zeigte die Auswertung noch Rückstände bei Interoperabilität und Patientenmitbestimmung. Das durchschnittliche Ergebnis des sogenannten DigitalRadar-Score der deutschen Krankenhäuser lag bei 33,25 Punkten von maximal 100. Nachholbedarf gibt es laut DigitalRadar-Score vor allem bei digitaler Dokumentation, der Weitergabe strukturierter Daten und Interoperabilität zwischen der vorherrschenden Software.

Referenzen

[1] Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG), abgerufen am 12. August 2022.

[2] Informationen zu ViewPoint 6, abgerufen am 12. August 2022.

[3] Projekt: Digitale Reife messen, abgerufen am 12. August 2022.

* Christian Bernhard ist General Manager GE Healthcare DACH.

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