Als das Radio noch Bastlerprojekt war Der Steckverbinder, den die Post nicht wollte

Von Kristin Rinortner 4 min Lesedauer

Die 1920er-Jahre sind das Jahrzehnt des Radios: Der Rundfunk erobert die Wohnzimmer, Radiobastler bauen ihre Empfänger selbst. Doch die neue Technik hängt noch an alten Verbindungen, denn Anschlüsse werden unter eine Schraube geklemmt. Richard Hirschmann setzt dem einen kleinen Steckverbinder entgegen.

Bananenstecker: 
Richard Hirschmann entwickelte in den 1920er-Jahren eine Steckverbindung für die aufkommende Rundfunktechnik und Radiobastler. Er legte damit den Grundstein für sein Unternehmen und einen Kontakt, der bis heute in Laboren und Messgeräten zu finden ist.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Bananenstecker: 
Richard Hirschmann entwickelte in den 1920er-Jahren eine Steckverbindung für die aufkommende Rundfunktechnik und Radiobastler. Er legte damit den Grundstein für sein Unternehmen und einen Kontakt, der bis heute in Laboren und Messgeräten zu finden ist.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Das Radio war in den 1920er-Jahren die neue Technik schlechthin. Rundfunkstationen gingen auf Sendung, die Zahl der Hörer wuchs und es bildete sich eine große Szene von Radiobastlern. Denn wenige konnten sich das Gerät leisten und wer technisches Geschick hatte, baute seinen Empfänger selbst.

Detektorempfänger waren vergleichsweise einfache Schaltungen, die aus Antenne, Kopfhörer und verschiedenen Schaltungsteilen bestanden. Alles musste zuverlässig miteinander verbunden werden. Doch die Verbindungstechnik hinkte hinterher.

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Anschlüsse wurden unter Schrauben geklemmt, mit Federklemmen befestigt oder anderweitig mechanisch fixiert. Für einen einmaligen Aufbau funktionierte das. Wer jedoch häufig experimentierte, musste immer wieder lösen, klemmen und nachjustieren. Wackelkontakte gehörten zum Alltag. Für Radioenthusiasten war das Ergebnis im Kopfhörer unmittelbar zu hören: Knacken, Unterbrechungen oder Funkstille.

Richard Hirschmann (1894–1974) erkannte darin eine Marktlücke. Der Ingenieur beschäftigte sich mit den Problemen der jungen Radiotechnik. Seine Idee war einfach: Warum sollte eine elektrische Verbindung jedes Mal verschraubt werden müssen?

Stift mit federndem Kontaktelement statt Schraube

Deswegen entwickelte er Mitte der 1920er-Jahre einen runden Steckstift mit einem federnden Kontaktelement. Die Innovation steckt in der Geometrie des Kontaktkörpers: Die federnden Bereiche des metallischen Steckstifts stehen im unbelasteten Zustand leicht über dessen Nenndurchmesser hinaus. Beim Einführen in die passende Buchse werden sie elastisch nach innen gedrückt.

Dabei entsteht eine nach außen gerichtete Rückstellkraft, die die Kontaktflächen gegen die Innenwand der Buchse presst. Sie sorgt zugleich für den mechanischen Halt des Steckers und für einen definierten elektrischen Kontakt. Beim Herausziehen entspannen sich die federnden Bereiche wieder.

Die Kontaktierung bleibt auch bei kleinen Bewegungen und Toleranzen erhalten, ohne dass eine Schraube nachgezogen werden muss.

Die Konstruktion bestand aus zwei wesentlichen Teilen und wurde deshalb „Eins-Zwei-Stecker“ genannt. Der später gebräuchliche Name Bananenstecker bezieht sich auf die charakteristische, leicht gekrümmte Form der federnden Kontaktbereiche.

Der Steckverbinder bot durch seine Gesamtkonstruktion (Kontakt, Federung und Isolierung, damals noch aus Bakelit) erhebliche Vorteile. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Steckverbindungen ist der Stift und nicht die Hülse federnd ausgeführt. Als Gegenstück (Buchse) für den „Eins-Zwei-Stecker“ reicht daher eine einfache Bohrung in einem Metallblock aus.

Neben 2-mm- etablierte sich vor allem die 4-mm-Ausführung später in der Mess- und Labortechnik.

Ärger mit der Reichspost und die Geschichte mit der Bückware

Der Überlieferung nach war die Reichspost von Hirschmanns Steckverbinder wenig begeistert. Der Rundfunk war damals durch das Postmonopol stark reguliert und Veränderungen des festen Aufbaus von Radiogeräten unerwünscht. Deswegen soll die praktische Steckverbindung bei den Verantwortlichen der Post auf erheblichen Widerstand gestoßen sein.

Ob die Reichspost tatsächlich ein offizielles Verbot entsprechender Steckverbindungen aussprach, lässt sich nicht eindeutig belegen. Auch die häufig erzählte Episode, Hirschmann habe 1926 seine „Eins-Zwei-Stecker“ deshalb heimlich „unter dem Ladentisch“ auf der Leipziger Messe verkauft, ist nicht gesichert belegbar.

Ein Artikel in der Funkschau von 1957 nennt jedoch die Leipziger Messe des Jahres 1926 als Schauplatz eines frühen öffentlichen Auftritts Hirschmanns. Produziert wurden die Bananenstecker zu diesem Zeitpunkt noch mit Unterstützung seiner Familie in der eigenen Wohnung.

Trotz aller Widerstände fand der praktische Steckverbinder bei den Radiobastlern reißenden Absatz und begründete Hirschmanns Unternehmenserfolg, der sich 1924 in Esslingen selbstständig gemacht hatte.

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Der Erfolg der Firma Richard Hirschmann Radiotechnisches Werk setzte sich später mit den Hirschmann-Antennen bis zum Verkauf des Unternehmens im Jahr 2004 fort. Die Produktlinie und Marke Hirschmann Test & Measurement, wozu neben Produkten aus dem Bereich Messleitungen und Messzubehör heute noch Bananenstecker zählen, übernahm im Jahr 2006 die Firma SKS Kontakttechnik.

Vom Eins-Zwei-Stecker zur Messtechnikkomponente

Hirschmann patentierte seinen Eins-Zwei-Stecker 1926. Das Patent trug den technisch nüchternen Titel „Stecker mit Klemmvorrichtung für den Anschlussdraht im Isolierkörper“. Bekannt gemacht wurde das Patent erst 1929. Der Einsatzbereich des Steckverbinders blieb nicht auf den Radiobereich beschränkt. Mit dem Aufstieg der Mess- und Prüftechnik fand er seinen Platz im Elektroniklabor. 4-mm-Bananenstecker gehören bis heute beim Einsatz von Labornetzgeräten, Messleitungen und Prüfaufbauten zu unverzichtbaren Komponenten.

Das Grundprinzip ist dabei erhalten geblieben: Eine elastische Kontaktzone erzeugt beim Stecken eine definierte Anpresskraft und gleicht dabei Maß- und Formtoleranzen zwischen Stecker und Buchse aus. Eine einfache und sichere Steckverbindung, die sich schnell lösen und umstecken lässt, ist damit garantiert.

Während sich die Elektronik seit den 1920er-Jahren von Röhren über Transistoren bis zu hochintegrierten Schaltungen grundlegend verändert hat, ist der klassische mechanische Bananansteckverbinder bis heute vom Prinzip her unverändert. (kr)

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