Ihr 20-jähriges Gründungsjubiläum feierte die Nonprofit-Industrieorganisation COGD e.V. Ziel der Vereinigung ist es, Obsoleszenzrisiken frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und Strategien zur Vermeidung oder Minimierung negativer Folgen zu entwickeln.
20 Jahre COGD Deutschland: Freuen sich als COGD-Vorstandsgremium über das in 20 Jahren bislang Erreichte – (v.l.) Sven Sander (Schaeffler Automotive Buehl), stellvertretender Vorstandsvorsitzender Martin Steinleitner (Syliom), Janine Keller (OneSubsea), Vorstandsvorsitzender Axel Wagner (Asteelflash), Dieter Paatsch (Festo), Stefanie Kölbl (TQ Group), Frank Mützner (Plastic Omnium Lighting Systems) und Oliver Hoffmann (Z2Data).
(Bild: COGD)
In sicherheitskritischen Bereichen und Branchen wie der Militärtechnik, der Raum- und Luftfahrt oder dem Bahnwesen, in denen Systeme in der Regel über viele Jahrzehnte ihren Dienst erfüllen,ist die Sicherstellung der langfristigen Systemverfügbarkeit schon seit vielen Jahren eine große Herausforderung.
NATO-Programme wie beispielsweise DMSMS (Diminishing Manufacturing Sources and Material Shortages) wiesen auch schon früh auf die Notwendigkeit eines umfassenden Obsoleszenzmanagements im militärischen und öffentlichen Sektor hin. Aber erst 1997 erfolgte auf Initiative der beiden Bombardier-Mitarbeiter Detlef Blum und Richard Russel die Gründung einer ersten Component Obsolescence Group in UK.
Die Idee, zusammen mit Bauteileherstellern, Dienstleistern und anderen, von Obsoleszenz bedrohten produzierenden Industrieunternehmen gemeinsam nach Lösungen gegen das Risiko Obsoleszenz zu suchen, erwies sich in der Praxis als erfolgreich. Acht Jahre später wurde auch hierzulande die Component Obsolescence Group Deutschland ins Leben gerufen, anfangs noch als Untergruppe der COG UK.
Dialogplattform für aktives und passives Obsoleszenzmanagement
Im Frühjahr 2005 unter dem Vorsitz des Briten Mike Bews mit 30 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen vorwiegend aus der Elektronikbranche gestartet, hat sich die COGD in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit aktuell 172 Mitgliederfirmen zur wichtigsten nationalen Dialogplattform für aktives und passives Obsoleszenzmanagement und zum größten nationalen Chapter des International Institute of Obsolescence Management (IIOM), der Nachfolgeorganisation der COD UK, entwickelt.
Axel Wagner, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der COGD und hauptberuflich als Corporate Lawyer EMEA Region bei der Asteelflash Holding tätig, wies auf der 20-Jahre-COGD-Jubiläumsveranstaltung vor den anwesenden Gästen und Verbandsmitgliedern darauf hin, dass man diese positive Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolge. „Natürlich freuen wir uns über den kontinuierlichen Mitgliederzuwachs bei der COGD, aber die stark gestiegene Mitgliederzahl ist eben leider auch ein Beleg dafür, dass sich abgekündigte oder aus anderen Gründen plötzlich auf dem freien Markt nicht mehr erhältliche Materialien, Werkstoffe, Software, elektronische Komponenten und sonstige Ersatzbauteile in den letzten Jahren für immer mehr Industrieunternehmen zu einem ernsten Problem entwickelt haben“, so Wagner.
Leidtragende seien immer noch vor allem Geräte- und Anlagenbauer aus Bereichen wie der Automatisierungs-,Automobil-, Bahn-, Medizin-, Militär- und Produktionstechnik, die mitunter über Jahrzehnte hinweg Ersatzteile für die Instandhaltung bereit stellen müssen, während die Produktlebenszyklen der verwendeten Bauteile, Komponenten und Softwareprogramme immer kürzer werden und auch sonstige Obsoleszenzrisiken wie geopolitische Verwerfungen, Naturkatastrophen, strengere gesetzliche Vorgaben zum Umweltschutz oder auch Cyberangriffe immer mehr zunehmen.
Produktabkündigungen und wenig Nachhaltigkeit
„Produktabkündigungen hat es schon immer gegeben. Vor allem bei elektronischen Komponenten ist deren Anzahl in den vergangenen zwei Jahrzehnten allerdings geradezu explodiert. Einer der Gründe dafür sind die extrem kurzen Lebenszykluszeiten von Smartphones, Smart Watches und anderen Innovationstreibern aus dem Consumer-Bereich. Aber auch in anderen für die Versorgungssicherheit wichtigen Bereichen beispielsweise hinsichtlich der Resilienz der internationalen Lieferketten, ist der Vorsorgeaufwand deutlich gestiegen. Alle latenten Risiken in der Lieferkette immer im Blick zu behalten und entsprechend vorausschauend zu handeln, stellt deshalb inzwischen gerade für mittelständische Unternehmen oftmals einen große personelle und finanzielle Herausforderung dar“, weiß Wagner aus langjähriger Erfahrung.
Wie schon seine Amtsvorgänger Dr. Wolfgang Heinbach, Ulrich Ermel und Detlef Blum haben sich auch Axel Wagner und seine Vorstandskollegen zum Ziel gesetzt, betroffene Firmen bei der Bewältigung dieser gestiegenen Herausforderungen bestmöglich mit Rat und Tat zu unterstützen. Dazu zählen Fachvorträge renommierter Experten bei den Quartalstreffen, interne Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen, Dialogplattformen für den direkten persönlichen Austausch unter Mitgliedern, Hausmessen oder öffentliche Vortragsreihen auf Fachmessen und internationalen Konferenzen.
Der Vorstandsvorsitzende der vielseitig engagierten Industrievereinigung verwies anlässlich der Feierstunde auch auf andere erfolgreiche Initiativen der COGD wie die Aufnahme des von der COGD initiierten smartPCN-Standards in die Norm IEC 62402, die Kooperation mit der Kanzlei ReachLaw oder das Engagement in der Verbändeallianz Elektronik. Bei letzterer fordert die COGD gemeinsam mit dem FED (Fachverband Elektronikdesign und -fertigung e. V.) und dem FBDi (Fachverband der Bauelemente Distribution) einen umfangreichen Bürokratieabbau in der Elektronikindustrie.
Stand: 08.12.2025
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„Entscheidend für die Eliminierung oder zumindest Reduzierung von Obsoleszenzrisiken bleibt auch in Zukunft der kontinuierliche intensive Austausch von Informationen und Daten mit Herstellern, Verbänden, politischen Organisationen und anderen Verbandsmitgliedern“, erklärt Wagner. Ein effizientes Obsoleszenzmanagement setze voraus, dass sich Unternehmen möglichst frühzeitig, also nicht erst kurz vor Beginn der Serienfertigung, sondern bereits während der Evaluierungs- und Entwicklungsphase eines neuen Produktes, mit potentiellen Schwachstellen in der Lieferkette auseinandersetzen.
Voraussetzung für eine frühe umfassende Risikoanalyse sei allerdings eine entsprechend große, ständig aktualisierte und möglichst automatisiert verarbeitbare Datenbasis sowie entsprechendes Know-how und viel Erfahrung. „Vor allem Letzteres können interessierte Unternehmen und Einzelpersonen bei der COGD reichlich sammeln, und wir werden alles dafür tun, dass das auch die nächsten 20 Jahre so bleibt“, betont Wagner.(kr)