Obsoleszenz Obsoleszenz-Risiken: Experten informieren auf der Messe Productronica

Von Margit Kuther 4 min Lesedauer

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Schon ein fehlendes Bauteil von wenigen Cent kann zu hohen Folgekosten führen. Experten der COGD informieren auf der Productronica in fünf Vorträgen über Strategien und Methoden zur Minimierung von Obsoleszenz-Risiken

Obsoleszenz: Schon ein einziges fehlendes Bauteil von wegigen Cent kann immense Folgekosten verursachen.(Bild:  Peggy Marco /  Pixabay)
Obsoleszenz: Schon ein einziges fehlendes Bauteil von wegigen Cent kann immense Folgekosten verursachen.
(Bild: Peggy Marco / Pixabay)

Die Risiken von obsoleten Bauteilen steigen: Dabei ist nicht nur die seit Jahren kontinuierlich wachsende Zahl von abgekündigten elektronischen Bauteilen und Komponenten, die vielen Herstellern langlebiger industrieller Wirtschaftsgüter Kopfschmerzen bereitet.

Auch geopolitisch bedingte Rohstoff-Engpässe und Handelseinschränkungen, Know-how-Abwanderung, immer strengere gesetzliche Umweltauflagen, Cyberangriffe auf wichtige interne Daten und Prozesse, Naturkatastrophen, etc. erweisen sich immer häufiger als latente Risikofaktoren für die langfristige Versorgungssicherheit.

Handlungsbedarf beim strategischen Obsoleszenzmanagement

Um all diesen Herausforderungen vollumfänglich gerecht werden zu können, werde zumindest in größeren Industrieunternehmen über kurz oder lang kein Weg an der Einführung eines strategischen Obsoleszenzmanagements vorbeiführen, prognostiziert Axel Wagner, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des 2005 gegründeten Non-Profit-Industrieverbandes COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) e.V. „Von unseren aktuell über 170 Mitgliedsfirmen haben viele diesen Weg schon vor Jahren erfolgreich eingeschlagen, aber außerhalb der COGD sehen wir diesbezüglich aktuell noch großen Handlungsbedarf.“

„Als gemeinnützige Organisation ist es uns wichtig, mit unseren kostenlosen öffentlichen Vortragsreihen und Diskussionsrunden auch externen Unternehmen kosteneffiziente Wege aus der Obsoleszenz-Falle aufzuzeigen. Denn viele Hersteller industrieller Geräte und Anlagen sind sich leider noch immer nicht der steigenden Bedeutung eines hocheffizienten proaktiven Obsoleszenzmanagement für den unternehmerischen Erfolg bewusst, obwohl bei besonders langlebigen Geräten und Anlagen schon heute bis zu 50 Prozent der über den gesamten Produktlebenszyklus anfallenden Gesamtkosten direkt oder indirekt mit Obsoleszenzen unterschiedlichster Art in Verbindung gebracht werden können“, so Wagner.

Treffen Sie Obsoleszenz-Experten am 21. November auf der Productronica in München

Über einige Strategien und Methoden zur Reduzierung potenzieller Obsoleszenz-Risiken können sich Aussteller und Besucher der Productronica 2025 am 21. November in der Zeit von 9:30 bis 12 Uhr im Rahmen des von der COGD in Kooperation mit der Messe München veranstalteten COGD Obsolescence Forum am „PCB & EMS Speakers Corner“ in Halle B3 informieren.

Btv Technologies zeigt Wege auf, wie Logistikdienstleister heutzutage mit klugen Konzepten und zertifizierten Prozessen (DIN EN IEC 62435) Elektronik- und EMS-Unternehmen in puncto nachhaltiger Wertschöpfung, Compliance und Zukunftssicherheit unterstützen können. Im Fokus dabei: auditierbare Langzeitlagerung, digitale Rückverfolgbarkeit, Best Practices zur Funktionserhaltung und flexible Aftermarket-Strategien. Die Teilnehmer erhalten direkte Umsetzungsimpulse aus dem Automotive-Bereich.

Eichler geht als Elektronik-Service-Center mit Schwerpunkt Industrieelektronik der Frage auf den Grund, wie sich mit einer individuellen Versorgungsstrategie Obsoleszenz steuern lässt, und stellt dafür die drei Stufen des Obsoleszenzmanagements speziell für Instandhalter vor.

FMD (Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland) als Kooperation des Fraunhofer-Verbunds Mikroelektronik mit den Leibniz-Instituten FBH und IHP stellt die APECS-Pilotlinie vor, die künftig einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Obsoleszenz leisten soll. Im Rahmen von APECS (Advanced Packaging and Integration for Electronic Components and Systems) wird die Möglichkeit geboten, von Veralterung bedrohte elektronische Komponenten und Systeme durch strategische Allianzen zwischen Anwendern, Herstellern sowie europäischen Forschungs- und Technologieorganisationen zu reproduzieren. Indem APECS die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten verringert und die europäischen Fähigkeiten in kritischen Technologiebereichen stärkt, spielt die Pilotlinie eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der technologischen Resilienz Europas.

HTV Alter Technology thematisiert in seinem Vortrag, wie Langzeitkonservierungs-Strategien zur Vermeidung von Obsoleszenz beitragen können. Ziel dieser Strategien ist es, die Nutzbarkeit elektronischer Teile über ihren typischen Lebenszyklus hinaus zu verlängern. Es werden Vorteile und Nachteile der Lagerung von Komponenten versus gesamten Baugruppen diskutiert, Alterungsprozesse aufgezeigt und Lagerungsmethoden verglichen.

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Sourceability erklärt den Vortragsbesuchern anschaulich, warum für ein produzierendes Unternehmen nicht nur die Obsoleszenz von Bauteilen oder Systemen zum Problem werden kann. Ein vielfach leider noch immer unterschätztes Risiko ist beispielsweise auch der plötzliche Verlust von Fachwissen durch das Ausscheiden von erfahrenen langjährigen Mitarbeitern.

Obsoleszenz-Maßnahmen sollten umgesetzt werden

Die in den Vorträgen aufgezeigten unterschiedlichen Lösungsansätze verdeutlichen exemplarisch, dass es heutzutage vielfältigste Möglichkeiten und Maßnahmen gibt, um sich vor den negativen Folgen einer Obsoleszenz zu schützen. Woran es mitunter noch mangelt, ist allein die Bereitschaft, diese auch konsequent und vor allem proaktiv zu nutzen.

Axel Wagner: „Leider gibt es immer noch viel zu viele produzierende Unternehmen, bei denen möglicherweise durch Obsoleszenz entstehende Kostenrisiken in Projektplanungen gar nicht oder nur unzureichend berücksichtigt werden. In der Praxis kann sich das als fataler Fehler herausstellen, denn mitunter reicht schon ein einziges in der Produktion oder Instandhaltung fehlendes Bauteil im Wert von wenigen Cent aus, um immense Folgekosten auszulösen. Aber mit unseren Veranstaltungen wollen wir als COGD dazu beitragen, dass es künftig möglichst erst gar nicht mehr so weit kommt“.

Ausführlichere Informationen zu dem am 21. November auf der productronica 2025 stattfindenden COGD Obsolescence Forum sowie den anderen Aktivitäten der Component Obsolescence Group Deutschland finden Interessenten auf der Homepage der COGD.

Über die COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) e.V.

Die COGD (Component Obsolescence Group Deutschland) e.V., ein Chapter des IIOM, ist eine Vereinigung, die sich mit den Ursachen und den Folgen von Produktabkündigungen und ihren Auswirkungen auf die eigene Lieferfähigkeit auseinandersetzt. Sie entwickelt Ideen, Konzepte und Hilfsmittel zur vorausschauenden Vermeidung und dem effizienten Umgang mit einmal eingetretenen Produktabkündigungen. Dabei wird auf pragmatische „Best Practices“-Lösungen gesetzt, die aus dem intensiven Erfahrungsaustausch der Mitgliedsfirmen erwachsen. Ziel ist es, die durch Abkündigungen verursachten wirtschaftlichen Folgekosten zu minimieren. (mk)

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