Geplante Obsoleszenz Drucker verweigert den Dienst: Wie Epson seine Kunden ärgert

Von Maria Beyer-Fistrich

Der Drucker druckte eben noch tadellos, verweigert aber aufgrund geplanter Obsoleszenz den Dienst: Ein Szenario, das immer wieder vorkommt. Auch Druckerhersteller Epson lässt verschiedene Modelle seiner Drucker künstlich altern: Angeblich sei ein Bauteil am Ende seiner Lebenszeit angekommen.

Immer wieder ärgerlich: geplante Obsoleszenz.
Immer wieder ärgerlich: geplante Obsoleszenz.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Druckerhersteller Epson gehört zu den Firmen, die schon öfter unter Verdacht standen, durch geplante Obsoleszenz gezielt Kunden zu Neukäufen zu bewegen. In Frankreich hatte die Organisation HOP (Halte à l' Obsolescence Programmée) bereits 2017 bei der Staatsanwaltschaft von Nanterre eine Beschwerde gegen Epson eingereicht. Das Unternehmen stand damals unter Verdacht, den Füllstand der eigenen Druckerpatronen falsch ausgegeben zu haben. Diese enthielten noch ausreichend Tinte, wurden aber als leer angezeigt. Der Drucker funktionierte daraufhin nicht mehr.

Ein weiteres Problem tauchte jetzt unerwartet bei Nutzern von Epson-Geräten auf. Eine Fehlermeldung machte die Besitzer darauf aufmerksam, dass ein Bauteil des Druckers am Ende seines Lebenszyklus angekommen sei. Der Drucker deaktivierte sich anschließend. Ursache für die Abschaltung ist ein Schwamm im Inneren des Druckers, der sich im Laufe der Lebenszeit mit Tinte füllt, die bei Druckvorgängen nicht genutzt und im Schwamm aufgefangen wird. Durch den Schwamm wird verhindert, dass die Tinte sich im Drucker verteilt und diesen verschmutzt.

Welche Epson-Drucker betroffen sind

Betroffen sind die folgenden Modelle: L130, L220, L310, L360 und L365. Epson hat zwar inzwischen, sicherlich auch aufgrund des Gegenwindes, ein Tool, veröffentlicht, mit dem sich die Meldung über das angeblich vergreisende Bauteil immerhin vorübergehend abschalten lässt. Eine dauerhafte Lösung sei das jedoch nicht. Das Software-Tool funktioniert zudem einmalig nur mit Windows. Dass sich die Software-Sperre so einfach wieder entfernen lässt, zeigt deutlich, dass es sich hier sehr wahrscheinlich nicht um einen normalen Verschleiß handelt, sondern um eine geplante Obsoleszenz.

Epson sagt dazu: „Wenn die Fehlermeldung erscheint, ist es sehr wahrscheinlich, dass bereits andere Komponenten des Druckers in Mitleidenschaft gezogen wurden und schon bald das Ende ihrer Lebenszeit erreichen.“ Um sicherzugehen, solle man sich laut Epson einen neuen Drucker kaufen.

Dabei ist es ganz einfach: Die Schwämme, die das Problem verursachen, lassen sich tauschen. Epson erklärt dazu aber: „Epson empfiehlt Benutzern ohne technische Ausbildung nicht, die Komponenten im Inneren des Druckers zu warten. Servicetechniker, die die Drucker öffnen, um die Tintenkissen zu warten, stellen möglicherweise fest, dass die Tintenkissen vollständig mit Tinte gesättigt sind (ein schlammiges Schwarz von allen Tinten) oder dass die Kissen noch einige weiße Bereiche aufweisen, die noch nicht vollständig mit Tinte gesättigt sind. Die Stempelkissenzähler sind mit Sicherheitsabständen versehen, um das Risiko des Verschüttens von Tinte unter allen Einsatzbedingungen zu begrenzen. Ein Benutzer, der sehr viel Tinte verwendet, wird die Stempelkissen irgendwann vollständig sättigen, da die Verdunstung der Tinte nicht mehr so effektiv ist. Bei einem Benutzer mit geringem Druckaufkommen, der den Drucker lange Zeit benutzt hat, können die längeren Verdunstungszeiten dazu führen, dass einige Teile der Pads unbenutzt erscheinen.“

Schwämme bei Epson-Druckern einfach selbst tauschen

Auch auf die Frage, warum die Schwämme keine von den Nutzern austauschbaren Bauteile sind, gibt es auf der offiziellen Seite folgendes Statement: „Diese Art von Design würde zu teureren Druckern führen. Die meisten Benutzer würden von diesen höheren Kosten nicht profitieren, da ihre Drucker nie die Meldung "Teile sind am Ende ihrer Lebensdauer" erreichen werden.“

Die gute Nachricht: Findige Besitzer eines der genannten Modelle können die Schwämme selbst tauschen. Auf gängigen Video-Plattformen finden sich inzwischen zahlreiche Anleitungen. Da es keine Ersatzteile von Epson gibt, müssen sich die Nutzer die passenden Schwämme jedoch selbstständig zuschneiden.

Die EU ist gefragt

Abhilfe könnte ein neues Maßnahmen-Paket der EU schaffen. Zukünftig sollen Produkte eine Art digitalen Pass bekommen, der Konsumenten erläutert, wie langlebig das Produkt ist und ob es repariert werden kann. Auch ein Verbot von geplanter Obsoleszenz steht im Raum. Dafür muss jedoch das Wettbewerbsrecht um einige unlautere Geschäftspraktiken auf der schwarzen Liste erweitert werden. Allerdings steht das Thema schon seit vielen Jahren auf der Agenda des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, bewegt hat sich bisher nicht viel.

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