Der angeschlagene Chiphersteller Intel wird voraussichtlich noch dieses Jahr 8,5 Mrd. US-$ aus dem Förderungsfond des US Chips Act erhalten. Derweil brodeln die Spekulationen über Teilverkäufe des Unternehmens im Hintergrund weiter: ARM soll Intel ein Angebot zur Übernahme seiner Produktsparte unterbreitet haben.
Intel-CEO Pat Gelsinger (Mitte) bei einer Pressekonferenz mit US-Präsident John Biden (rechts von ihm) und Wirtschaftsministerin Gina Raimondo (links von ihm) Im Intel-Werk in Chandler, Arizona. Medienberichten zufolge soll Intel noch in diesem Jahr 8,5 Milliarden US-$ für den Bau zweier neuerFabs und den Ausbau einer dritten im US-Bundesstaat Arizona erhalten.
(Bild: Intel Corporation)
Intel soll voraussichtlich noch in diesem Jahr Fördergelder in Höhe von 8,5 Milliarden US-$ von der amerikanischen Regierung erhalten. Dies berichteten die Financial Times und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Quellen. Das Geld soll demnach für Intels geplanten Ausbau seiner Fertigungsanlagen in Arizona aufgewendet werden.
8,5 Milliarden aus dem Fördertopf, bis zu 11 Milliarden an Krediten
Intel hatte sich bereits seit Jahren um Gelder aus dem amerikanischen Fördertopf im Rahmen des US Chips Acts beworben, um dies in den Ausbau seiner lokalen Produktionsstätten zu investieren. Anfang März hattes US-Präsident John Biden dem amerikanischen Chiphersteller ein Darlehen in Höhe von 20 Milliarden US-$ in Aussicht gestellt. Es war aber bislang nicht klar, ob dieses Versprechen noch 2024 realisiert werden würde, da unter anderem bürokratische Hürden sowie Unklarheiten über die Zusammenstellung der Summe und deren genauen Verwendungszweck beseitigt werden mussten. So war seitens der Regierung bemängelt worden, dass Intels Ausbaubemühungen in Arizona kaum Fortschritte gemacht hätten.
Wie die Financial Times meldet sei man nun zu einem Ergebnis gekommen. Demnach sehe die vorläufige Vereinbarung nun vor, dass Intel insgesamt 8,5 Mrd. US-$ aus dem Fördertopf erhalten soll. Dieses Geld soll in den Bau der zwei geplanten neuen Fabs in Arizona sowie der Modernisierung einer bereits bestehenden Anlage dienen. Ferner sei die Regierung bereit, Intel ein Darlehen in Höhe von bis zu 11 Mrd. US-$ zu unterbreiten. Diese Summen sollen unabhängig von dem etwa 3 Mrd. US-$ schweren Summe fließen, die Intel im Rahmen des Programms Secure Enclave des US-Verteidigungsministeriums erhält.
Verkauf der Produktsparte an ARM abgelehnt
Intel steckt in der Krise: Seit Jahresbeginn musste ein Milliardenverlust gemeldet werden, die dem einst weltweit führenden Chiphersteller Sparmaßnahmen aufzwangen. Im August wurde der Abbau von 15.000 Stellen angekündigt. Seit Anfang des Monats häufen sich die Gerüchte, dass Intel plane, sich von diversen Geschäftsbereichen und Tochtergesellschaften zu trennen. Der Umstand, dass das Unternehmen nach Einsparungen und neuen Geldmitteln sucht, bringt Spekulanten und Gerüchte auf den Plan. So signalisierte etwa Qualcomm zunächst Interesse daran, das Chipdesign-Geschäft von Intel zu übernehmen. Später meldeten die Nachrichtendienste Reuters, das Qualcomm offenbar bereits ein Angebot vorgelegt hatte, Intel komplett zu akquirieren.
Die Kette an mutmaßlichen Interessenten reißt dabei nicht ab. So meldete Bloomberg diesen Freitag, dass auch ARM Intel ein Angebot unterbreitet hatte. Demnach sei der Entwickler der gleichnamigen Prozessor-IP, der mehrheitlich dem japanischen Softbank-Konzern angehört, daran interessiert, die Produktsparte des angeschlagenen Prozessorherstellers zu übernehmen. In der laut Bloomberg "hochrangigen" Anfrage sei dagegen kein Interesse am Foundry- bzw. Fertigungsgeschäft geäußert worden. Das Stammunternehmen ist in zwei hauptsächliche Geschäftseinheiten gegliedert: eine Produktgruppe, die Chips für Personalcomputer, Server und Netzwerkausrüstung verkauft, und eine andere, die das Foundrygeschäft betreibt.
Ähnlich wie Qualcomm könnte ARM, beziehungsweise der ARM übergeordnete Softbank-Konzern, mit diesem Schritt danach streben, den Schöpfer der gleichnamigen Prozessorarchitektur aus dem noch immer stark vom Smartphone- und Tabletmarkt getriebenen Geschäft verstärkt in andere Geschäftsbereiche wie Server, dem Desktop-Markt oder Industrieapplikationen zu heben. Das Geschäft von ARM besteht in erster Linie weiter darin, seine IP an andere Unternehmen zu lizenzieren oder Chipdesigns für andere Firmen zu entwerfen, die diese dann für ihre eigenen Endprodukte fertigen lassen und integrieren. Ein Zusammenschluss mit Intel würde die Reichweite von ARM erhöhen und den Anstoß für den Verkauf eigener Produkte geben. Intel selbst hatte bis vor kurzem noch einen Minderheitsanteil an ARM gehalten, diesen aber im Rahmen seines Sparkurses im August für 150 Millionen US-$ verkauft.
Wie Bloomberg meldete, habe Intel die Anfrage ARMs direkt abgelehnt. Gründe wurden keine genannt, scheinen aber offensichtlich: Der Name Intel ist untrennbar mit seiner Produktsparte, allen voran den x86- und Server-CPUs, verbunden - ein Verkauf dieses gesamten Geschäftszweig dürfte den Plänen, das Unternehmen zu sanieren, langfristig zuwiderlaufen. Ein solcher Verkauf der wohl wichtigsten Produkte, die ein Großteil der Öffentlichkeit mit dem Namen Intel gleichsetzt, käme einem Verkauf der Identität des Unternehmens gleich.
Auf dringlicher Suche nach Finanzspritzen
Bei allen Gerüchten über mögliche Verkäufe und Angebote scheint Intel vielmehr verstärkt danach zu streben, auf anderen Wegen wieder mehr Liquidität zu erlangen. Neben den erwähnten Regierungszuschüssen und -Krediten befindet sich Intel derzeit auch in Gesprächen mit der Kapitalgesellschaft Apollo Global Management, bei der es um eine mögliche Investition von 5 Mrd. US-$ gehen soll.
Stand: 08.12.2025
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Würden diese Gerüchte zutreffen, würde sich Intel mit diesem Schritt zumindest Zeit erkaufen. Finanzspritzen durch Kapitalgesellschaften sind nicht ungewöhnlich, doch sind diese auf Gewinnmaximierung ausgelegt: In der Regel stoßen diese ihre Anteile nach einigen Jahren wieder ab in der Hoffnung, aus der ursprünglichen Investition später Gewinne zu generieren. Sollte sich bei einem möglichen größeren Einstieg von Apollo Global Management sich nicht in relativ kurzer Zeit eine Rückkehr in die Gewinnzone einstellen, dürfte Intel spätestens dann gezwungen sein, sich von größeren Geschäftsbereichen zu trennen, um die Interessen der Investoren zu bedienen.(sg)