Künstliche Intelligenz in der Medizin „Damit Ärzte und Patienten wirklich profitieren, braucht es Vertrauen“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 4 min Lesedauer

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In vielen Branchen hat sich die künstliche Intelligenz bereits etabliert. Auch in der Medizin bietet sie viel Potenzial. Sei es automatisierte Bildanalyse, personalisierte Diagnostik oder vernetzte Pflege-Ökosysteme. Was heute bereits möglich ist, berichtet eine Expertin der Branche.

Künstliche Intelligenz hat sich in der medizinischen Bildgebung etabliert. Die größten Hürden sind Datenschutz und IT-Sicherheit.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Künstliche Intelligenz hat sich in der medizinischen Bildgebung etabliert. Die größten Hürden sind Datenschutz und IT-Sicherheit.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Präzisere medizinische Diagnosen sind dank Deep Learning und KI-gestützter Automatisierung Realität geworden. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist GE HealthCare. Das Unternehmen setzt voll auf die Zukunft und investiert massiv in KI-gestützte Medizintechnik. Allein bis Juli 2025 hat das Unternehmen bereits 100 FDA-Zulassungen erhalten, was die Innovationskraft und das Engagement unterstreicht.

Um mehr über diese faszinierende Entwicklung zu erfahren, haben wir mit Susanne Schlagl gesprochen. Als General Managerin Deutschland bei GE HealthCare verantwortet sie die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens im deutschen Markt.

Frau Schlagl, wie sehen Sie die Rolle von KI und digitalen Gesundheitslösungen bei der zukünftigen Entwicklung der Medizintechnik in der DACH-Region?

Susanne Schlagl ist General Managerin Deutschland bei GE HealthCare: „Künstliche Intelligenz wird die Medizintechnik grundlegend verändern.“(Bild:  GE HealthCare)
Susanne Schlagl ist General Managerin Deutschland bei GE HealthCare: „Künstliche Intelligenz wird die Medizintechnik grundlegend verändern.“
(Bild: GE HealthCare)

Künstliche Intelligenz verändert die Medizintechnik grundlegend – und die DACH-Region spielt dabei eine zentrale Rolle. Bildgebende Verfahren werden schneller, Scans präziser, Abläufe in Kliniken effizienter. Was nach Zukunft klingt, entsteht zum Teil in der DACH-Region: In München, Deutschland, und in Zipf, Österreich, entwickeln Teams von GE HealthCare Software, die weltweit zum Einsatz kommt.

Wir investieren über eine Milliarde US-Dollar in Forschung und Entwicklung und ein erheblicher Teil davon in KI. Das Resultat: Bereits 100 Zulassungen für KI-gestützte Medizingeräte wurden von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA erteilt. Mehr als bei jedem anderen Anbieter, und das vier Jahre in Folge. Doch Technologie allein genügt nicht. Damit Ärzte, Pfleger und Patienten wirklich profitieren, braucht es Vertrauen. Deshalb setzt GE HealthCare auf 'Responsible AI', also auf Prinzipien wie Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Fairness. Nur so wird aus Innovation echter Fortschritt für die Medizin.

Zur Person

Susanne Schlagl ist General Managerin Deutschland bei GE HealthCare und verantwortet die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens im deutschen Markt. Sie verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in Management und Marketing internationaler Unternehmen mit Schwerpunkt auf Medizintechnik, Medizin-IT und digitale Gesundheitslösungen.

Welche spezifischen Herausforderungen sehen Sie bei der Implementierung von KI in den Kliniken der DACH-Region?

Die Chancen sind enorm, die Herausforderungen ebenso. Datenschutz und IT-Sicherheit zählen in den Kliniken der DACH-Region zu den größten Hürden. Neue KI-Systeme müssen sich reibungslos und sicher in bestehende Krankenhaus-IT integrieren lassen – mit klaren Standards und verlässlichen Ausfallkonzepten.

Auch die Finanzierung spielt eine entscheidende Rolle. Investitionen in KI hängen stark von den Abrechnungsstrukturen ab. Wir hoffen daher, dass die aktuelle Krankenhausreform und der Transformationsfond wichtige Impulse setzen, um Budgetengpässe zu überwinden.

Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel den Druck: Radiolog:innen benötigen dringend Entlastung, doch neue Systeme erfordern zunächst Schulung und Akzeptanz. Nicht zuletzt bleibt die Interoperabilität ein Knackpunkt. Systeme in der Klinik müssen herstellerunabhängig und ohne Datenverluste miteinander kommunizieren können. Dazu kommt noch die Brücke nach draußen: Wir brauchen dringend mehr Vernetzung zwischen Klinik und Niederlassungen sowie eine bessere intersektorale Kommunikation.

Können Sie Beispiele für erfolgreiche Anwendungsfälle von KI in der Medizintechnik aus der DACH-Region nennen?

Wir haben einige Vorzeigeprojekte in der DACH-Region, die zeigen, wie KI und Digitalisierung die Versorgung bereits heute konkret verbessern. In Essen entsteht ein neues Theranostik-Zentrum, das hochauflösende Bildgebung, KI-Analytik und gezielte Therapien kombiniert und damit die personalisierte Medizin auf ein neues Niveau hebt.

Das AKH Celle in Niedersachsen hat eine mehrjährige Technologiepartnerschaft mit GE HealthCare geschlossen. Neben moderner Bildgebung wird dort ein cloudbasiertes Bild- und Befundmanagement etabliert. Dazu werden aktuelle Software und Algorithmen zur Auswertung zum Einsatz kommen.

In Hannover wurde weltweit erstmals das mobile EKG-Gerät KardiaMobile 6L von AliveCor mit dem Kardiologie-System MUSE von GE HealthCare integriert. Patienten können damit EKGs selbst aufzeichnen, die direkt ins Kliniksystem übertragen werden – ein Beispiel dafür, wie dezentrale Versorgung und Spitzenmedizin ineinandergreifen.

Gemeinsam mit dem Swiss Medical Network und dem Genolier Innovation Hub entsteht ein Center of Excellence für molekulare Bildgebung und Theranostik an der Clinique de Genolier, einem Mitglied von Swiss Medical Network, das als Referenz für Präzisionsonkologie gilt.

In Österreich vernetzt das Radiologie-Netzwerk Waldviertel mehrere Kliniken digital miteinander und verbessert so den Datenaustausch und die regionale Versorgung. Entwickelt von GE Healthcare und PANSOMA GmbH auf Basis von GEs Centricity Solutions for Enterprise Imaging, ermöglicht es standortübergreifendes Streaming von Patientendaten in Echtzeit. Dadurch können Ärzte jederzeit Befunde erstellen, Zweitmeinungen einholen und Operationen schneller vorbereiten, auch nachts und am Wochenende.

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GE HealthCare arbeitet im internationalen Forschungsverbund PREDICTOM an einer Plattform zur KI-gestützten Früherkennung von Alzheimer. Ein Beispiel dafür, wie Technologie Prävention stärken wird.

Welche weiteren Entwicklungen und Innovationen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren im Bereich der Medizintechnik?

In den kommenden Jahren wird die Medizintechnik eine stärkere Vernetzung aufweisen. Datengetriebene Command-Center-Lösungen, die international bereits implementiert sind, können die Krankenhaussteuerung in Deutschland verbessern. Das Wachstum der Telemedizin und digitalen Pflege-Ökosysteme wird durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) unterstützt. Sie ermöglichen die intelligente Optimierung von Behandlungspfaden und tragen zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei.

Auch die Prävention gewinnt zunehmend an Relevanz. Projekte wie PREDICTOM demonstrieren die Integration von frühzeitiger Diagnostik und personalisierter Medizin. (heh)

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